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Kultur schaffen

Jede Organisation hat ihre eigene Kultur. Das führt dazu, dass Erwartungen an eigenes und fremdes Verhalten sehr stark variieren können. Wenn nun Menschen mit solch unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und daraus resultierenden abweichenden Erwartungen plötzlich zusammenarbeiten sollen und womöglich gar zu Kollegen werden – dann sind Missverständnisse und Konflikte keine Seltenheit. Sie sind geradezu vorprogrammiert. Denn das Verhalten des Gegenübers wirkt unangemessen, da es mit großer Selbstverständlichkeit auf der Basis der eigenen und vertrauten Gewohnheiten interpretiert wird. Das Gegenüber verhält sich nach eigener Wahrnehmung nicht „richtig“, was Befremden, Frustration oder auch Wut auslösen kann. Man kann das Verhalten des anderen nicht nachvollziehen und reagiert mit Unmut oder Rückzug. Beides behindert die Zusammenarbeit.

Damit das nicht passiert, sollten sich die Beteiligten bewusst machen, dass sie auf der Basis vergangener Erfahrungen agieren. Sie waren vielleicht über lange Zeit hinweg Teil einer bestimmten Unternehmenskultur, durch die sie geformt worden sind. Jetzt führen sie einfach nur etwas fort, was sich womöglich über viele Jahre bewährt hat. Auch wenn dieses Verhalten auf Außenstehende (die eine andere Unternehmenskultur gewöhnt sind) womöglich befremdlich wirken mag  – es wäre nicht angemessen, irgendetwas persönlich zu nehmen. Man würde es dem anderen ja auch nicht übelnehmen, wenn er aus einem anderen Land käme. Er kommt tatsächlich vielleicht nur aus einem anderen Unternehmen mit einer anderen Kultur. Aber das kann sich genauso trennend auswirken.

Was lässt sich tun? Die beste Methode besteht darin, Kommunikationsprozesse zu verlangsamen, indem man einander immer wieder Rückmeldung gibt. Das bedeutet:

  1. Das Gegenüber muss erfahren, wie ein bestimmtes Verhalten wirkt, d.h. wie es bei den anderen ankommt und welche Gefühle oder Assoziationen es weckt.
  2. Gleichzeitig ist es wichtig, das eigene Verhalten transparent zu machen. Warum wird etwas Bestimmtes gesagt/getan, das möglicherweise auf das Gegenüber befremdlich wirken könnte? Wie sind bestimmte Aussagen gemeint, welche Absicht verfolgt der Sprecher damit?

Wenn sich die Beteiligten in dieser Weise gegenseitig informieren, werden Missverständnisse und unnötige Konflikte vermieden. Es kommt zu einer echten Verständigung. Man kann miteinander aushandeln, wie man bestimmte Dinge in Zukunft gemeinsam klären möchte, um jegliche Missverständnisse zu vermeiden. Ehrliche Rückmeldung fördert Verständnis und Nähe. Gleichzeitig erarbeitet man sich auf diese Weise eine eigene und ganz neue Kultur.

Kaltherzigkeit als Normalfall?

Gestern habe ich noch am späten Abend meine Wochenendeinkäufe im Supermarkt erledigt. Während ich an der Kasse Teil für Teil aufs Band legte, stand hinter mir ein junger Mann, ca. 30 Jahre, der nur eine Getränkedose aufs Band stellte. Er wartete geduldig, während ich weiter den Inhalt meines Einkaufswagens aufs Band packte.
Ich habe ihm dann angeboten, mit seiner Dose einfach vorzugehen. Das schien mir vernünftig und angemessen. Und dann ist etwas passiert, was mich sehr gerührt hat:
Der junge Mann wirkte nicht so, als gehörte er zu den Gewinnern in unserer Gesellschaft. Als ich ihn vorließ, war er sehr überrascht und hat sich gleich mehrfach bedankt, so, als hätte ich ihm ein großes Geschenk gemacht und nicht bloß eine kleine Geste der Freundlichkeit erwiesen. Ich konnte an seinen Reaktionen deutlich erkennen, dass er es nicht gewohnt war, mit kleinen Gesten der Freundlichkeit bedacht zu werden. Und genau das hat mich nachdenklich und traurig gemacht.
Es ist so leicht, ein bisschen aufmerksam und freundlich zu sein. Und man bewirkt damit so viel. Warum ist uns solch ein Verhalten nicht selbstverständlich?

Gerade in der Arbeitswelt weht vielerorts ein sehr rauer Wind. Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Den eigenen Vorteil im Blick zu haben, ist nicht grundsätzlich falsch. Aber muss das zwangsläufig bedeuten, dass Warmherzigkeit, Großzügigkeit und Freundlichkeit ausgeschlossen sind? Es arbeitet sich definitiv erheblich angenehmer in einem Klima gegenseitigen Wohlwollens. Es müsste also im Interesse jedes Menschen liegen, ein positives Klima am Arbeitsplatz zu schaffen, denn die Unkultur, die in so vielen Organisationen herrscht, schadet allen. Letzten Endes verbringen wir den besten Teil unserer Wachzeit am Arbeitsplatz. Soll diese Zeit etwa geprägt sein von Kälte und Rücksichtslosigkeit? Welcher Mensch mit klarem Verstand möchte denn unter solchen Umständen arbeiten?!

