Was von uns bleibt

Kürzlich sah ich in Südengland einen wahrhaft beeindruckenden Leichenzug. Wir stießen zufällig an einer Kreuzung darauf: Gemessenen Schrittes ging ein Mann in schwarzem Anzug und Zylinder vorweg. Ihm folgte der Leichenwagen mit dem Sarg, der ganz in Weiß gehalten und mit Blumen geschmückt war. Hinter ihm fuhren fünf schwarze Stretchlimos, makellos glänzend und voll besetzt mit Trauergästen. Als nächstes kam ein kleiner Laster, dessen Ladefläche überquoll von Grabgestecken und Trauerkränzen. Schließlich folgte eine lange Reihe normaler Pkws mit schwarz gekleideten Menschen. Ich sah sogar eine junge Mutter, die – man glaubt es kaum – ihr schwarz gekleidetes Baby im Arm hielt.

Kein Zweifel: Wer immer da zu Grabe getragen wurde, muss für seine Mitmenschen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Wem von uns würde die Vorstellung nicht schmeicheln, von einer großen Anzahl Menschen derart würdevoll betrauert zu werden?!

Und doch: Ich glaube nicht, dass die Art und Weise, wie andere von einer Person Abschied nehmen, etwas über den Wert ihres Lebens aussagt. Dafür gibt es zu viele großartige Menschen, die unbemerkt aus der menschlichen Gemeinschaft ausscheiden. Was mich betrifft, so wünsche ich mir vor allem ein Leben, das mir entspricht – was andere davon halten, ist weniger bedeutsam. Ich halte es wie Henry James, der schrieb: „Leben Sie Ihr Leben, so gut Sie können. Alles andere wäre ein Fehler. Dabei ist es nicht wichtig, was Sie im Einzelnen machen, solange Sie Ihr Leben leben. Wenn Sie nicht Ihr Leben leben, was bleibt Ihnen dann noch?“ Das scheint mir der wichtigste Erfolg zu sein: Auf meine eigene Weise leben zu können. Anschließend soll mich betrauern, wer mag.

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