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Experimente statt Erfolgsdruck

Gestern hatte ich Gelegenheit, einen eineinhalbjährigen Jungen mehrere Stunden lang zu beobachten. Zum einen geht von solch einem kleinen Menschen natürlich ein unwiderstehlicher Liebreiz aus, dem ich auch prompt erlegen bin. Andererseits finde ich es immer wieder hochinteressant, einen Menschen zu beobachten, der noch nicht kulturell geformt (oder soll man sagen „verformt“?) wurde. Was mir gestern mal wieder überdeutlich wurde, ist die Art, wie ganz junge Menschen an die Dinge herangehen: Einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit verbringen sie mit zweckfreiem Agieren, d. h. sie hantieren, probieren, studieren – ohne sich dabei in irgendeiner Form unter Druck zu setzen. Sie erlauben sich, in aller Ruhe herauszufinden, wie die Dinge sind und wie sie funktionieren.
Warum tun wir Erwachsenen das so selten? Wir meinen immer, wir müssten mit jeder Aktion gleich Erfolg haben. Das ist unsinnig und ganz unmöglich! In meiner Beratungspraxis treffe ich laufend auf solche Situationen: Kunden haben den Anspruch, jede ihrer Entscheidungen und jede ihrer Handlungsweisen müsse „richtig“ sein. Aber wie soll das gehen? Es gibt kaum zwei vollkommen identische Situationen im Leben. Wenn ich nun in einer Situation stecke, in der Handlungsbedarf besteht, kann ich schlichtweg nicht immer wissen, was zu tun ist, einfach deshalb nicht, weil ich mit genau dieser Situation noch keine Erfahrung habe. Darum plädiere ich für lustvolles Erkunden und Experimentieren! Geben wir uns die Erlaubnis, ein bisschen mit den Elementen der Situation zu spielen und auch die Zeit, herauszufinden, was funktioniert!