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Souverän in 1 Minute

Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben irgendwie entspannter. Ich merke das u.a. daran, wie schwer es ist, ein paar Freunde um meinen Tisch zu versammeln. Man findet nur mit größter Mühe einen gemeinsamen Termin für ein Treffen. Wenn ich jemanden zu einem Treffen einladen will, höre ich häufig: „Gute Idee, da komm ich doch gerne. Ich kann allerdings erst wieder ab Mitte nächsten Monat, weil ich vorher noch … muss.“ Das genau ist das entscheidende Wort: MUSS

Wir sind Getriebene

Es ist unfassbar, was wir inzwischen alles müssen. Da musste z.B. diese Kundin von mir an einem Samstag Nachmittag ins Büro fahren, weil ihr Chef eine Akte nicht finden konnte. Sie musste alles stehen und liegen lassen, um ihrem Chef behilflich zu sein. Kein Witz. Oder da muss ein Mitarbeiter den ganzen Nachmittag in einem stinklangweiligen Meeting herumsitzen, wo sich diverse Leute produzieren und anderen die Zeit stehlen. Während der Mitarbeiter seine Zeit dort sinnlos absitzt, bleibt seine Arbeit liegen. Die muss er dann anschließend noch erledigen und kann nicht pünktlich nach Hause gehen.

Wer ist heute noch auch nur ansatzweise Herr über seine Zeit? Wer einen Beruf ausübt, fühlt sich beinahe schon gewohnheitsmäßig wie ein Getriebener. Kein Mensch mit Verstand würde sich solch einen Zustand wünschen. Warum befinden wir uns dann ständig darin?

Angst als Handlungsmotiv

Ich fürchte, die schlichte Antwort lautet: „Weil wir solche Angst haben.“ Wir haben Angst, den Chef zu verärgern, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst, uns unbeliebt zu machen und unangenehm aufzufallen, Angst, zu kurz zu kommen. Und um diese Angst auszuschalten, sind wir bereit, teuer zu bezahlen. Wir bezahlen mit unserer Freiheit und Selbstbestimmtheit. Wir bezahlen mit unserem Glück. Wir sind wie  Kinder, die ganz brav sein wollen, damit Knecht Ruprecht sie nicht in den Sack steckt.

Ich habe als Studentin u.a. in einer großen stinkenden Fabrikhalle gearbeitet, um mein Studium finanzieren zu können. Und schon damals hatten die Menschen Angst. In dieser Halle wurden Elektroteile galvanisiert. Eine überaus anstrengende und monotone Arbeit. Jeden Donnerstag ging der Abteilungsleiter mit seinem Klemmbrett herum und hat jeden gefragt, ob er denn „freiwillig“ auch am Wochenende arbeiten wolle. Die Maschinen durften nicht stillstehen, ist ja klar. Und niemand hat sich getraut, ein klares NEIN zu erwidern. Die Frauen dort waren teilweise noch jung, sie hatten Familie, kümmerten sich um Kinder. Und sahen sich gezwungen, am Wochenende Überstunden zu machen. Natürlich gab das mehr Geld. Aber um welchen Preis?!

Aus Angst vor negativen Konsequenzen am Arbeitsplatz verzichtet manch einer auf etwas, was ihm wichtig wäre: Zeit für sich, Zeit mit der Familie und den Freunden. Ein bisschen persönliche Freiheit, ein paar private Gestaltungsräume. Man passt sich an, erledigt Arbeiten, deren Sinn man zuweilen nicht mal erkennen kann (keine einzige der Frauen konnte mir erklären, was das für Elektroteile waren, die sie da täglich galvanisierten!). Man ackert mitunter wie ein Galeerensklave – alles nur, um die Angst zu beschwichtigen. Und für all das Elend entschädigt man sich dann gerne, indem man sich in der Freizeit berieseln lässt. Man „schaltet ab“. Oder man gönnt sich was Schönes, man konsumiert. Was für ein Leben ist das, in dem Konsum und Ablenkung zu den Höhepunkten des Daseins werden!

Mehr Souveränität, bitte!

Was kann uns retten? Nur der Mut, von der eigenen Freiheit Gebrauch zu machen. Denn sie ist immer noch da, diese Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Man kann tatsächlich dem Chef freundlich erklären, dass man sich an einem Samstag Nachmittag nicht auf Aktensuche begeben wird. Man ist auch nicht gezwungen, einer furchtbar öden Besprechung aufmerksam bis zum Ende zu folgen, denn man hätte ja auch die Möglichkeit, sich einzubringen und ein bisschen Regie zu übernehmen, z.B. indem man ein paar interessante und herausfordernde Fragen in die Runde wirft.

Souveränität ist eine Entscheidung! Sie lässt sich in weniger als 1 Minute treffen!

