Ein Psychopath als Chef

In meinen Artikeln, Büchern und Vorträgen gibt es Botschaften, die sich wiederholen. Manchmal bin ich tatsächlich ein bisschen wie eine Schallplatte mit Sprung. Und eine meiner sich wiederholenden Botschaften lautet: Sei ein Schachspieler!

Das bedeutet zweierlei, nämlich erstens: Streng deinen Kopf an, wenn du vor einer herausfordernden Situation stehst, denke strategisch! Und zweitens bedeutet es: Nimm die Angelegenheit nicht todernst! Geh spielerisch damit um! Denn wenn wir etwas zu ernst nehmen, kann es passieren, dass wir dadurch zu angespannt sind – und das blockiert uns.

Natürlich gibt es Umstände, die am laufenden Band negative Gefühle erzeugen. Im Job ist das zum Beispiel ein psychopathischer Chef. Forscher gehen davon aus, dass es gerade auf den Chefsesseln besonders viele Psychopathen gibt. Das ist absolut logisch, wenn man sich die typischen Merkmale einer psychopathischen Persönlichkeitsstruktur vor Augen führt. Das bringt uns zu der Frage:

Was ist eigentlich ein Psychopath?

Das ist ein Mensch mit bestimmten Eigenschaften. Er weist eine Mischung aus vielen auffälligen Eigenschaften auf. Auch viele normale Menschen weisen einige dieser Eigenschaften auf. Die Grenzen sind also fließend. Wir müssen leider davon ausgehen, dass fast jeder von uns unter bestimmten Umständen zu kaltherziger Grausamkeit in der Lage ist. Ich fand in diesem Zusammenhang eine Studie recht interessant, die belegt, dass es in Deutschland sehr viel weniger Morde an Ehemännern gibt, seit das Gesetz die Scheidung erleichtert hat.

Wir können also davon ausgehen, dass sich Frauen unter uns befinden, die vor 50 oder 100 Jahren zu Mörderinnen geworden wären. Jetzt leben sie vollkommen unauffällig unter uns, weil das Morden nicht mehr nötig ist, um einen Ehemann loszuwerden.

Psychopathie ist jedoch ohne Frage eine schwere Persönlichkeitsstörung. Robert Hare ist der bekannteste Forscher, der sich sehr intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt hat. Er hat in seinen Arbeiten 20 Bausteine der Psychopathie identifiziert. Anhand folgender Eigenheiten ist es am leichtesten, einen Psychopathen zu erkennen.

  1. Dreiviertel aller Psychopathen haben eine narzisstische Persönlichkeit. Sie halten sich für besonders wertvoll und fühlen sich anderen Menschen überlegen. Sie nehmen sich übertrieben großartig wahr und so geben sie sich auch nach außen. Sie wollen wichtiger und besser sein als andere. Sie sind geltungssüchtig. Deshalb ertragen sie auch nicht den Hauch von Kritik und werden sich sehr erbittert dagegen wehren. Man darf sie nicht in Frage stellen, wenn man sich keinen Ärger einhandeln will.
  2. Psychopathen lassen auch nicht zu, dass jemand Macht über sie gewinnt. Sie wollen sich nicht unterordnen. Sie geben sich deshalb sehr dominant. Das führt dann u.a. dazu, dass sie Regeln missachten. Wenn sie keine Lust dazu verspüren, einer Regel zu folgen, dann brechen sie sie. Sie können z.B. sehr rücksichtslose Autofahrer sein, die sich selbst und andere in Gefahr bringen.
  3. Auf eine gewisse Art verhalten sie sich zudem wie kleine Kinder. Denn sie agieren sehr impulsiv. Es fällt ihnen schwer, ihre Wünsche mal zurückzustellen, auf etwas zu warten, Bedürfnisbefriedigung auszuschieben. Ihre Frustrationstoleranz ist sehr gering. Deshalb kommt es mitunter zu kriminellem Verhalten, zu Untreue in der Partnerschaft oder auch zu Problemen im Umgang mit Geld.
  4. Die Eigenschaft, die sie am deutlichsten auszeichnet und zugleich oft so unheimlich erscheinen lässt, ist ihr Mangel an Gefühl. Psychopathen fühlen weniger als andere Menschen. Sie haben deshalb auch kein Gewissen und sie plagen sich nicht mit Schuldgefühlen. Da sie selbst so wenig fühlen, empfinden sie auch kein Mitgefühl mit anderen. Sie können sich nicht in andere Menschen einfühlen. Das nimmt ihnen die Hemmung, anderen kaltherzig zu schaden. Sie neigen dazu, andere rücksichtslos auszunutzen.

