Bloß nicht zu bescheiden!

Kürzlich habe ich für unsere Hunde und Fische (wir haben ein ernstes Bevölkerungsproblem im Teich…) umfangreiche Futtervorräte besorgt. Die junge Frau an der Kasse war in Plauderstimmung und wollte wissen, ob ich das Futter für den Urlaub bräuchte. So kamen wir auf die Segnungen der Urlaubszeit zu sprechen und wie gut es doch tut, einmal Abstand zu haben vom Alltag. Sie erzählte, sie habe aus diesem Abstand heraus deutlich erkannt, dass ihr Mann sich von seiner Firma ausnutzen lasse. Er sei ein hochqualifizierter ITler und verdiene nur 18,00 € pro Stunde. Beide müssten Vollzeit arbeiten, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Sie berichtete, wie Sie auf Xing für ihn nach einem neuen Job gesucht habe, dass er Angebote erhalten habe, bei denen er über 4000,00 € im Monat verdienen könne. Ihr Mann sei zwar sehr aufgeschlossen für die Idee, sich besser bezahlen zu lassen, aber ihm fehle der Drive, er sei zu bescheiden, einen angemessenen Lohn zu fordern. Er sei noch sehr jung und nicht sicher, ob ihm ein besserer Lohn zusteht.

Ich kenne diese Haltung nur zu gut von einigen meiner Kunden. Es gibt viele Menschen, die meinen, es sei anmaßend, etwas für sich zu fordern. Viele lassen sich lieber vom Arbeitgeber ausbeuten als ihren Lohn neu zu verhandeln. Dahinter steckt nur allzu oft eine falsche Bescheidenheit, die es verbietet, stolz auf die eigene Leistung zu sein. Diese Menschen sind in ihren eigenen Augen niemals gut genug. Sie begnügen sich mit wenig, weil sie sich nicht erlauben können, großartig zu sein. Es passt nicht zu ihrer Selbstwahrnehmung. Dabei sind viele von ihnen hochqualifiziert. Aber sie erhalten nicht, was sie verdient hätten. Das ist traurig. „Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht“, schrieb Knigge 1788. Wohl wahr!

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