Schlagwort-Archiv: Problemlösung

Falsch entschieden? Macht nix!

Wir neigen in unserer Gesellschaft fast alle ein wenig zum Perfektionismus. Wir wollen alles möglichst gut machen. Dazu gehört auch die Angst vor falschen Entscheidungen. Wir wollen keine Entscheidung bereuen müssen. Ich beobachte beispielsweise jedes Jahr aufs Neue die Angst der Eltern, beim Schulwechsel ihrer Kinder etwas anderes als die allerbeste Schule auszusuchen. Im beruflichen Coaching bin ich laufend mit den Entscheidungsnöten meiner Kunden konfrontiert. Man will ja nichts falsch machen.

Natürlich sind Leichtfertigkeit oder gar Tollkühnheit nicht empfehlenswert. Aber die ewige Angst vor Fehlentscheidungen kostet unendlich viel Energie und führt zuweilen sogar zu einer Lähmung. „Soll ich beim Meeting meine Meinung sagen oder vorsichtshalber still bleiben?“ ist ein Beispiel dafür. Wer aus Angst vor Gegenwind lieber nichts sagt, hat keinen Einfluss auf das Geschehen und muss dann mit den Entscheidungen der anderen leben. Und dem Bewusstsein, feige gehandelt zu haben. Und er wird nie wissen, was passiert wäre, wenn er den Mund aufgemacht und Stellung bezogen hätte.

Ich plädiere deshalb für mehr Risikobereitschaft. Eine Prise Abenteuerlust. Wir müssen nicht alles richtig entscheiden. Wir machen ohnehin unvermeidlich Fehler. Das ist nicht so gefährlich wie die meisten von uns glauben. Denn auch nach einem Fehler geht es immer weiter. Manche Fehlentscheidungen lassen sich sogar revidieren. Aus Fehlentscheidungen geht man klüger hervor. Aus Fehlern entsteht regelmäßig auch etwas Gutes, denn nichts ist eindeutig. Wir müssen nur unseren Blick für das Gute im Schlechten schärfen.

Wer im Leben vorankommen will, muss auf jeden Fall bereit sein, seine Fehlerquote deutlich zu erhöhen. Dazu gehören ganz sicher auch Fehlentscheidungen.

Information oder Intuition?

Diese Woche war ich mit einer Aufgabe konfrontiert, die mich zunächst völlig überforderte. Was tun? Natürlich erst einmal Informationen sammeln. Davon gibt es reichlich. Vor allem das Internet ist eine unerschöpfliche Fundgrube. Hinzu kommen all die Menschen, die bereitwillig Tipps geben und eigene Erfahrungen beisteuern können. An Informationsmaterial herrscht nun wirklich kein Mangel.

Das Ergebnis: Eine Nacht mit sehr wenig Schlaf. Die Angst, Fehler zu machen und Schaden anzurichten. Zweifel an meinen Informationsquellen. Es stimmt nämlich nicht, dass viele Informationen automatisch zu guten Entscheidungen führen. In meinem Fall gab es widersprüchliche Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Ich war erst einmal irritiert.

Schließlich habe ich intuitiv entschieden und scheine damit richtig zu liegen. Jedenfalls hat sich der gewünschte Erfolg eingestellt. Mein Fazit:

  1. Experten sind nicht so schlau und vertrauenswürdig, wie man glauben möchte.
  2. Die eigene Verwirrung lässt sich mit der Zahl der Informationen steigern.
  3. Ein Mehr an Informationen ist kein Garant für bessere Entscheidungen.
  4. Intuitive Entscheidungen können den rational getroffenen Entscheidungen durchaus überlegen sein.
  5. Manchmal muss man einfach etwas wagen.

 

Die besondere Intelligenz

Frage eines Seminarteilnehmers an mich: „Braucht man Intelligenz, um souverän handeln zu können?“ Gute Frage. Natürlich braucht man dafür Intelligenz – schließlich bedeutet „Souveränität“, dass man über den Dingen steht (lat. „superanus“ = „darüber befindlich, überlegen“). Aber es ist nicht die Art von Intelligenz, die man mit einem klassischen Intelligenztest bestimmen kann.

