Schlagwort-Archiv: Verantwortung

Nur das Ergebnis zählt!

Irgendwo habe ich einmal den Satz gelesen: „Mit dem, was man zu tun vorhat, kann man sich keinen Namen machen.“ Die Wahrheit dieses Satzes erlebe ich regelmäßig, wenn ich bei einer Veranstaltung als Autorin vorgestellt werde und mir dann anschließend jemand berichtet, er selbst habe auch vor, ein Buch zu schreiben. Ich fürchte, nicht mal 10% derjenigen, die mir von diesem Plan erzählen, setzen ihr Vorhaben in die Tat um.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nicht nur, dass ein Vorhaben allein zu wenig ist; auch das daraus resultierende Handeln ist bedauerlicherweise häufig ungenügend. Das liegt keineswegs immer an mangelnden Fähigkeiten, sondern viel öfter noch am falschen Fokus. Nehmen wir als Beispiel die Arbeitswelt:

Dort wird man fast immer für seine Arbeit bezahlt, statt für die Ergebnisse, die man damit erzielt. Unternehmen stellen aber doch Mitarbeiter ein, damit diese dazu beitragen, die Einnahmen des Unternehmens zu sichern und zu steigern. Und diese Einnahmen müssen höher liegen als die Kosten, die der Mitarbeiter verursacht. Nur dann wird das Unternehmen im Wettbewerb bestehen können, nur dann ist es in der Lage, auch weiterhin Löhne zu bezahlen. Deshalb müsste jeder Mitarbeiter im Grunde dafür bezahlt werden, dass er seinen Beitrag zum Überleben und Wachstum des Unternehmens leistet. In der Praxis wird man jedoch überwiegend für Arbeit bezahlt statt für Ergebnisse. Deshalb gibt es immer noch Beschäftigte, die zumindest einen Teil ihrer Zeit auf sinnlose Aktivitäten verwenden. Man wird in erster Linie für Fleiß und Zeit bezahlt, aber weniger für Ergebnisse. Aktivitäten sollten jedoch nicht mit Leistung verwechselt werden.

Leider kommt diese Verwechslung ständig vor, und zwar bei Mitarbeitern genauso wie bei Führungskräften. Das liegt daran, dass sich kaum jemand mit dem Unternehmen und seinen Zielen identifiziert. Man denkt nur an die eigenen Interessen, statt Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Und solange das so bleibt, werden Unternehmen weit hinter dem zurückbleiben, was sie leisten und werden könnten.

Schwarz oder weiß?

Während unseres Urlaubs in England wurde mir wieder einmal deutlich, wie sehr unser Wohlbefinden von unserer Wahrnehmung abhängt: Wir hatten ein Haus auf dem Land gemietet, zu dem ein riesiger Garten gehört, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Haus und Garten weisen ein beträchtliches Alter auf und alle Familienmitglieder waren von der Atmosphäre begeistert. Die Ausstattung des Hauses ist einfach, aber wir kamen prima zurecht. Als mein Mann die Vermieterin nach dem Gästebuch fragte, weil er seine Zufriedenheit  dokumentieren wollte, erhielt er eine überraschende Antwort: Die Vermieterin erklärte nämlich, sie habe das Gästebuch versteckt, weil die Besucher sich immer über Kleinigkeiten beschwert hätten. Viele hätten irgendetwas vermisst und sich darüber ausgelassen – statt die Gesamtatmosphäre zu bewerten.

Ich erkenne darin ein Muster, das mir auch in der Arbeitswelt wieder und wieder begegnet: Man hält sich mit kleineren Unannehmlichkeiten auf, erlaubt ihnen, das Befinden zu bestimmen und verliert darüber das Ganze aus den Augen. Viele Beschäftigte lassen sich ganz leicht in Verwirrung stürzen, wenn man sie danach fragt, was das Gute an ihrer Arbeit wäre. Sie können das Gute nicht mehr sehen und schätzen, weil sie dem Negativen zu viel Raum geben.

