Schlagwort-Archiv: Ziele

Beharrlich und flexibel

Auf Facebook habe ich kürzlich den Satz gelesen: „Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals das Ziel.“

Was wie Entschlossenheit und Stärke daherkommt, ist in Wirklichkeit eine Dummheit. Denn es stimmt zwar, dass Beharrlichkeit eine unverzichtbare Eigenschaft darstellt, wenn man große und lohnende Ziele verwirklichen will. Ich mag dieses Zitat von Calvin Coolidge, und es beeindruckt mich immer wieder aufs Neue: „Nothing in this world can take the place of persistence. Talent will not; nothing is more common than unsuccessful men with talent. Genius will not; unrewarded genius is almost a proverb. Education will not; the world is full of educated failures. Persistence and determination alone are omnipotent.“

Das sind starke Worte. Und dennoch: Beharrlichkeit kann sehr gefährlich werden, wenn blinde Sturheit daraus wird. Denn neben der Beharrlichkeit brauchen wir Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auch reizvolle Ziele aufzugeben. Weil wir unterwegs feststellen, dass der Preis zu hoch ist; oder dass wir das Ziel falsch eingeschätzt haben; oder dass wir uns selbst falsch eingeschätzt haben. Auch Ziele haben ein Verfallsdatum… Hinzu kommt, dass wir nicht allmächtig sind. Manchmal können wir bestimmte Ziele nicht erreichen, weil sie nicht im Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Für Ziele gilt (wie für anderes auch) das Prinzip des Sowohl-als auch: Wir brauchen sowohl Beharrlichkeit, um ehrgeizige Ziele zu erreichen als auch die nötige Flexibilität, um ein Ziel aufzugeben, sobald wir merken, dass es nicht stimmig ist.

Das Narzissen-Prinzip

In Südkalifornien, hoch oben in den San Bernardino Mountains, gibt es einen Narzissen-Garten mit 50.000 Blumenzwiebeln. Er wurde von einer einzigen Person angelegt. Sie setzte Jahr für Jahr Zwiebel für Zwiebel in den Boden, insgesamt 35 Jahre lang. Der so entstandene Garten ist atemberaubend schön und zeigt, was eine einzige Person leisten kann, wenn sie ihr Ziel fest im Auge behält und ausdauernd daran arbeitet. Es kommt nicht darauf an, dass wir uns kurzfristig verausgaben. Viel wichtiger ist der lange Atem. Viele kleine Schritte führen am Ende zu etwas Großem.

Wir neigen dazu, zu überschätzen, was wir an einem einzigen Tag leisten können und gleichzeitig zu unterschätzen, was wir schaffen, wenn wir beharrlich kleine Schritte machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie weit wir kommen, wenn wir einfach nur weitermachen, unbeirrbar und unermüdlich.

Ich selbst nutze das „Narzissen-Prinzip“ gerne und oft: Wenn ich ein neues Buch schreibe, meinen großen Garten pflege, für viele Gäste koche, Hunderte von handgeschriebenen Karten verschicke und noch bei vielen anderen Vorhaben. Ich finde es äußerst entspannend. Kleine Schritte, kein Stress, regelmäßige Fortschritte und am Ende ein schöner Erfolg.

Go for it!!!

Gestern sprach mich ein sympathisch aussehender junger Mann auf der Straße an. Er erzählte, er habe sich gerade als Immobilienmakler selbstständig gemacht und nun ging er durch unser Viertel, sprach die Bewohner an und drückte ihnen seine Visitenkarte in die Hand. Wir kamen kurz ins Gespräch und mir fielen zwei Dinge an diesem Mann auf: Zum einen schien er beseelt von der Idee, im Immobiliengeschäft zu arbeiten. Zum anderen war mir klar, dass er keinen Erfolg haben wird. Woher ich das weiß? Nun, dem jungen Mann fehlte der Biss. Er hielt sich nicht aufrecht, seine Haltung war schlaff und er ließ jeder seiner Bemerkungen ein beschwichtigendes Lachen folgen. Auf mich wirkte er, als könne er selbst nicht recht glauben, was er da vorhatte. So wird niemand in einem solch harten Geschäft erfolgreich.

