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Falsch entschieden? Macht nix!

Wir neigen in unserer Gesellschaft fast alle ein wenig zum Perfektionismus. Wir wollen alles möglichst gut machen. Dazu gehört auch die Angst vor falschen Entscheidungen. Wir wollen keine Entscheidung bereuen müssen. Ich beobachte beispielsweise jedes Jahr aufs Neue die Angst der Eltern, beim Schulwechsel ihrer Kinder etwas anderes als die allerbeste Schule auszusuchen. Im beruflichen Coaching bin ich laufend mit den Entscheidungsnöten meiner Kunden konfrontiert. Man will ja nichts falsch machen.

Natürlich sind Leichtfertigkeit oder gar Tollkühnheit nicht empfehlenswert. Aber die ewige Angst vor Fehlentscheidungen kostet unendlich viel Energie und führt zuweilen sogar zu einer Lähmung. „Soll ich beim Meeting meine Meinung sagen oder vorsichtshalber still bleiben?“ ist ein Beispiel dafür. Wer aus Angst vor Gegenwind lieber nichts sagt, hat keinen Einfluss auf das Geschehen und muss dann mit den Entscheidungen der anderen leben. Und dem Bewusstsein, feige gehandelt zu haben. Und er wird nie wissen, was passiert wäre, wenn er den Mund aufgemacht und Stellung bezogen hätte.

Ich plädiere deshalb für mehr Risikobereitschaft. Eine Prise Abenteuerlust. Wir müssen nicht alles richtig entscheiden. Wir machen ohnehin unvermeidlich Fehler. Das ist nicht so gefährlich wie die meisten von uns glauben. Denn auch nach einem Fehler geht es immer weiter. Manche Fehlentscheidungen lassen sich sogar revidieren. Aus Fehlentscheidungen geht man klüger hervor. Aus Fehlern entsteht regelmäßig auch etwas Gutes, denn nichts ist eindeutig. Wir müssen nur unseren Blick für das Gute im Schlechten schärfen.

Wer im Leben vorankommen will, muss auf jeden Fall bereit sein, seine Fehlerquote deutlich zu erhöhen. Dazu gehören ganz sicher auch Fehlentscheidungen.

Das Narzissen-Prinzip

In Südkalifornien, hoch oben in den San Bernardino Mountains, gibt es einen Narzissen-Garten mit 50.000 Blumenzwiebeln. Er wurde von einer einzigen Person angelegt. Sie setzte Jahr für Jahr Zwiebel für Zwiebel in den Boden, insgesamt 35 Jahre lang. Der so entstandene Garten ist atemberaubend schön und zeigt, was eine einzige Person leisten kann, wenn sie ihr Ziel fest im Auge behält und ausdauernd daran arbeitet. Es kommt nicht darauf an, dass wir uns kurzfristig verausgaben. Viel wichtiger ist der lange Atem. Viele kleine Schritte führen am Ende zu etwas Großem.

Wir neigen dazu, zu überschätzen, was wir an einem einzigen Tag leisten können und gleichzeitig zu unterschätzen, was wir schaffen, wenn wir beharrlich kleine Schritte machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie weit wir kommen, wenn wir einfach nur weitermachen, unbeirrbar und unermüdlich.

Ich selbst nutze das „Narzissen-Prinzip“ gerne und oft: Wenn ich ein neues Buch schreibe, meinen großen Garten pflege, für viele Gäste koche, Hunderte von handgeschriebenen Karten verschicke und noch bei vielen anderen Vorhaben. Ich finde es äußerst entspannend. Kleine Schritte, kein Stress, regelmäßige Fortschritte und am Ende ein schöner Erfolg.

Die innere und die äußere Ordnung

Mein Arbeitszimmer spiegelt mein Ich. Und da ich sehr unternehmungslustig bin, mich auf alle möglichen Projekte einlasse, für die unterschiedlichsten Kundenanliegen aufgeschlossen bin, zeigt mein Arbeitszimmer diese Vielfalt meistens überdeutlich: Da liegen Notizen herum, die ich für mein neues Buch gemacht habe, Arbeitsblätter für das Teamtraining nächste Woche, Fachliteratur, die ich für mein neues Projekt brauche, ein offenes Buch, in dem ich gerade aus purer Neugier lese, mehrere Notizblöcke, die für unterschiedliche Themen vorgesehen sind, dazwischen meine liebste Wohnzeitschrift, die ich in meinen Arbeitspausen durchblättere. Mittendrin steht der Computer, daneben eine Duftkerze mit Rosenduft und eine kleine blau gemusterte Vase mit einem Sträußchen von frischen Rosen und Frauenmantel aus dem Garten. Neben meinem Schreibtischstuhl wartet die Nähmaschine betriebsbereit auf ihren nächsten Einsatz: Schließlich bin ich in Sommerstimmung und nähe gerade an einem Quilt mit Rosenmustern für meine Sandkastenfreundin Brigitte. Irgendwo liegen auch noch verstreut ein paar Musterbücher, die mich inspirieren sollen. Das Chaos ist bereits wie von allein expandiert, es hat den Rand des großen Arbeitstisches übersprungen und von der breiten Fensterbank Besitz ergriffen.

