Soooo schön!

032Zu dieser Jahreszeit braucht man viel Geduld, wenn man mit mir spazieren gehen will. Die Natur hat im Moment allerhand zu bieten und ich bin überaus empfänglich dafür. Jedes Gespräch wird meinerseits alle paar Sätze von Entzückensrufen und Äußerungen der Bewunderung unterbrochen. Immer wieder muss ich stehenbleiben, weil ich irgendetwas entdeckt habe, das ich mir genauer anschauen will. Ich bestaune die Vielfalt der Insektenwelt, beobachte schwerfällige Hummeln, wie sie sich auf ihrer Suche nach Nektar tief in die Blüten des Fingerhuts vorarbeiten, ich lausche dem tiefen Summen, das aus den trichterförmigen Blütenkelchen dringt. Meine Blicke wandern über die Landschaft und ich nehme gierig die Farben in mich auf, das satte Grün der Sträucher, das strahlende Weiß des blühenden Holunders. Ich kann nicht anders, ich muss einen Ast herunterbiegen, um an den Blüten zu riechen und bin berauscht von der Stimmung des Frühsommers. Ich begeistere mich für die vielfältigen Blüten der unterschiedlichen Gräser und gerate in Verzückung über den Duft der großen Linde am Waldparkplatz.Ich freue mich auch an den kleinen und unscheinbaren Blüten, zart gestaltete Kunstwerke der Natur, unauffällig und vollkommen. Sogar meine Hunde scheinen etwas von der beseligenden Opulenz dieser Jahreszeit zu spüren. Übermütig wälzen sie sich im dichten Gras.

Mit allen Sinnen genießen – das ist ein sicheres Rezept zum Glücklichsein. Das Leben ist voll von solchen kleinen Gelegenheiten. Sie führen wesentlich zuverlässiger zum Glück als die großen und spektakulären Ereignisse, von denen wir uns das Glück erwarten. Denn sie bieten sich viel, viel häufiger. Es ist das Glück des Augenblicks, das jeden Tag bereichert. Man darf es nicht unterschätzen. “Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben”, schrieb Marie von Ebner-Eschenbach. Wer klug ist, nutzt diese Chance. Nur dumme Leute sind unempfänglich dafür.

 

 

Ein Gedanke zu „Soooo schön!

  1. Hans-Georg Willmann

    “Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben”, schrieb Marie von Ebner-Eschenbach

    Das ist für mich der Satz des Tages und die Bestätigung dafür, dass rund 2500 Jahre Buddhismus nicht irren können 🙂

    Danke für diesen Impuls
    Hans-Georg Willmann

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