Ich bin überzeugt, dass es nicht genügt, etwas zu finden, das man gerne tun würde. Man braucht darüber hinaus Biss. Das bedeutet: Ich glaube fest daran, dass ich erfolgreich sein kann und mir der Erfolg zusteht. Ich tue alles dafür und lasse mich nicht entmutigen. Ich richte meine ganze Energie auf dieses Ziel und lasse nicht locker. Ich setze alles ein, was ich habe: meine Kompetenz, meinen Mut, meine Fantasie, meine Überzeugungskraft. Diese starke innere Überzeugung wird für die Umgebung unweigerlich spürbar. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich Türen öffnen.

Ich bin diesem jungen Mann sehr dankbar für sein schlechtes Beispiel. Hat er mich doch zum Nachdenken gebracht: Wie steht es denn um meine eigene innere Überzeugungskraft? Ich habe den Verdacht, dass ich hier und da zu halbherzig agiere. Ich muss meine Einstellung überprüfen. An große Vorhaben geht man ganz bestimmt anders heran als der junge Makler: aufrecht und mit gestrafften Schultern.

Was von uns bleibt

Kürzlich sah ich in Südengland einen wahrhaft beeindruckenden Leichenzug. Wir stießen zufällig an einer Kreuzung darauf: Gemessenen Schrittes ging ein Mann in schwarzem Anzug und Zylinder vorweg. Ihm folgte der Leichenwagen mit dem Sarg, der ganz in Weiß gehalten und mit Blumen geschmückt war. Hinter ihm fuhren fünf schwarze Stretchlimos, makellos glänzend und voll besetzt mit Trauergästen. Als nächstes kam ein kleiner Laster, dessen Ladefläche überquoll von Grabgestecken und Trauerkränzen. Schließlich folgte eine lange Reihe normaler Pkws mit schwarz gekleideten Menschen. Ich sah sogar eine junge Mutter, die – man glaubt es kaum – ihr schwarz gekleidetes Baby im Arm hielt.

Kein Zweifel: Wer immer da zu Grabe getragen wurde, muss für seine Mitmenschen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Wem von uns würde die Vorstellung nicht schmeicheln, von einer großen Anzahl Menschen derart würdevoll betrauert zu werden?!

Und doch: Ich glaube nicht, dass die Art und Weise, wie andere von einer Person Abschied nehmen, etwas über den Wert ihres Lebens aussagt. Dafür gibt es zu viele großartige Menschen, die unbemerkt aus der menschlichen Gemeinschaft ausscheiden. Was mich betrifft, so wünsche ich mir vor allem ein Leben, das mir entspricht – was andere davon halten, ist weniger bedeutsam. Ich halte es wie Henry James, der schrieb: „Leben Sie Ihr Leben, so gut Sie können. Alles andere wäre ein Fehler. Dabei ist es nicht wichtig, was Sie im Einzelnen machen, solange Sie Ihr Leben leben. Wenn Sie nicht Ihr Leben leben, was bleibt Ihnen dann noch?“ Das scheint mir der wichtigste Erfolg zu sein: Auf meine eigene Weise leben zu können. Anschließend soll mich betrauern, wer mag.

Preis und Wert

Neulich kam ein Auftrag nicht zustande, weil mich der Kunde unbedingt unter Wert einkaufen wollte. Ein anderer Kunde hingegen war nach kurzer Verhandlung bereit, auf meine Preisforderung einzugehen, da er sich des Mehrwerts meiner Leistung bewusst war.

Preisverhandlungen sind oft ein wenig heikel und so mancher Anbieter weiß nicht einmal selbst genau, was er denn nun wert ist. Das muss natürlich geklärt sein, bevor eine Verhandlung beginnen kann.

Für den Käufer habe ich einen wunderbaren Text von John Ruskin zum Thema „Preisverhandlung“ entdeckt. Er schreibt: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

Überforderung oder Herausforderung?

Augenblicklich arbeite ich an einem anspruchsvollen Projekt, mit dem ich bislang noch nie Erfahrungen sammeln konnte. Es ist eine große Herausforderung, ich stehe an der Grenze zur Überforderung. Es gab diese Woche Momente, in denen mir ganz schön mulmig zumute war. Ich musste mir gut überlegen, wie ich die Sache angehen wollte.