Solche Menschen, die das tun, die sich das trauen, sind für mich moderne Helden. Denn sie lassen sich nicht klein machen und funktionalisieren. Sie machen von ihrer Freiheit und Menschenwürde  Gebrauch.  Das Wort „Souveränität“ stammt aus dem Lateinischen: „Superanus“ bedeutet „darüber befindlich, überlegen“. „Drüber stehen“ würde man heute salopp sagen. Und genau das bringt die Freiheit zurück. Wer souverän handelt, bedient sich seiner Wahlfreiheit. Er lässt sich nicht mit dem Rücken an die Wand drücken, sondern er entscheidet selbstständig, was für ihn richtig ist und passt – und was eben nicht. Wer gerade nichts Besseres zu tun hat, kann sich durchaus dazu entscheiden, ins Büro zu fahren und dem Chef beim Suchen zu helfen. Das könnte ja sogar ganz nett werden, denn vielleicht ergibt sich ein schönes und vertrauensvolles Gespräch. Wer aber aus blanker Angst bei der Suche hilft, ist nicht souverän, sondern Sklave seiner Angst.

Eine simple Formel

Ich habe eine ganz schlichte Formel für souveränes Handeln. Sie lautet:

Souveränität = Wahlfreiheit

Was immer wir tun, in welcher Situation wir auch stecken mögen – solange wir mehr als eine Alternative für uns erkennen können, sind wir in der Lage, souverän zu handeln. Denn wer die Wahl hat, hat die Macht. Er ist kein Sklave, er entscheidet zwischen diversen Handlungsalternativen. Als Entscheider steht er über den Dingen. Deswegen habe ich es mir zur Regel gemacht, in jeder Situation möglichst rasch möglichst viele Optionen für mich zu identifizieren. Dadurch habe ich nie das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Ich bin kein hilfloses Opfer, keine Ausgelieferte. Ich kann zumindest in einem gewissen Rahmen frei und selbstbestimmt agieren.

Natürlich erfordert es Mut, die eigenen Spielräume auch tatsächlich zu nutzen. Aber mutig zu sein, ist nicht unbedingt schwer, wenn man sich den Preis des Gehorsams vor Augen führt.

Und wenn Sie –  wie so viele von uns – gern mehr Freiheit hätten, aber nicht recht wissen, wie Sie sie finden und nutzen, dann lade ich Sie herzlich ein, sich zu einem kostenlosen Gespräch mit mir anzumelden. Spielräume zu entdecken, gehört zu meiner persönlichen Leidenschaft. Ich freue mich, wenn ich Ihnen dabei behilflich sein kann. Sie brauchen dafür nur auf diesen Kalender zu klicken und sich einen Gesprächstermin auszusuchen:

 

Montagsblues

Wochenanfang. Wenn ich mich auf Facebook durch den Newsfeed scrolle, finde ich jeden Montag viele Posts, deren Verfasser bereits sehnsüchtig auf das kommende Wochenende warten. Sie geben ermutigende Durchhalteparolen aus für alle, die ebenso unlustig an ihre Arbeit gehen und es kaum erwarten können, dass der Freitag vor der Tür steht. Und ich denke mir: Ist euch eigentlich klar, was ihr da tut? Wie ihr eigenhändig eure Chancen auf ein glückliches Arbeitsleben mindert?

Den größten Teil unserer Wachzeit verbringen wir mit unserer Arbeit. Und meistens sogar den besten. Wenn wir gerade nicht am Arbeitsplatz sind, dann befinden wir uns auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg. Mental beschäftigen wir uns dabei sehr viel mit den Vorgängen, die mit unserer Arbeit verbunden sind, wir denken an unsere Aufgaben, an die Menschen, mit denen wir dort zu tun haben, an unsere Rolle, die wir dort spielen usw. Wir schalten nicht einfach ab, wenn wir nach Hause kommen. Viele verfolgt das Arbeitsgeschehen sogar bis in den Schlaf (wenn sie denn überhaupt welchen finden können). Wie leichtfertig, die Zeit am Arbeitsplatz als etwas zu betrachten, das man überstehen muss, damit anschließend das gute Leben beginnen kann!

Arbeitszeit ist Lebenszeit und will gestaltet werden. Wir brauchen den Gestaltungsprozess, um uns als Menschen vervollkommnen zu können. Indem wir uns einlassen, können wir uns selbst erfahren und wachsen. Arbeit bedeutet nicht nur Aufgabengestaltung und Kompetenzerweiterung, sondern eben auch Persönlichkeitsentwicklung. All jene, die täglich auf den Feierabend warten, bringen sich selbst um diesen Gewinn. Sie überlassen das Steuer anderen und verhalten sich wie hilflose Opfer, wie Ausgelieferte, die alles über sich ergehen lassen müssen und nur darauf hoffen, möglichst bald zu entkommen.

Und noch etwas anderes macht die Arbeitsunlust gefährlich: Denn wir erleben für gewöhnlich genau das, was wir erwarten. Wer überzeugt ist, am Arbeitsplatz Negatives zu erleben, der wird Anlass zum Klagen bekommen – auch wenn die Urheberschaft all der negativen Erfahrungen nicht unbedingt jedem Urheber bewusst sein mag. Aber wer Schlimmes erwartet, stellt unbewusst selbst die Weichen dafür.  „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten.“ Diese chinesische Weisheit gilt ganz gewiss auch für unseren täglichen Umgang mit der Arbeitswelt.