Der misst nämlich Dinge wie räumliches Vorstellungsvermögen oder sprachliches Geschick. Nicht ganz unwichtige Aspekte der Lebenstüchtigkeit. Sie werden jedoch überbewertet. Letzten Endes kann man Intelligenz wohl kaum darauf reduzieren. Es gibt im Grunde viele verschiedene Intelligenzen und Fähigkeiten, die uns lebenstüchtig machen.

Souveränität erfordert beispielsweise den intelligenten Umgang mit Sichtweisen:  Man darf sich vom Geschehen niemals völlig gefangennehmen lassen, sondern muss jede Situation aus der Hubschrauberperspektive betrachten können. Nur so steht man über den Dingen und gewinnt den Überblick. Themen und Muster werden deutlicher erkennbar. Weiterhin gehört die Fähigkeit zu strategischem Denken dazu; denn der Souveräne reagiert nicht einfach nur, sondern er ist Impulsgeber. Er kann das Geschehen steuern und fühlt sich ihm nicht ausgeliefert. Souveräne Menschen sind darüber hinaus in der Lage, für jede kritische Situation eine ganze Reihe alternativer Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, unter denen sie dann wählen können. So behalten sie das Steuer in der Hand.

Ja, man braucht Intelligenz, wenn man souverän sein will. Aber es ist eine besondere Intelligenz, eine, die der übliche Intelligenztest nicht messen kann.

Nützliche Defizite

745363  Eine  Studie der Unternehmensberatung „Pro Change“ ergab, dass deutsche Arbeitnehmer insgesamt vier Stunden pro Woche damit beschäftigt sind, sich über ihre Vorgesetzten zu beklagen. Das dürfte einerseits einen gewaltigen Produktivitätsverlust nach sich ziehen, der sich volkswirtschaftlich kaum beziffern lässt. Zum anderen entsteht auf diese Weise ungewollt und unbemerkt ein gewaltiges psychisches Problem für die Klagenden.

Wer klagt, macht sich damit selbst zum Opfer. Er sucht Schuldige, keine Spielräume. Klagen zementiert die schlechte Stimmung, denn das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst: Es erhält zunehmende Repräsentanz in den Gedanken und den Gefühlen. Man könnte auch sagen: Wer sich häufig beklagt, zieht sich damit selbst runter.

Die Fixierung auf das eigene Leid und auf die Opferrolle macht zudem handlungsunfähig. Denn Opfer sind per se hilflos. Diese Selbstwahrnehmung mag zwar eine realistische Basis haben – denn Führungskräfte geben durchaus zuweilen berechtigten Anlass zur Kritik – zweckmäßig ist sie jedoch nicht. Wer sich als Opfer fühlt, kann nur verharren und auf Besserung hoffen. Genau damit aber zementiert er seine Hilflosigkeit. Das ist unbefriedigend und belastend. Es gibt glücklicherweise eine Alternative:

Die Defizite des Chefs lassen sich hervorragend für die eigene Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Scheut der Chef beispielsweise Entscheidungen, vergrößern sich damit die Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter. Verhält sich ein Vorgesetzter sozial inkompetent, ist das ein Anlass für die Mitarbeiter, ihrerseits ihre soziale Kompetenz zu verfeinern. Gewährt der Chef zu wenig Freiheit, können die Mitarbeiter sich darauf spezialisieren, auch in kleinen Dingen ihre Spielräume zu entdecken und zu nutzen, um auf diese Weise ihre Arbeit befriedigender zu gestalten. So wird jeder schwierige Chef zu einer Herausforderung, die der Persönlichkeitsentwicklung seiner Mitarbeiter nützlich sein kann. Je schneller wir das begreifen, desto besser. Denn es gibt keine perfekten Chefs und Leiden ist niemals eine Option.

Alles bloß Wahrnehmungsfehler!

Wir pflegen die Dinge auf bestimmte Weise zu betrachten. Daraus entstehen dann automatisch die dazu passenden Erwartungen und Wünsche. Das ist normal und funktioniert so selbstverständlich, dass wir im allgemeinen nicht darüber nachdenken. Aber was ist, wenn diese Wünsche sich dann nicht erfüllen, wenn unsere Erwartungen enttäuscht werden?

