Der Feind in deinem Büro

Kürzlich wurde ich von ZEIT ONLINE zum Thema „Effektivität von Führungskräften“ interviewt und habe dabei eher am Rande geäußert, Mitarbeiter sollten Geduld mit ihren Vorgesetzten haben. Ich erlebe ständig, wie unzufrieden Mitarbeiter sind und wie wenig Fehlertoleranz sie im Hinblick auf das Verhalten ihrer Chefs aufzubringen bereit sind. Tatsächlich sollten aber auch Führungskräfte die Chance haben, in ihre Aufgabe hineinzuwachsen. Schließlich liegt die Fähigkeit zu perfekter Führungsarbeit nicht in den Genen. „Learning by doing“ dürfte auch hier die adäquate Methode sein.

Ich war dann sehr überrascht, wie viel Aufmerksamkeit auf diesen Aspekt gelenkt wurde. Bei XING fungierte der Artikel als Aufmacher-News mit dem Titel „Mitarbeiter sollten Geduld mit dem Chef haben“ – dabei berührte er auch viele andere Aspekte. Es scheint alles andere als selbstverständlich zu sein, dass Mitarbeiter ihre Chefs so behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchten – nämlich mit Wohlwollen. Diese Haltung ist einigen nicht nur fremd, sondern – wie die Kommentare zum Artikel erkennen lassen – es scheint ein regelrechtes Feindbild zu existieren. Man unterstellt dem Chef Psychopathie und Rücksichtslosigkeit, Lernresistenz und Menschenverachtung. Ich weiß, dass es Führungskräfte mit derartigen Eigenschaften gibt, aber sie stellen keine Mehrheit dar.

Und ich frage mich, ob denen, die ihr Feindbild pflegen, eigentlich klar ist, dass sie mit dieser Haltung selbst zu ihrem Unglück am Arbeitsplatz beitragen. Denn wer von seinem Chef Schlechtes erwartet, bringt das Schlechte in ihm hervor. Das ist das simple Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Betreffenden werden dann natürlich klagen und jede Verantwortung weit von sich weisen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.