Nun liegt es aber in unserem eigenen Ermessen, wie wir die Dinge bewerten und gewichten wollen. Wir werden letzten Endes ganz sicher immer Gründe finden, uns zu beklagen. Es ist aber nicht logisch und zwingend, dass diese Gründe über unser Wohlbefinden bestimmen. Es wäre ebenso gut möglich, dass wir uns stattdessen gezielt auf das Positive ausrichten. Ich kann in diesem Zusammenhang nur wieder einmal John Milton zustimmen: „Der Geist ist eine Welt für sich, in der die Hölle zum Himmel und der Himmel zur Hölle werden kann.“

Aufrecht gehen!

Mr. Trump zeigt uns gerade, wie man sich herausredet. Ausreden sind generell sehr beliebt und viele von uns erweisen sich dabei als bemerkenswert fantasievoll (Donald Trump gehört eher nicht dazu…). Man muss wohl erst richtig erwachsen werden, um auf Ausreden verzichten zu können. Denn eine Ausrede demonstriert nichts weiter, als dass man nicht zu sich steht und sich nicht in der Lage fühlt, Verantwortung für die eigene Person zu übernehmen. So etwas ist immer erbärmlich. Und wer gar dabei erwischt wird, erntet bestenfalls ein wenig Mitleid, meistens jedoch eine gehörige Portion Geringschätzung.

Aber nicht nur Ausreden demonstrieren unsere Schwäche. Auch die Bemühungen, das eigene Sein vor  anderen zu verbergen, beweisen, wie schwer es fällt, zu sich selbst zu stehen. Sich zu verbiegen, gehört zum Alltag. Wer wagt es schon, in irgendeiner Weise aufzufallen? Herauszuragen? Wer traut sich schon, im Job seine Überforderung zuzugeben? Wer wehrt sich gegen unzumutbare Zustände oder Unrecht, wenn er sich in einer unterlegenen Position wähnt? Das Dumme ist nur: Wer sich eh schon ängstlich und unterlegen fühlt und sich deswegen duckt, macht die Sache schlimmer. Denn er zementiert damit eigenhändig seine Unterlegenheit.

Wir brauchen mehr Menschen, die aufrecht gehen und es wagen, sich zu zeigen. Die nicht solche Angst davor haben, jemand könnte erkennen, wie sie wirklich sind. Die sich trauen, unvollkommen zu sein, manchmal ängstlich, bedürftig, unsicher, wütend, hilflos, traurig, verletzt, unbeholfen … Wir brauchen mehr Menschen, die all die Seiten in sich zulassen, die niemand so recht an sich leiden kann und die dennoch zu jedem von uns gehören. Wenn wir alles zulassen könnten, was zu uns gehört, dann würde etwas Wunderbares passieren: Dann würde unsere Welt menschlicher (nicht nur die Arbeitswelt!), wir würden damit beginnen, uns endlich ganz zu fühlen. Wir könnten aufrecht gehen und es fiele uns leichter, auch andere gelten zu lassen. Wir müssten nur damit beginnen, ein wenig liebevoller mit uns selbst umzugehen, indem wir uns erlauben, zu sein, was wir sind und aufrecht durchs Leben gehen, ohne Verleugnung, Ausreden und Versteckspiele.

Machtvoll handeln!

Macht ist ein Aspekt jeder zwischenmenschlichen Beziehung, sei sie beruflich oder privat. Das lässt sich weder leugnen noch diskutieren. Um so erstaunlicher, dass es Menschen gibt, die mit Macht nichts zu tun haben wollen oder nicht wahrhaben wollen, dass sie mächtig sind. Sie nutzen ihre Spielräume nicht und verschenken die Chance, Einfluss zu nehmen.