Neulich besuchte ich ein sehr schön gelegenes Restaurant in der Erwartung, dort gut bedient zu werden. Das Gegenteil war der Fall: Ich wurde überhaupt nicht bedient. Der Kellner war beinahe unsichtbar und wenn er doch einmal in Erscheinung trat, schien er mental abwesend zu sein. Dieses Verhalten deckte sich nicht mit meiner Erwartung. Was jetzt? Da mein Versuch, ihn aus seiner Trance zu holen, scheiterte, musste ich mir nun etwas Neues ausdenken. Grundsätzlich sah ich zwei Möglichkeiten: Ich könnte mich auf die miese Serviceleistung konzentrieren, indem ich den Kellner anbrüllte, den Geschäftsführer verlangte, eine Möglichkeit zur Rache suchte etc. Oder ich könnte mich auf mein Bedürfnis konzentrieren, nämlich in schöner Umgebung etwas Gutes zu essen. Die erste Alternative erzeugt Stress, die zweite verspricht Bedürfnisbefriedigung. Welche ist intelligenter?

Wir sehen die Dinge so, wie wir sie sehen wollen. Als Folge davon versuchen wir, die Welt an die damit verbundenen Erwartungen anzupassen. Und nehmen es dann der Welt übel, dass sie keine Rücksicht auf unsere Wünsche nimmt. Aber die Welt funktioniert, wie sie will, nicht wie wir sie haben wollen. Ich werde wohl in diesem Restaurant ums Verrecken keinen guten Service bekommen. Das ahne ich, nachdem ich nun schon häufiger dort war. Es ist, wie es ist. Ich kann nun wählen: Mich darüber ärgern und mir damit Stress machen, oder ich akzeptiere den Service, wie er ist. Tatsächlich habe ich mich inzwischen auf den schlechten Service eingestellt. Manchmal habe ich viel Zeit und kann es mir leisten, darauf zu warten, dass der Kellner es irgendwann schafft, seinen Job zu machen. Während ich warte, unterhalte ich mich angenehm oder entspanne mich einfach nur beim Nichtstun. Und wenn mir dazu die Lust oder Zeit fehlen, gehe ich halt woanders essen. Aber ich mache mir keinen Stress auf der Basis von Ärger und Frustration.

Im Grunde sind Wahrnehmungsfehler die Ursache für Stress. Wir halten stur an den daraus resultierenden Erwartungen fest. Würden wir uns hingegen mit den Dingen arrangieren, wie sie nun einmal sind, ginge es uns oftmals besser.

Der Störfall als Normalfall

Während der vergangenen zehn Tage habe ich jede Menge Störfälle im privaten Umfeld erlebt oder berichtet bekommen: In meiner Patchworkgruppe gab es einen Todesfall; einer Freundin ist das gut gewartete noch recht neue Auto kaputtgegangen; ein Kleinkind hat sich mit Tee verbrüht; der Bruder einer Bekannten hat sich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen infiziert; in einer Organisation, mit der ich eng zusammenarbeite, sind durch Krankheitsausfälle und Personalknappheit die verbliebenen Mitarbeiter kaum noch in der Lage, das Tagesgeschäft aufrechtzuerhalten; eine noch junge Frau braucht ein künstliches Kniegelenk und last not least hatte meine Hündin eine lebensgefährliche Infektion und musste als Folge davon eine schwere Operation überstehen.

Daneben gibt es noch die ungezählten und ganz alltäglichen kleinen Kränkungen und Enttäuschungen. Außerdem habe ich jede Menge Sorgen und Ängste beobachtet, die sich auf Dinge und Ereignisse beziehen, die noch gar nicht passiert sind und möglicherweise auch nie eintreten werden.