 

Blick in die Zukunft

Heute wurde ich vom Hessischen Rundfunk überraschend um ein Interview zum Thema „Horoskope“ gebeten. Man fragte mich auch, ob ich selbst Horoskope lesen würde. Das kann ich nur uneingeschränkt verneinen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Horoskope in den Bereich des Aberglaubens gehören.Die Astrologie versagt vollständig, wenn es um Vorhersagen aller Art geht. Das ist das Ergebnis zahlreicher Studien. Es wäre hochgradig unvernünftig, sich von der Astrologie Antworten hinsichtlich unserer Zukunft zu erwarten. Selbst wenn die Sterne Einfluss auf unseren Lebensweg hätten (was man sehr bezweifeln muss), dann wäre dieser Einfluss derart geringfügig, dass er von vielen anderen Faktoren vollständig überlagert würde.

Mein Rat lautet deshalb: Vergeuden wir keine Zeit mit dem Lesen von Horoskopen! Viel klüger ist es, wenn wir entschlossen die Verantwortung für unser Leben übernehmen. Schreiben wir unser Horoskop doch selbst!

Das eigene Wetter machen

012Samstag musste ich ein paar Dinge im Supermarkt besorgen. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, weshalb überall großes Gedränge herrschte. Das wirkte sich nicht gut auf die Stimmung aus: Ich konnte die Anspannung der Menschen deutlich wahrnehmen, viele wirkten ungeduldig, genervt oder sogar leicht aggressiv. Einige benahmen sich rücksichtslos.

Wenn so viele Leute so schlecht drauf sind, besteht die Gefahr der Ansteckung. Man passt sich ohne nachzudenken der vorherrschenden Stimmung an. Muss aber nicht sein.

Worauf es ankommt: Rechtzeitig zu merken, was da gerade passiert und sich klar zu entscheiden, was man will. Das gelingt mir nicht immer, weil ich manchmal zu unaufmerksam bin oder auch zu kraftlos. Aber am Samstag hat es geklappt. Mir war ganz schnell bewusst, dass ich mich nicht mit all den schlechten Gefühlen infizieren, sondern meine gute Laune behalten wollte. Deshalb habe ich freundlich auf die Drängler an der Kasse und im Aufzug reagiert, viele Menschen angelächelt und ganz Ungeduldige vorgelassen. Sogar ein Kompliment habe ich gemacht, und zwar in humorvoller Weise, sodass alle im Aufzug schmunzeln mussten und sich gleich drei Personen gleichzeitig gebauchpinselt fühlten.

Gefühle sind ansteckend und wer schlecht drauf ist, zieht andere runter. Eine Erfahrung, die bestimmt jeder von uns schon unzählige Male gemacht hat. Aber dem lässt sich entgegenwirken, wenn man will. Das stärkere Gefühl setzt sich in der Regel durch – somit kann jeder von uns, ganz gleich, wohin er geht, sein eigenes Wetter machen und genau die Atmosphäre schaffen, die er haben will.

Ich bestimme!

Diese Woche habe ich Gartenabfälle zum Wertstoffhof in Königstein gebracht. Wegen des schönen Wetters herrschte dort ungewöhnlich viel Betrieb. Es gab kaum genug Platz für all die Autos. Menschen und Fahrzeuge waren einander im Weg, es ging ziemlich chaotisch zu. Man brauchte Nachsicht und ein bisschen Geduld. Dazu war nicht jeder der Beteiligten in der Lage, sodass sich Ungeduld und Aggressivität einstellten. Es wurde gehupt und gedrängelt. Plötzlich sprach mich ein Mann mittleren Alters an, dem es nicht gefiel, wie ich geparkt hatte (beim Hineinfahren war es die einzige Parkmöglichkeit für mich gewesen). Er gab sich ausgesprochen unhöflich, geradezu unverschämt. Natürlich war ich über sein Verhalten empört. Ich hatte jetzt verschiedene Möglichkeiten:
Ich hätte entsprechend harsch reagieren können. Da ich Schlagfertigkeit unterrichte, bin ich selten um eine Antwort verlegen. Aber was hätte sich daraus ergeben? Höchstwahrscheinlich ein heftiger Streit. Für keinen von uns wäre Gewinn daraus entstanden, dafür hätte ich aber Zeit verloren und Energie. Ich beschloss, dass ich das nicht wollte.
Darum wählte ich eine andere Möglichkeit: Ich wies seine Vorwürfe ruhig und freundlich zurück und parkte mein Fahrzeug ohne Eile um. Die Unfreundlichkeit meines Gegenübers nahm ich wahr als sein Problem, die chaotische Situation auszuhalten. Sie hatte mit mir nichts zu tun und ich war nicht gewillt, mir von diesem Mann einen Konflikt aufzwingen zu lassen. Wann ich mich mit wem worüber streite, das bestimme ich!