Neben der formellen Macht, die hierarchisch definiert ist, gibt es die informelle Macht, die oft noch sehr viel wirksamer ist. Denn nicht die offizielle Rolle entscheidet über die Machtfrage. Wie mächtig jemand tatsächlich ist, hängt vielmehr davon ab, welchen Machtumfang der Betreffende anstrebt und wie entschlossen er dabei agiert. Niemand ist wirklich machtlos. Es existieren zahllose Möglichkeiten, Dinge im eigenen Sinn zu beeinflussen. Macht kennt viele Spielarten. Sie kann offen oder verdeckt ausgeübt werden, kann Kampf oder heimliche Manipulation sein, kopflose Aggression oder wohlüberlebte Taktik.

Wir stehen der Macht allzu oft skeptisch gegenüber. Viel zu viele Menschen sind unentschlossene Zauderer. Statt vorzutreten und tatkräftig anzupacken, machen sie sich unsichtbar und warten ab. Manch einer hält es gar grundsätzlich für verwerflich, Macht auszuüben oder auch nur danach zu streben. In Wahrheit ist Macht weder gut noch schlecht. Sie stellt lediglich ein unverzichtbares Werkzeug dar, um ein Ziel zu verfolgen. Wer keine Macht besitzt, wird nichts ausrichten können. Natürlich besteht immer die Gefahr des Machtmissbrauchs, aber letzten Endes ist es ein Kennzeichen der guten Dinge, dass man sie missbrauchen kann.

Wer leichtfertig auf die Ausübung seiner Macht verzichtet, schafft damit nicht etwa einen machtfreien Raum, sondern überträgt lediglich seine eigene Macht auf andere. Er drückt sich vor der Verantwortung, will nichts entscheiden und für nichts geradestehen. Wir brauchen jedoch in allen Bereichen des Lebens Menschen, die bereit sind, die Dinge in die Hand zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu tragen. Wir müssen bereit sein für die Macht, wenn wir die Dinge zum Guten verändern wollen.

Aus diesem Grund kann die Arbeitswelt keine passiven Mitarbeiter brauchen. Ein Angestelltenverhältnis entbindet nicht von der Verantwortung für das Ganze!

Lebendig arbeiten!

Im Restaurant: Am Nachbartisch sitzen zwei Männer im vorgerückten Alter. Sie sprechen über den Ruhestand. Der eine meint: „Noch zwei Jahre. Dann hab ich’s geschafft!“ Der andere daraufhin: „Ich kann schon nächstes Jahr aufhören.“ Und der erste kommentiert: „Du hast es gut.“

Fast vergeht mir der Appetit. Ich fühle mich bedrückt. Was sind das für traurige Menschen am Nebentisch! Wie kann man so leben, frage ich mich. Da steht man morgens auf und sagt sich: „Ich gehe jetzt zur Arbeit und erwarte, bis zum Feierabend zu leiden.“ Und diese Menschen denken, sie müssten erst alt werden, damit endlich ihr Leben beginnen kann.

Ich verfluche den Begriff „Work-Life-Balance“ und die Wahrnehmung dahinter. Nein, es gibt keine Zweiteilung in unserem Leben! Das Leben findet jeden Augenblick statt und will gestaltet werden. Arbeit ist genauso Leben wie die Freizeit. Und wer, wie diese beiden Männer, glaubt, er würde in einem Käfig stecken und deshalb darauf wartet, dass ihm endlich mal die Tür ins Freie geöffnet wird, der hat ganz einfach nicht begriffen, worum es in diesem Leben geht. Jede Minute muss in irgendeiner Form gestaltet werden. Ich kann mich entscheiden, ob ich meine Arbeitszeit als Opfer absitze oder mich einbringe.

Und wenn ich schon die Wahl habe, dann bin ich doch sehr fürs Einbringen. Auch wenn es für mich manchmal unbequem ist. Auch wenn ich damit anecke. Ich will mitdenken, mitreden, mitgestalten, mit Verantwortung tragen, Stellung beziehen, mir auch mal Feinde machen. Ich will spüren, dass ich lebe, indem ich Herausforderungen suche. Wer seine Zeit absitzt und auf die Rente wartet, hat selbst Schuld an seiner Leblosigkeit und seinem Elend. Ihm ist wohl nicht zu helfen. Er will es so. Aber dann soll er, bitteschön, nicht seinen Arbeitgeber dafür verantwortlich machen.