All das zusammengenommen löst nicht nur starke negative Gefühle aus, sondern häufig auch Verwunderung oder gar Empörung. Ich staune immer wieder, wie viele Menschen scheinbar davon ausgehen, dass störungsfreie Abläufe als Norm zu betrachten seien und alles Störende als Abweichung davon. Vermutlich wäre das Leben einfacher, wenn wir das Unglück schulterzuckend als selbstverständlichen Bestandteil unserer Alltagserfahrung betrachten könnten. Dann wäre das Schwere wenigstens leichter zu akzeptieren und wir bräuchten nicht zu hadern. Denn damit vergeuden wir nur Energie. Das Schlimme, Schwere und Traurige ist nun einmal ein unvermeidbarer Bestandteil unserer Existenz. Wenn wir das akzeptieren, können wir uns besser darauf konzentrieren, unser Unglück zu bewältigen und einander zu helfen.

Mehr Mut zum Scheitern, bitte!

In der vergangenen Woche habe ich zufällig eine Dokumentation über die Hagia Sophia gesehen. Ich war fasziniert, und zwar nicht nur von dem Gebäude selbst, sondern fast noch mehr von seiner Entstehungsgeschichte. Der ehrgeizige Kaiser Justinian erteilte im 6. Jahrhundert den Bauauftrag an einen Architekten und einen Mathematiker. Da solch ein Bauwerk noch nie zuvor errichtet worden war (die riesige Kuppel ruht nur auf vier Pfeilern und scheint deshalb über dem Raum zu schweben), konnte keiner der Bauleiter sicher wissen, was passieren wird. Und tatsächlich gab es zahlreiche Probleme beim Bau wie z. B. Mauerrisse. Erschwert wurde die Arbeit durch den großen Zeitdruck (nur fünf Jahre gewährte der Kaiser dafür) und den Tod des Architekten. Im Grunde war die Kirche ein gigantisches Experiment: Ihre Erbauer probierten Neues aus und lernten während der Bauzeit. Herausgekommen ist ein unvergleichliches Gebäude, das erdbebensicher ist und eineinhalb Jahrtausende überdauert hat.

Mich beeindruckt die Kühnheit des Unternehmens sowie der Mut, schwerwiegende Fehler zuzulassen. In unserer Kultur scheint es für alles Regeln zu geben. Wehe dem, der sich nicht daran hält! Auf dieser Basis kann niemals etwas Großartiges entstehen. Wir produzieren lediglich Gewohnheit und Mittelmaß. Dadurch genießen wir zwar Sicherheit und Bequemlichkeit, aber das genügt nicht, um der menschlichen Natur gerecht zu werden. Wir brauchen mehr atemberaubende Abenteuer (und damit meine ich gewiss nicht sinnlose Sprünge in die Tiefe, sei es aus einem Flugzeug heraus oder an einem Gummiseil von einer Brücke herab). Ich meine vielmehr die Lust am Schöpferischen, die Begeisterung für waghalsige, fantastische, verstiegene Ideen, das Aufgehen in der Gestaltung. Dazu gehört unbedingt der Mut zum Scheitern. Genau davon wünsche ich mir für uns alle mehr.

Es ist, wie es ist

Diese Woche hat mir ein Kunde wieder einmal vor Augen geführt, was passiert, wenn wir hadern. Es gibt sie ja, die Dinge, die eigentlich nicht sein sollten, an denen wir aber nichts ändern können. Wer das nicht akzeptieren kann und dagegen anrennt, macht sich unglücklich und krank. Die Betroffenen wissen das meistens auch, aber dennoch. . .

Dabei müssten wir eigentlich nur die Fragestellung ändern, damit es uns besser ginge. Denn wir sind niemals vollkommen hilflos. Wir können zumindest immer entscheiden, wie wir mit einer Sache umgehen wollen. Statt zu fragen: „Wie kann ich das Unveränderbare verändern?“ könnten wir überlegen: „Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben mir angesichts dieser unveränderbaren Situation?“

Damit würden wir unsere Möglichkeiten erkunden, mit der Situation klarzukommen. Wir könnten neue Ziele entwickeln oder alte Ziele auf neuen Wegen verfolgen. Auf diese Weise werden auch schlimme Erfahrungen zu einem ausgezeichneten Mittel der Selbstentfaltung und persönlichen Weiterentwicklung. Voraussetzung ist allerdings, dass wir anerkennen, was ist.und damit aufhören zu fordern, Menschen und Dinge sollten anders sein. Das Universum nimmt keine Rücksicht auf unsere Bedürfnisse und folgt eigenen Gesetzen. Damit müssen wir uns aussöhnen. Klagen und Hadern sind niemals eine Option!