Es überrascht nicht, dass gerade Menschen mit solch einer Persönlichkeitsstruktur besonders häufig in Führungspositionen zu finden sind. Die Chancen, irgendwann mal einen psychopathischen Chef zu haben, stehen also gar nicht schlecht.

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Unbedingt strategisch denken!

Es gibt nun Autoren, die raten dazu, sofort den Job zu wechseln, wenn man merkt, dass man einen Psychopathen zum Vorgesetzten hat. Ich persönlich denke, dass Flucht nicht unbedingt souverän ist und in den meisten Fällen auch völlig übertrieben wäre. Ich rate aber dringend dazu, nicht blauäugig zu sein. Psychopathen können sehr unangenehm und durchaus gefährlich werden. Souverän wäre es, sich nicht zu fürchten, aber die Gefahr auch nicht zu unterschätzen. Mein Rat: Verhalten Sie sich wie ein Schachspieler, der mit kühlem Kopf seine Züge plant.

Es ist wichtig zu erkennen, wie ein psychopathischer Chef tickt. Und dann stellt man sich eben darauf ein und geht sehr überlegt mit ihm um. Hier sind drei Beispiele für diese Strategie:

  1. Man sollte sich auf keinen Fall mit einem psychopathischen Chef anlegen. Man würde höchstwahrscheinlich den Kürzeren ziehen. Denn der Psychopath kennt keine Skrupel, man selbst aber schon. Das bringt einen von vornherein in die unterlegene Position. Also lässt man es besser nie unbedacht zu einem offenen Machtkampf kommen.
  2. Es wäre zudem ratsam, sich mit Kritik zurückzuhalten, denn der narzisstische Psychopath würde äußerst empfindlich darauf reagieren. Am klügsten ist es, ihn durch Argumente zu überzeugen, die einen Nutzen für ihn haben. Nur Maßnahmen, von denen er selbst profitiert, sind für ihn interessant. Wenn man ihm also vermitteln kann, dass er durch eine bestimmte Entscheidung oder Handlungsweise sehr viel Respekt gewinnen würde, überzeugt ihn das mehr als alles andere. Man darf ihm sein Gefühl von Überlegenheit nicht zu nehmen versuchen. Er braucht das und wird es mit Zähnen und Klauen verteidigen.
  3. Man darf natürlich von einem Psychopathen keinerlei Verständnis erwarten. Er ist grundsätzlich nur auf sein eigenes Wohl bedacht und wird kein Mitgefühl aufbringen. Man bekommt ja auch keine Eier von der Kuh. Wer beispielsweise Bestätigung braucht, muss sie sich eben woanders holen.

Es wäre völlig sinnlos, einen Psychopathen erziehen zu wollen. Es scheint, dass erwachsene Psychopathen nicht zu therapieren sind. Es liegt mit Sicherheit eine ganz besondere Herausforderung darin, mit einem machthungrigen, selbstverliebten, gefühlskalten und skrupellosen Menschen zusammenzuarbeiten. Aber unmöglich ist es nicht, davon bin ich fest überzeugt. Ein souveräner Mensch, der Schach spielt, kann das schaffen.

Und sollten Sie mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin irgendwelche Probleme haben, dann machen Sie doch einfach mal einen Termin für ein kostenloses Orientierungsgespräch mit mir. Klicken Sie dazu nur auf diesen Kalender und suchen Sie sich einen Termin aus:

Ich rufe Sie dann einfach zum gewünschten Zeitpunkt an und wir sprechen über IHRE Strategie. Damit Sie entspannter arbeiten können und sich nicht über Ihre Vorgesetzten ärgern müssen.

 

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