Chef mit Hund

Gerade bin ich damit beschäftigt, nach längerer Zeit mal wieder einen Junghund zu erziehen. Keine Kleinigkeit! Diese Aufgabe fordert mir sehr viel ab:

  • Klares Zielbewusstsein Ich muss wissen, wie ich mir das Leben mit meinem Hund vorstelle. Darf er auf die Couch, muss er mit Kindern klarkommen, soll er Aufgaben übernehmen, wenn ja, welche etc. Ohne Ziele keine Richtung und kein Erfolg.
  • Authentizität Ich muss kompromisslos echt sein. Mein Hund spürt, wenn ich mich verstelle und etwas darstelle, was ich nicht bin. Er wird kein Vertrauen zu mir entwickeln und er wird sehr verwirrt sein, wenn ich unecht bin.
  • Natürliche Autorität Drohen und bestrafen kann jeder, aber so baut man keine wirkliche Beziehung auf, weder zum Hund, noch zum Menschen. Angst ist keine gute Basis für das Miteinander. In einem Wolfsrudel wird für gewöhnlich nicht der stärkste Wolf Chef, sondern der mit der größten Souveränität. Solch ein Wesen vermittelt den  anderen Rudelmitgliedern Sicherheit und Überlegenheit. Man folgt ihm deshalb freiwillig und fühlt sich bei ihm gut aufgehoben.
  • Einfühlungsvermögen Wenn mein Hund dem Rückruf erst nach längerem Zögern Folge leistet, darf ich nicht schimpfen, sondern ich muss mich freuen. Denn der Hund soll ja auch in Zukunft gerne zu mir kommen. Wenn er gerade eifrig einer Spur nachgeht, sollte ich ihn nicht streicheln, auch wenn mir gerade danach ist, usw. Ein harmonisches Zusammensein, von dem beide Seiten profitieren, setzt Einfühlungsvermögen voraus.
  • Geduld Oft versteht der Hund nicht, was ich von ihm will. Oder er schafft das Geforderte einfach noch nicht. Da brauche ich Geduld. Ich muss ihm Zeit geben und darf nicht zu viel auf einmal verlangen.
  • Zuversicht Ich muss an meinen Hund glauben. Er spürt sofort, was ich von ihm halte. So wird jede meiner Annahmen ganz schnell zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Mein Hund ist besser dran, er wird mehr lernen und leisten, wenn ich ihm etwas zutraue. Ich muss sein Selbstvertrauen stärken, ihn ermutigen und loben.
  • Gute Laune Mein Hund soll sich gerne auf mich einlassen. Wenn ich ein Trauerkloß oder Langweiler bin, geht es ihm nicht gut mit mir und er wird sich nicht gerne mit mir beschäftigen.
  • Wohlwollen Der Hund muss spüren, dass ich Gutes für ihn will, dass ich auf seiner Seite und ein wohlwollender Rudelführer bin. Dann vertraut er mir und wir werden viel besser kooperieren.

Diese Tugenden werden mir als Hundeführerin abverlangt – und noch ein paar mehr.

Ich bin mir ziemlich sicher: All das lässt sich auf die Führung von Mitarbeitern übertragen. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, dass jemand gut mit seinem Hund klarkommt, bin ich geneigt, ihn auch für einen guten Chef zu halten.

Mitdenken lassen!

Heute war ich mit unserem Welpen in der Hundeschule und hatte Anlass zum Staunen: Wir wurden nicht nur aufgefordert, unseren Hunden mit der Leine ein klares Signal zu geben, sondern ermahnt, dann erst mal gar nichts zu tun und dem Hund Zeit zu lassen, selbstständig dieses Signal zu verarbeiten, will heißen: mitzudenken.

Unsere Lucy ist erst wenige Monate alt und sie ist ein Hund! Ich soll ihr das wirklich zutrauen?!

