Die Macht der kleinen Gesten

Heute stand ich wartend vor dem Aufzug. Als er schließlich kam, machte ich eine unbedachte Bewegung auf ihn zu und dabei fiel mir mein Autoschlüssel zu Boden, den ich zusammen mit einer großen Tasche in der Hand gehalten hatte. Die Dame, die gerade im Begriff war auszusteigen und schon beinahe draußen stand, hielt in ihrer Bewegung inne und blockierte mit einer Hand die Lichtschranke, sodass sich der Aufzug nicht vor meiner Nase schließen konnte. Sie wartete, bis ich meinen Schlüssel wieder fest in der Hand hielt und ging dann lächelnd weiter.

Solch kleine Gesten der freundlichen Aufmerksamkeit rühren mich immer sehr. Wenn wildfremde Menschen mich mit diesem wohlwollendem Blick bedenken, geht mir einfach das Herz auf. Wie schade, dass dergleichen nur so selten passiert! Dabei wäre es doch einfach, netter und fürsorglicher miteinander umzugehen! Es sind ja keine spektakulären Aktionen gefragt, es genügen scheinbar banale kleine Aufmerksamkeiten. Sie sind sehr machtvoll, denn sie tun nicht nur demjenigen gut, an den sie gerichtet sind, sondern nutzen auch dem Wohltäter selbst. Die Natur hat es klugerweise so eingerichtet, dass das Gutsein sich immer gut anfühlt. „Helper’s High“ heißt das in der Fachsprache.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, was der englische Dichter William Wordsworth zu diesem Thema geschrieben hat: „Der beste Teil im Leben eines guten Menschen, seine kleinen, namenlosen und leicht vergessenen Gesten der Freundlichkeit und Liebe.“ Ich glaube, es würde mir sehr gefallen, noch viel öfter in diesem Sinne gut zu sein.

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