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Das eigene Wetter machen

012Samstag musste ich ein paar Dinge im Supermarkt besorgen. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, weshalb überall großes Gedränge herrschte. Das wirkte sich nicht gut auf die Stimmung aus: Ich konnte die Anspannung der Menschen deutlich wahrnehmen, viele wirkten ungeduldig, genervt oder sogar leicht aggressiv. Einige benahmen sich rücksichtslos.

Wenn so viele Leute so schlecht drauf sind, besteht die Gefahr der Ansteckung. Man passt sich ohne nachzudenken der vorherrschenden Stimmung an. Muss aber nicht sein.

Worauf es ankommt: Rechtzeitig zu merken, was da gerade passiert und sich klar zu entscheiden, was man will. Das gelingt mir nicht immer, weil ich manchmal zu unaufmerksam bin oder auch zu kraftlos. Aber am Samstag hat es geklappt. Mir war ganz schnell bewusst, dass ich mich nicht mit all den schlechten Gefühlen infizieren, sondern meine gute Laune behalten wollte. Deshalb habe ich freundlich auf die Drängler an der Kasse und im Aufzug reagiert, viele Menschen angelächelt und ganz Ungeduldige vorgelassen. Sogar ein Kompliment habe ich gemacht, und zwar in humorvoller Weise, sodass alle im Aufzug schmunzeln mussten und sich gleich drei Personen gleichzeitig gebauchpinselt fühlten.

Gefühle sind ansteckend und wer schlecht drauf ist, zieht andere runter. Eine Erfahrung, die bestimmt jeder von uns schon unzählige Male gemacht hat. Aber dem lässt sich entgegenwirken, wenn man will. Das stärkere Gefühl setzt sich in der Regel durch – somit kann jeder von uns, ganz gleich, wohin er geht, sein eigenes Wetter machen und genau die Atmosphäre schaffen, die er haben will.

Grund zum Ärgern?

Kürzlich hat sich eine gute Freundin per E-Mail bei mir gemeldet, um ein Treffen zu vereinbaren. Ich habe mich über ihre Nachricht sehr gefreut und ihr einen Terminvorschlag gemacht (ebenfalls per E-Mail). Allerdings hat sie dann bis zum betreffenden Tag nichts mehr von sich hören lassen. Ich wusste also nicht, ob sie vorhatte, mich zu treffen oder nicht. Erst stieg Ungeduld in mir auf („Warum meldet sie sich denn nicht? Sie hätte doch genügend Zeit dafür gehabt!“). Danach stellte sich Ärger ein: „Ganz schön rücksichtslos, mich im Ungewissen zu lassen!“
Dann fiel mir etwas auf: Ich hatte mich in die Opferrolle begeben und der Ärger war hausgemacht. Nun ist Ärger mit Sicherheit ein ziemlich ungesundes Gefühl. Also weg damit! Und wie? Indem ich wieder Regie übernehme statt mich passiv zu verhalten. Ich sah drei Möglichkeiten:

  1. Anrufen und nachfragen.
  2. Den Tag nach meinen eigenen Bedürfnissen planen und nicht länger warten.
  3. Die eigenen Gedanken in Frage stellen. Rücksichtslosigkeit als Ursache war eine Unterstellung, für die ich keine Beweise hatte. Da hätten auch viele andere Ursachen im Spiel sein können (Krankheit, Arbeitsüberlastung, ein Fehler in der Technik usw.).

Auf diese Weise geht es mir besser. Und die Freundschaft wird nicht leichtfertig mit Vorwürfen belastet.