Ja, soll ich, und es funktioniert! Signal geben, Klappe halten, den Hund mitdenken lassen. Der zieht hundertprozentig seine Schlüsse. Würde ich ihn aber ständig vollquatschen, wäre er vom Denken abgelenkt.

Wenn mein jugendlicher und ziemlich winziger Hund das schafft – warum schaffen das nicht auch die Menschen in der Arbeitswelt??? Die warten überwiegend auf Anweisungen und sind bemüht, bloß alle Regeln zu befolgen, um nicht unangenehm aufzufallen. Das ist das Ergebnis jahrelanger Erziehung. „Tu, was man dir sagt“, lautet die Devise von Anfang an. In der Schule wird fehlerfreies Reproduzieren von Lerninhalten belohnt. „Diskutier hier nicht schon wieder rum !“, bekommt so mancher Teenager zu hören. Natürlich gibt es Gründe dafür, dass wir unsere Kinder so erziehen – aber auch dagegen!

Was wäre wohl, wenn Mitarbeiter nicht nur mitarbeiten, sondern auch mitdenken würden? Ich fürchte, vor dem Hintergrund einer Erziehung, die auf Anpassung ausgerichtet ist, müsste man viele Mitarbeiter explizit immer wieder dazu ermutigen. Bei einigen wird man damit Erfolg haben und sie aus der Lethargie des Gehorsams aufwecken. Ich wage nicht vorauszusagen, was dann genau passieren würde. Viele hätten dann sicher mehr Freude an ihrer Arbeit. Aber vielleicht wären einige dann bald keine Mitarbeiter mehr…

Eines weiß ich aber gewiss: Ein Leben, in dem der eigene Kopf mitwirkt, ist würdevoller, erfüllter und lebenswerter als ein Leben in Anpassung und Gehorsam. Nicht nur bei Hunden.

Tür zu!

Wir genießen so viel Freiheit wie nie zuvor in der menschlichen Geschichte. Jeden Tag stehen uns unermesslich viele Möglichkeiten offen, es gibt unzählige attraktive Optionen. Doch auch wenn die Alternativen grenzenlos sind, unsere Lebenszeit ist es nicht. Wir sind gezwungen, zu wählen und zu entscheiden, welche der Möglichkeiten wir nutzen wollen.

Das ist schwer. Denn mit jeder Entscheidung, die wir FÜR etwas treffen, entscheiden wir fast immer auch GEGEN eine oder mehrere attraktive Alternativen. Das fühlt sich oftmals nicht gut an, weshalb wir bemüht sind, uns so viele Optionen wie möglich offen zu halten. Und genau damit tun wir uns nichts Gutes. Denn wer sich alle Optionen bewahren will, findet keine Orientierung und kann seine Energien nicht bündeln. Er verliert sich schnell im Dickicht der Alternativen.

Wir kommen um Entscheidungen nicht herum: Welche Türen wollen wir offen lassen und welche wollen wir schließen? Bei dieser Frage geht es um Lebensgestaltung. Wir können nicht alles sein, tun und haben. Wie ein Bildhauer Überschüssiges abschlägt, damit sein Kunstwerk hervortreten kann, so müssen auch wir bereit sein, uns von Überflüssigem zu befreien. Nur so kann das Wesentliche in unserem Leben Gestalt gewinnen. Wir modellieren unser Leben aus der Masse der Möglichkeiten heraus.

Es kann schmerzlich sein, eine Tür für immer zuzuschlagen und zu entscheiden, dass der eigene Weg an dieser Möglichkeit vorbeiführen soll. Aber keiner von uns wird genug Zeit haben, um all das Schöne und Bereichernde in dieser Welt genießen zu können. Wir müssen uns auf ein paar Dinge beschränken und diese dann intensiv nutzen und auskosten. Wir alle müssen uns entscheiden, wie wir leben wollen und welchen Dingen/Situationen/Menschen wir in unserem Leben einen Platz geben wollen. Wer sich klug entscheidet, wird seine Erfüllung finden. Dann gibt es kein Bedauern wegen all der ungenutzten Möglichkeiten. Denn das eigene Leben ist ja reich – und mehr als Erfüllung geht ohnehin nicht.