Es gibt verschiedene Strategien, die ich in solch einer Situation hilfreich finde:

  • Zunächst habe ich einen Plan erstellt, nach dem ich vorgehen wollte. Tatsächlich dient er nur als vorläufiges Gerüst, aber er gibt Orientierung und erlaubt auch eine zeitliche Übersicht. Auf dieser Basis wird es dann auch ganz einfach, Zwischenziele zu formulieren und zeitlich zu terminieren. So kann ich mich Schritt für Schritt meinem Ziel nähern.
  • Wichtig war mir auch, alle meine Fragen zu sammeln und die nötigen Informationen so schnell wie möglich zu beschaffen.
  • Ich habe mir außerdem angewöhnt, meine kleinen Erfolge zu würdigen und mich daran zu freuen. Das ist gut für die Motivation!
  • Gut ist auch das Bewusstsein, scheitern zu dürfen. Die Welt interessiert sich wenig für mein ehrgeiziges Projekt. Wenn ich es nicht schaffe, ändert sich nichts. Das finde ich recht beruhigend.
  • Und last not least ist es meine Entschlossenheit, die mich voranbringt. Ich werde dieses Projekt auf jeden Fall beenden. Denn „Es ist nicht schlimm, ein Ziel nicht zu erreichen – viel schlimmer ist es, kein Ziel zu haben!“ (Viktor Frankl)

Alles geht nun mal nicht

DSCN1078Auf unserer Terrasse gibt es einen großen sechseckigen Springbrunnen mit einer schönen Fontäne. Irgendwann kam mein Mann auf die Idee, ein oder zwei Seerosen dazu zu setzen. Anschließend warteten wir auf die Blüten, die das Idyll perfekt machen sollten. Die Blüten erschienen jedoch nicht. Wir konsultierten daraufhin unseren Gärtner, der uns erklärte, die durch die Fontäne verursachte Wasserbewegung würde die Bildung von Blüten verhindern. Seerosen mögen es ruhig. Daraufhin schalteten wir den Springbrunnen ab und konnten einige Zeit später blühende Seerosen genießen. Seither müssen wir uns jedes Jahr aufs Neue entscheiden: Wollen wir das Plätschern der Fontäne oder lieber die strahlenden Blüten der Seerosen? Beides zusammen geht nicht.

Ich fürchte, das ganze Leben ist so. Entscheiden wir uns für eine Option, wählen wir damit zumindest vorübergehend alle anderen ab. Manchmal fällt es mir sehr schwer, das zu akzeptieren. Manchmal will ich aufstampfen wie ein kleines Kind, das fordert „Ich will aber alles! Sofort!“. Ich muss das Kind in mir dann beruhigen und trösten und ihm erklären, wie wunderbar es ist, immerhin eine Wahl zu haben und die Aussicht auf eine schöne Alternative. Wir müssen uns alle damit abfinden, dass unser Leben nicht lang genug währt, um alles genießen zu können, das möglich wäre. Um so wichtiger ist es, dass wir unsere Ziele bewusst und mit Sorgfalt wählen.

Stroh zu Gold

Ich hätte wirklich Grund, mich so richtig zu ärgern! Vor über zwei Monaten habe ich mein neues Buchmanuskript abgeliefert und wurde sechs Wochen später von der Lektorin aufgefordert, das Manuskript um 12 Seiten zu kürzen, weil es zu lang geraten sei. Das habe ich getan und es hat mich fast zwei ganze Arbeitstage gekostet. Einen Fließtext zu kürzen und dabei nichts vom Inhalt wegzunehmen, das ist eine echte Herausforderung. Aber meine Lektorin war sehr zufrieden und ich hielt die Angelegenheit damit für erledigt.

Gestern schrieb mir dann der hauptverantwortliche Lektor, mein Manuskript sei definitiv zu kurz und er bat darum, die vielen leeren Seiten zu füllen. Zuerst empfand ich große Überraschung und danach wurde ich richtig wütend. Es ist doch kaum zu glauben, dass ein so renommierter Verlag nicht in der Lage ist, die Länge eines Manuskripts zutreffend zu beurteilen! Wozu gibt es denn Formatvorlagen?! Ich beschloss jedoch, mich erst mal nicht allzu sehr aufzuregen und die Angelegenheit auf den kommenden Tag zu verschieben.

