Archiv der Kategorie: Selbstmanagement

Schön langsam!

Leistung ist Arbeit durch Zeit. Diese Gleichung kenne ich noch sehr gut aus dem Physikunterricht. Sie gilt aber nicht nur für diese Disziplin, sondern bekanntermaßen auch fürs Arbeitsleben. Ein Mitarbeiter, der in kurzer Zeit viel schafft, ist ein guter Mitarbeiter. Ein leistungsstarker Mensch ist ein wertvoller Mensch. Wir haben dieses Prinzip wohl beinahe alle verinnerlicht. Darum hetzen wir durch den Arbeitsalltag, immer bestrebt, so viel wie irgend möglich innerhalb einer festgesetzten Zeitspanne zu erledigen. Vielen bekommt das gar nicht, sie leiden unter Stress und müssen damit rechnen, dass das Stresshormon Cortisol sogar langfristig ihren Körper schädigt.

Vorgestern wurde mir wieder einmal ein ganz anderes Prinzip bewusst: Wer möglichst viel in möglichst kurzer Zeit fertigstellen will, hat keine Gelegenheit, seine Arbeit zu genießen. Ich hatte mich so gut organisiert, dass mir plötzlich unerwartet viel Zeit für eine bestimmte Aufgabe zur Verfügung stand. Ich erledigte sie zügig, ohne Bummelei, aber auch ohne Eile. Dabei merkte ich sehr deutlich, dass ich genoss, was ich tat. Ich konnte meine Arbeit mit Achtsamkeit erledigen und im Tun aufgehen. Indem ich ganz bei der Sache war, konnte sich ein Gefühl der Freude und Befriedigung einstellen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Essen: Wer seine Mahlzeit herunter schlingt, schmeckt nicht viel davon. Außerdem muss er mit Verdauungsproblemen rechnen. Essen wird erst zum Genuss, wenn man sich ausreichend Zeit lässt.

Vielleicht sollten wir öfter mal ungehorsam sein und uns dem gängigen Leistungsprinzip verweigern. Wer viel in kurzer Zeit erledigt, fühlt sich dabei nicht unbedingt gut und bringt sich allzu oft um den Genuss der Hingabe. Letzten Endes geht es doch darum, das Beste aus der Lebenszeit zu machen. Genussvolles Arbeiten gehört ganz bestimmt dazu!

Traum und Wirklichkeit

Hin und wieder kaufe ich gern ein neues Deko-Objekt für mein Institut, ganz besonders, wenn es einen inhaltlichen Bezug zu meiner Arbeit hat. Als ich kürzlich mit meinen Töchtern unterwegs war, entdeckten wir in einem Laden Schriftzüge aus Metall. Man konnte unter verschiedenen Wörtern wählen. Sie waren alle ca. 15 cm hoch, 40 cm lang und hatten entweder eine rostige oder verzinkte Oberfläche. Mir gefiel das Wort „Träume“ und eine meiner Töchter griff sofort zur Variante mit der rostigen Oberfläche. Das Objekt wirkte sehr verträumt und überaus romantisch. Aber für mich war es nicht stimmig. Ich bevorzugte intuitiv die wesentlich nüchterner wirkende Variante aus Zink. Erst auf dem Heimweg wurde mir klar, warum: In meiner Arbeit wie auch in meiner Lebensweise verbinde ich beides, das Träumerische und die kühle Rationalität. Ich habe mir wohl eine nüchterne Betrachtungsweise von Träumen angewöhnt. Ich träume gern und ermutige auch meine Kunden dazu, aber sobald der Traum klar vor Augen steht, werden die Ärmel hochgekrempelt. Dann mache ich mich daran, aus den Träumen operable Ziele zu entwickeln. Ich handle gemäß der Formel

Erfüllung = Träume + Know-how

Wir brauchen unsere Träume, aber nicht, um von der manchmal unbefriedigenden Wirklichkeit abzulenken, sondern um unsere Wirklichkeit zu gestalten. Träume geben uns Orientierung. Traum und Realität treten in Wechselwirkung. So wird Erfüllung möglich.

Loslassen und vertrauen

Ich liebe Gärten und bin deswegen alljährlich in den sommerlichen Gärten Englands unterwegs. Natürlich möchte ich daheim in bescheidenem Umfang ebenfalls einen schönen Garten haben und bin bereit, einiges dafür zu tun, dass es so aussieht:

Rose

Allerdings war dieses Jahr der Winter sehr lang und als die Gartensaison begann, war ich beruflich ständig unterwegs. Daher konnte ich mich nicht um die Pflege kümmern, wie ich es gerne getan hätte. Statt dessen habe ich den Garten sich selbst überlassen. Und dabei ist das herausgekommen:

DSCN0821Was hier zu sehen ist, wurde von mir nicht angepflanzt. Wilde Erdbeeren und Glockenblumen sind von wer weiß woher eingewandert. Ich hätte es nicht schöner hinbekommen.

Manchmal lohnt es sich, einfach loszulassen, Vertrauen zu haben und die Dinge ihren Gang gehen zu lassen. Vermutlich machen wir uns alle zuweilen völlig unnötig Stress, weil wir glauben, alles kontrollieren zu müssen.