Stille Helden

Zum Jahresausklang findet in den diversen Fernsehprogrammen immer wieder ein Rückblick statt. Man wählt die Prominenten des Jahres aus und würdigt ihre Leistung. Und natürlich verdient manch sportliche oder künstlerische Leistung durchaus Respekt. Für mich sind es trotzdem ganz andere Leistungen, die mir Hochachtung abringen. Sie werden von Menschen erbracht, die nie im Fernsehen in Erscheinung treten und ein Leben lang unauffällig bleiben. Dabei hätten sie einen Oscar für ihr Lebenswerk verdient.

Einer solchen Person bin ich erst kürzlich begegnet. Sie machte eine Bemerkung über ihren Vornamen, der mich aufhorchen ließ und ich bat sie, mir mehr zu erzählen. Sie berichtete mir daraufhin, dass sie ein unerwünschtes Kind gewesen sei. Die Eltern hatten auf einen Sohn gehofft und deshalb auch nur einen männlichen Vornamen ausgesucht. Als nun die Tochter zur Welt kam, wollten sie sie nicht haben und auch keinen Namen für das Neugeborene suchen. Das kleine Mädchen erhielt seinen Vornamen dann schließlich von der Hebamme und wuchs bei der Großmutter auf. Als Psychologin weiß ich nur zu gut, welche Probleme und Störungen aufgrund einer solchen Kindheitsgeschichte entstehen können. Aber in diesem Fall saß ich einer lebenstüchtigen und humorvollen Frau gegenüber, die ein erfülltes Leben führt und in jeder Hinsicht höchst kompetent ist.

Ich gebe offen zu, dass mich diese Leistung weit mehr beeindruckt als der Gesang einer Helene Fischer oder die sportlichen Leistungen eines Robert Harting. Und ich bin überzeugt: Die größten Helden leben unerkannt unter uns.

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