Denken auf hohem Niveau

Diese Woche habe ich wieder einmal meinen Vortrag zum Thema „Denkfehler“ gehalten. Es gibt klassische Denkfehler, auf die ich schon im ersten Semester meines Psychologiestudiums aufmerksam gemacht wurde. Dazu gehört beispielsweise die vielseits beliebte Verwechslung von Korrelation und Kausalität: Man meint, das gleichzeitige Auftreten zweier Phänomene müsste automatisch bedeuten, dass das eine das andere bedingt. Diesen Denkfehler machen u. a. die Krankenkassen, wenn sie die Liegezeiten der Patienten verkürzen. Es gibt Studien, die belegen, dass es Patienten mit langen Liegezeiten schlechter geht als Patienten, die bald nach einer OP die Klinik verlassen. Aber es ist natürlich nicht die lange Liegezeit, die einen Patienten krank macht. Es ist die Krankheit, die eine lange Liegezeit erforderlich macht!

Zum Glück hat die Natur uns ein Mittel gegen Denkfehler mitgegeben: unsere Fähigkeit zur Metakognition. Meiner Ansicht nach wäre es eine gute Idee, ein Schulfach daraus zu machen. „Wie benutze ich meinen Kopf?“ Wir sind nämlich in der Lage, über das eigene Denken nachzudenken. Wir können die Arbeitsweise unseres Gehirns beobachten, in Frage stellen und mitunter auch gezielt verändern. Warum machen bloß so wenige Menschen Gebrauch davon???

Ich bin in diesem Zusammenhang auf einen Spruch gestoßen, der sowohl erheitert als auch betroffen macht: „Wenn du tot bist, dann weißt du nicht, dass du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Genauso ist es, wenn du blöd bist.“

Ankommen oder nicht

Diese Woche wollte es der Zufall, dass just, als ich meine Kunden zu einer Veranstaltung in meinem Institut erwartete, eine der wichtigsten Zufahrtsstraßen nach Königstein wegen eines Unfalls gesperrt wurde. Es gab aus dieser Richtung kein Durchkommen mehr und wer nach Königstein wollte, musste eine lange Umleitung in Kauf nehmen.

Es war sehr interessant für mich zu sehen, wie unterschiedlich meine Kunden mit diesem Hindernis umgingen: Einige nutzten die Umleitung, kamen gerade noch rechtzeitig zu Veranstaltungsbeginn an und verloren kaum ein Wort über die Unannehmlichkeiten der Fahrt. Die Sache war für sie nicht der Rede wert. Eine Dame meldete sich telefonisch aufgeregt von unterwegs und kündigte ihre Verspätung an. Sie wirkte gestresst, war aber entschlossen, sich zu mir durchzuschlagen und nichts zu verpassen. Mit all diesen Kunden konnte ich einen angenehmen und sehr interessanten Abend verbringen.

Eine Kundin jedoch erschien nicht und meldete sich auch nicht telefonisch. Ich wunderte mich, denn sie ist immer gern dabei und eine meiner eifrigsten Besucherinnen. Sie schickte mir am nächsten Tag eine lange Email, in der sie wortreich schilderte, wie sie im Verkehr stecken geblieben sei. Auf den Punkt gebracht, enthielt ihre Nachricht zwei Aussagen: 1. Es war unmöglich. 2. Ich kann nichts dafür.

Ich frage mich dabei wie so oft, warum wir ständig bereit sind, Grenzen wahrzunehmen, wo keine sind. Und warum die Leute es immer so wichtig finden, ihre Unschuld zu betonen. Sicher ist: Wer sich auf seine Grenzen konzentriert statt auf seine Möglichkeiten und wer außerdem ängstlich darauf bedacht ist, bloß nichts falsch zu machen, der wird nur schwer irgendwo ankommen können.