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Ankommen oder nicht

Diese Woche wollte es der Zufall, dass just, als ich meine Kunden zu einer Veranstaltung in meinem Institut erwartete, eine der wichtigsten Zufahrtsstraßen nach Königstein wegen eines Unfalls gesperrt wurde. Es gab aus dieser Richtung kein Durchkommen mehr und wer nach Königstein wollte, musste eine lange Umleitung in Kauf nehmen.

Es war sehr interessant für mich zu sehen, wie unterschiedlich meine Kunden mit diesem Hindernis umgingen: Einige nutzten die Umleitung, kamen gerade noch rechtzeitig zu Veranstaltungsbeginn an und verloren kaum ein Wort über die Unannehmlichkeiten der Fahrt. Die Sache war für sie nicht der Rede wert. Eine Dame meldete sich telefonisch aufgeregt von unterwegs und kündigte ihre Verspätung an. Sie wirkte gestresst, war aber entschlossen, sich zu mir durchzuschlagen und nichts zu verpassen. Mit all diesen Kunden konnte ich einen angenehmen und sehr interessanten Abend verbringen.

Eine Kundin jedoch erschien nicht und meldete sich auch nicht telefonisch. Ich wunderte mich, denn sie ist immer gern dabei und eine meiner eifrigsten Besucherinnen. Sie schickte mir am nächsten Tag eine lange Email, in der sie wortreich schilderte, wie sie im Verkehr stecken geblieben sei. Auf den Punkt gebracht, enthielt ihre Nachricht zwei Aussagen: 1. Es war unmöglich. 2. Ich kann nichts dafür.

Ich frage mich dabei wie so oft, warum wir ständig bereit sind, Grenzen wahrzunehmen, wo keine sind. Und warum die Leute es immer so wichtig finden, ihre Unschuld zu betonen. Sicher ist: Wer sich auf seine Grenzen konzentriert statt auf seine Möglichkeiten und wer außerdem ängstlich darauf bedacht ist, bloß nichts falsch zu machen, der wird nur schwer irgendwo ankommen können.

Die Schranke im Kopf

Vor einigen Tagen konnte ich eine seltsame Szene im Parkhaus beobachten:

Die Schranke vor der Ausfahrt war defekt und stand deswegen dauerhaft senkrecht, sodass man ungehindert passieren konnte. Vor mir fuhren zwei Fahrzeuge in Richtung Ausfahrt. Beide Fahrer hielten an der Schranke an und bemühten sich, ihren Parkschein in den Automaten einzuführen. Der war jedoch ausgeschaltet und ließ sich nicht mit Parkscheinen füttern. Es dauerte eine ganze Weile, bis der erste Autofahrer merkte, was los war. Der zweite, dicht hinter ihm, verhielt sich genau wie sein Vordermann: Er versuchte, seinen Parkschein in den Automaten zu stecken, bemerkte die offene Schranke nicht und brauchte einige Augenblicke, bis er verstand, was los war.

Zuerst wurde ich ungeduldig, als ich das Verhalten der beiden Fahrer beobachtete. Dann war ich erheitert; die Szene hatte auf jeden Fall etwas Komisches. Zuletzt wurde ich nachdenklich:

Wie oft mag es wohl vorkommen, dass wir Hindernisse sehen, wo keine sind? Wie häufig mag es mir wohl selbst passieren, dass ich mich bremse, weil ich ein Hindernis vermute, das es nicht gibt? Franz Kafka hat geschrieben: „Verbringe deine Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da.“

Was ich mir vornehme: Lieber fragen „Wie könnte es funktionieren?“ statt zu denken „Das geht bestimmt nicht.“ Und dann einfach mal machen. Letzten Endes kommt es darauf an, was wir versuchen. Ob wir damit Erfolg haben, ist gar nicht so wichtig.

Wow!

Ich staune zu wenig. Das ist schlecht, sogar gefährlich. Denn wer nicht staunen kann, glaubt, er wüsste. Und es ist immer diese vermeintliche Gewissheit, die einen letzten Endes stolpern lässt. Wer alles für selbstverständlich hält und sich nicht wundern kann, kann auch nicht in Frage stellen. Wer nicht zweifelt, kann die Dinge nicht mit neuen Augen betrachten. Wer aber seine Sichtweise nicht verändert, wird ewig in denselben alten Problemen festhängen. Ihm fällt nichts Neues ein. Er sieht Chancen und Lösungen nicht, die meist auch in den verzwicktesten Situationen möglich wären. Wenn man denn einen Blick dafür hätte.
Der menschliche Geist ist träge und er liebt Gewissheiten, weil die so unverschämt bequem sind. Kurzfristig. Langfristig fahren wir aber weit besser damit, wenn wir unseren Geist beweglich halten, dieselben Dinge immer wieder aus wechselnden Perspektiven betrachten können. Der erste Schritt dazu wäre die Fähigkeit zu staunen. Die lässt sich trainieren.

003Neulich habe ich gestaunt. Es war nur eine Kleinigkeit, aber sie erschien mir bedeutsam genug, um sie mit der Kamera festzuhalten. In diesem Jahr gab es Unmengen von Pilzen. Ich habe ihre Vielfalt und Schönheit bestaunt.

Und für heute nehme ich mir vor: Mindestens drei Dinge finden, über die ich staunen kann.