Mehr Commitment!

Seit einiger Zeit bin ich auf Facebook aktiv und erhalte regelmäßig Freundschaftsanfragen. Natürlich schaue ich mir die Leute genauer an, die sich mit mir befreunden wollen. In der Chronik lese ich dann häufiger unter „Beziehungsstatus“: „Es ist kompliziert.“ Solche Leute lehne ich für gewöhnlich ab.

Es gibt viele Menschen, die sich einen Job suchen und bei klarem Verstand einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Trotzdem jammern sie anschließend über ihren Job und sind froh um jede Stunde, die sie dort NICHT arbeiten müssen. Derartiges Verhalten ringt mir nicht gerade Respekt ab. Ich finde es zudem schwer, diesen Menschen Vertrauen entgegen zu bringen.

Hingegen schätze und vertraue ich Menschen, die klare Entscheidungen treffen und dann dazu stehen. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die Ambivalenzen aushalten können und inmitten all der Mehrdeutigkeit Position beziehen. Menschen, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen und die Konsequenzen zu tragen. Menschen, die bereitwillig und ohne Leidensmine die Schattenseiten ihrer Entscheidungen akzeptieren. Menschen, die wissen, was Commitment ist. Menschen, die kein Paradies auf Erden erwarten und Unangenehmes wegstecken können. Weil nun mal alles mehr als eine Seite hat. Menschen, die wissen, dass jede Entscheidung für eine bestimmte Sache zugleich eine Entscheidung gegen die Alternativen ist und die dennoch entscheidungsfreudig sind. Solche Menschen respektiere ich.

Nützliche Defizite

745363  Eine  Studie der Unternehmensberatung „Pro Change“ ergab, dass deutsche Arbeitnehmer insgesamt vier Stunden pro Woche damit beschäftigt sind, sich über ihre Vorgesetzten zu beklagen. Das dürfte einerseits einen gewaltigen Produktivitätsverlust nach sich ziehen, der sich volkswirtschaftlich kaum beziffern lässt. Zum anderen entsteht auf diese Weise ungewollt und unbemerkt ein gewaltiges psychisches Problem für die Klagenden.

Wer klagt, macht sich damit selbst zum Opfer. Er sucht Schuldige, keine Spielräume. Klagen zementiert die schlechte Stimmung, denn das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst: Es erhält zunehmende Repräsentanz in den Gedanken und den Gefühlen. Man könnte auch sagen: Wer sich häufig beklagt, zieht sich damit selbst runter.

Die Fixierung auf das eigene Leid und auf die Opferrolle macht zudem handlungsunfähig. Denn Opfer sind per se hilflos. Diese Selbstwahrnehmung mag zwar eine realistische Basis haben – denn Führungskräfte geben durchaus zuweilen berechtigten Anlass zur Kritik – zweckmäßig ist sie jedoch nicht. Wer sich als Opfer fühlt, kann nur verharren und auf Besserung hoffen. Genau damit aber zementiert er seine Hilflosigkeit. Das ist unbefriedigend und belastend. Es gibt glücklicherweise eine Alternative:

Die Defizite des Chefs lassen sich hervorragend für die eigene Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Scheut der Chef beispielsweise Entscheidungen, vergrößern sich damit die Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter. Verhält sich ein Vorgesetzter sozial inkompetent, ist das ein Anlass für die Mitarbeiter, ihrerseits ihre soziale Kompetenz zu verfeinern. Gewährt der Chef zu wenig Freiheit, können die Mitarbeiter sich darauf spezialisieren, auch in kleinen Dingen ihre Spielräume zu entdecken und zu nutzen, um auf diese Weise ihre Arbeit befriedigender zu gestalten. So wird jeder schwierige Chef zu einer Herausforderung, die der Persönlichkeitsentwicklung seiner Mitarbeiter nützlich sein kann. Je schneller wir das begreifen, desto besser. Denn es gibt keine perfekten Chefs und Leiden ist niemals eine Option.