Heute früh betrachtete ich die Sache mit neuen Augen. Ich könnte mir natürlich die Sache vereinfachen, indem ich die ganzen Kürzungen wieder rückgängig mache. Aber ich könnte ebenso gut die leeren Seiten mit ganz neuen Inhalten füllen, mein Manuskript also inhaltlich erweitern. Das böte dem Leser einen Mehrwert und würde das Buch noch besser machen. Das Ärgernis wird zur Chance. Und diese Möglichkeit gefällt mir. Schließlich geht es nicht darum, mich über die Fehler zu ärgern, die irgendwer im Verlag gemacht hat. Es geht auch nicht darum, den Schuldigen zu finden und ihm Vorwürfe zu machen. Es zählt nur eines: mein Ziel! Ich will ein gutes Buch veröffentlichen, weiter nichts. Das ist alles, worauf es mir ankommt. Inzwischen habe ich schon den ersten neuen Abschnitt verfasst und es geht mir sehr gut damit.

Die Episode zeigt mal wieder eines ganz deutlich: Wir haben die Wahl, ob wir die Dinge für oder gegen uns arbeiten lassen. Was auf den ersten Blick negativ erscheint, kann ein Glücksfall sein. Es kommt ganz auf den Blickwinkel an und den bestimmen wir immer selbst.

Vom Segen, ein Ziel gefunden zu haben

DAS Ereignis der vergangenen Woche war für mich die Fertigstellung meines neuen Buchmanuskripts. Seit vergangenem Sommer habe ich an dem Thema gearbeitet. Im Herbst konnte ich den Vertrag mit dem Verlag meiner Wahl abschließen und Anfang Januar habe ich begonnen, jeden Tag einige Stunden zu schreiben. Das neue Buch war zwei Monate lang mein wichtigstes Projekt, hat Energie, Nerven und Herzblut benötigt. Nun ist es fertig.

Zu meinem Erstaunen bin ich darüber weit weniger glücklich als erwartet. Es hat mir gefallen, mich täglich für dieses schöne Ziel anstrengen zu können. Ich hatte durch meine Arbeit Orientierung und Erfolgserlebnisse. Jetzt gibt es eine Leere, die ich überraschend deutlich wahrnehme, trotz meiner vielen anderen Aufgaben. Mir fehlt etwas.

Auf diese Weise spüre ich, was mir in der Theorie längst klar ist: Wir brauchen Ziele, und zwar herausfordernde, aufregende Ziele, die prickeln. Sie verschaffen uns eine Richtung und einen Maßstab für unser Handeln. Zudem sind Ziele unabdingbar, um zu wachsen und lebendig zu sein. Wir müssen immer irgendwie vorankommen, notfalls auch stolpern, aber es ist in jedem Fall wichtig, unterwegs zu sein. Stillstand bedeutet das Ende der Lebendigkeit. Indem wir Ziele verfolgen, machen wir jede Menge neue Erfahrungen. Wir erweitern unsere Fähigkeiten, entdecken ganz neue Seiten an uns. Dabei ist es nicht mal entscheidend, ob wir am Ende erfolgreich sind. Wir gewinnen auf jeden Fall.

Was ich nun tun werde, ist klar: Sofort ein neues Ziel finden.

Die Arbeit vor der Arbeit

Man kann beim Arbeiten nur so effektiv sein, wie man klar ist. Diese Erfahrung musste ich diese Woche wieder einmal machen. Ich arbeite an einem Manuskript, für das ich lange und gründlich recherchiert habe. Natürlich gibt es eine Gliederung und ich habe grob die Punkte im Kopf, über die ich schreiben will. Wenn ich morgens an meinen Schreibtisch gehe, ist die Versuchung groß, einfach drauflos zu schreiben. Schließlich weiß ich eine Menge über das Thema und es gibt viel zu sagen, das ich zu Papier bringen möchte. Aber dann passiert immer dasselbe: Ich verheddere mich in meinen Gedanken. Der rote Faden ist futsch, ich muss ganze Absätze löschen.

Ganz anders läuft es, wenn ich diszipliniert vorgehe: Erst klären, was genau das Thema sein soll, Aspekte dazu sammeln und sie dann sortieren. Danach jeden Aspekt der Reihe nach abhandeln, evtl. vorher noch einmal untergliedern. Diese Vorarbeit fällt mir manchmal schwer, weil ich mich zuweilen dadurch in meiner Kreativität gebremst fühle. Trotzdem – an den Tagen, an denen ich mich zwinge, so systematisch zu arbeiten, komme ich viel weiter und schaffe mehr.

Es lohnt fast immer, sich ausreichend Zeit für einen detaillierten Plan zu machen und völlige Klarheit herzustellen. Egal, was wir vorhaben – von der Hausarbeit bis zum Management einer großen Organisation – ohne die nötige Klarheit sind wir nicht effektiv.