Das cleverste Machtmittel, das ich kenne

Weihnachten gilt bei uns traditionell als Fest der Liebe. Wir bemühen uns zu dieser Zeit des Jahres, anderen Menschen Gutes zu tun. Wir spenden an gemeinnützige Organisationen und kaufen Geschenke für Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Geschäftspartner… Wir wissen grundsätzlich natürlich ganz genau, dass wir unsere Mitmenschen lieben sollten und besinnen uns zur Weihnachtszeit wieder darauf.

Liebe ist fraglos ein moralisches Prinzip, das wohl kaum jemand in Frage stellen würde. Aber Liebe ist weit mehr als das: Liebe ist das cleverste Machtmittel, das ich kenne. Der Philosoph Michel de Montaigne brachte diese simple Tatsache bereits im 16. Jahrhundert auf den Punkt: „Liebe ist die beständigste Macht der Welt.“ Und auch Martin Luther King wusste um diesen Zusammenhang: „Wahre Macht ist Kind der Liebeskraft.“

Wer anderen Menschen aufrichtiges Wohlwollen entgegenbringt, gewinnt Macht über sie. Wir können andere nur beeinflussen, wenn sie sich von uns angenommen fühlen und spüren können, dass wir ihr Bestes wollen. Oder würden Sie auf jemanden hören, dem Sie gleichgültig sind oder der sie nicht mal leiden kann?

Es ist schwer, Einfluss zu nehmen, wenn man damit nur den eigenen Vorteil im Sinn hat. Wer auf diese Weise Macht ausüben will, der muss sich etwas einfallen lassen, um an sein Ziel zu kommen: Er kann locken, täuschen, falsche Versprechungen machen oder ganz einfach Gewalt ausüben. Vermutlich ist genau das der Grund, warum Macht so sehr in Verruf geraten ist. Tatsächlich aber ist Macht neutral. Macht bedeutet nur, dass man über die Mittel verfügt, etwas zu erreichen. Fragt sich nur, welche Mittel das sind…

Der Trick mit der Sympathie

Es kommt vor, dass uns ein Mensch vom ersten Augenblick an nicht sonderlich sympathisch erscheint und wir spontan Vorbehalte gegen ihn hegen. Manchmal spielt das keine große Rolle, weil man ohnehin nicht viel miteinander zu tun hat. Aber was, wenn das scheinbar unsympathische Gegenüber zum Kollegenkreis gehört oder man sonstwie kooperieren muss?

Jedes Problem auf der persönlichen Ebene kann das Miteinander auf der Sachebene erheblich erschweren. Das Argument „Wir wollen doch sachlich bleiben!“ mag zwar einer guten Absicht entspringen, aber es ist weit weg von der Realität. Persönliche Antipathie wird sich immer nachteilig für die Zusammenarbeit auswirken. Was also tun?

Hier gibt es einen schönen kleinen Trick: Man bittet die Person, die man nicht mag, um einen kleinen Gefallen. Daraus ergibt sich dann automatisch eine kognitive Dissonanz: Einerseits mag man die Person nicht, andererseits nimmt man ihre Freundlichkeit entgegen. Das ist nicht stimmig. Da aber der Gefallen bereits erfolgt ist, kann man ihn nicht rückgängig machen. Da bleibt nur die Möglichkeit, die eigene Haltung zu verändern. Man entwickelt also positive Gefühle für das Gegenüber, und schon stimmt das Bild. Alles gut!

Gemeinsamkeit schafft Sympathie

Heute war ich mit meinem Mann zum Mittagessen im Schloss Johannisberg. Wir hatten gerade unsere Vorspeise beendet, als am Nebentisch eine Gruppe von Asiaten Platz nahm. Sie waren ebenfalls zum Essen gekommen, nahmen ihre Servietten vom Tisch, rückten die Gläser und unterhielten sich lebhaft. Das ging eine ganze Weile so, bis plötzlich alle aufstanden, um in einem anderen Raum des Restaurants zu verschwinden. Wenig später kam die Bedienung und begann damit, den nun frei gewordenen Tisch wieder herzurichten. Als wir uns neugierig bei ihr erkundigten, warum denn die Herren einfach aufgestanden und hinübergegangen seien, erklärte sie, den Herren habe der Tisch nicht zugesagt, weil er auf der Terrasse lag (die im Winter natürlich geschlossen ist und angenehm beheizt wird). Ich schüttelte nur den Kopf und machte eine Bemerkung dahingehend, dass ich in meinem Beruf auch manchmal unter den Eigenheiten meiner Kunden zu leiden hätte. Unsere Blicke begegneten sich und für einen Augenblick war da eine große Verbundenheit zwischen uns, ein tiefes Verstehen. Die Freundlichkeit, mit der wir anschließend bedient wurden, überstieg das professionelle Maß an Höflichkeit bei weitem. Es hatte sich durch diesen einen Augenblick, in dem wir uns bewusst wurden, dass wir eine herausfordernde Erfahrung teilen, eine starke gegenseitige Sympathie entwickelt. Obwohl wir sonst nichts voneinander wissen.

Die psychologische Forschung kennt diesen Effekt. Ähnlichkeit erzeugt Sympathie. So stehen beispielsweise Hilfsbereitschaft und Ähnlichkeit in unmittelbarem Zusammenhang: Man setzt sich für denjenigen ein, der in irgendeiner Hinsicht so ist wie man selbst. Das Ähnlichkeitsprinzip ist sehr machtvoll. Es kommt sogar dann zur Geltung, wenn es sich um eine völlig bedeutungslose Gemeinsamkeit handelt wie beispielsweise das Geburtsdatum. Wer also die Sympathie seines Gegenübers gewinnen will, kann für den Anfang eine Gemeinsamkeit hervorheben.