Heute hat es mich plötzlich gepackt: ich musste einfach aufräumen. Der Impuls kam unvorhergesehen über mich. Was soll ich sagen? Nach weniger als einer halben Stunde ist eine überschaubare Ordnung hergestellt, das Arbeitszimmer wirkt ruhig und einladend, das Fenster lässt sich wieder öffnen. Ich habe aus purer Lust eine Sonderschicht eingelegt, einfach weil es sich so gut anfühlt, hier zu arbeiten. Die Gedanken sind klar und fließen. Es gibt eben doch einen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Ordnung! Ich frage mich nur, warum ich dem Chaos immer wieder eine Chance lasse….

 

Die Arbeit vor der Arbeit

Man kann beim Arbeiten nur so effektiv sein, wie man klar ist. Diese Erfahrung musste ich diese Woche wieder einmal machen. Ich arbeite an einem Manuskript, für das ich lange und gründlich recherchiert habe. Natürlich gibt es eine Gliederung und ich habe grob die Punkte im Kopf, über die ich schreiben will. Wenn ich morgens an meinen Schreibtisch gehe, ist die Versuchung groß, einfach drauflos zu schreiben. Schließlich weiß ich eine Menge über das Thema und es gibt viel zu sagen, das ich zu Papier bringen möchte. Aber dann passiert immer dasselbe: Ich verheddere mich in meinen Gedanken. Der rote Faden ist futsch, ich muss ganze Absätze löschen.

Ganz anders läuft es, wenn ich diszipliniert vorgehe: Erst klären, was genau das Thema sein soll, Aspekte dazu sammeln und sie dann sortieren. Danach jeden Aspekt der Reihe nach abhandeln, evtl. vorher noch einmal untergliedern. Diese Vorarbeit fällt mir manchmal schwer, weil ich mich zuweilen dadurch in meiner Kreativität gebremst fühle. Trotzdem – an den Tagen, an denen ich mich zwinge, so systematisch zu arbeiten, komme ich viel weiter und schaffe mehr.

Es lohnt fast immer, sich ausreichend Zeit für einen detaillierten Plan zu machen und völlige Klarheit herzustellen. Egal, was wir vorhaben – von der Hausarbeit bis zum Management einer großen Organisation – ohne die nötige Klarheit sind wir nicht effektiv.

Fröhliche Weihnachten!

004Kürzlich wurde ich in einem Interview gefragt, wie man denn dem familiären Weihnachtsstress entgegen wirken könne. Die Frage hat mich überrascht und ich fürchte, meine Antwort kam recht zögerlich, denn das Thema ist mir persönlich fremd.

Natürlich kenne ich die mit dem Weihnachtsfest verbundene Arbeitsbelastung (hier hilft tatsächlich nur ein gutes Zeitmanagement, was mir mal mehr und mal weniger gelingt). Aber familiären Stress kenne ich seit gut einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Dafür gibt es zwei Gründe:

Zum einen habe ich mich (zugegeben: erst nach einigen Enttäuschungen) damit abgefunden, dass die perfekte Weihnacht nur in der Werbung und in amerikanischen Spielfilmen existiert. Überall sonst geht es lebendig zu. Meine Erwartungen habe ich also an die Realität angepasst. Zum anderen klären wir in unserer großen Familie rechtzeitig Wünsche und Erwartungen. Bedürfnisse ändern sich, weshalb kein Weihnachtsfest genau wie das vorangegangene abläuft. Das geht natürlich auf Kosten liebgewonnener Rituale. Dafür ersparen wir uns aber gereizte Stimmung, aufgesetzte Feierlichkeit und pflichtschuldigst zusammengebissene Zähne. Statt dessen herrscht gegenseitige Toleranz und die weihnachtliche Atmosphäre ist authentisch: Man darf sogar laut sagen, wenn man ein Geschenk nicht mag. Das Miteinander gestaltet sich sehr entspannt und oft wird viel gescherzt und gelacht. Ich liebe Weihnachten mit meiner großen Familie!

Der Planungsirrtum (Teil 2)

Ich schaffe es nicht. Jeden Tag dasselbe: Ich nehme mir zu viel vor, daher bleibt etliches unerledigt und ich gehe frustriert schlafen. Keine sonderlich befriedigende Situation.
Aber ich habe einen Weg für mich gefunden: Jetzt setze ich nur noch zwei bis vier Punkte auf meine Liste, die obligatorisch sind für den Tag. Sie genießen oberste Priorität und müssen unbedingt abgearbeitet werden. Daneben gibt es eine Reihe von optionalen Aufgaben. Die „darf“ ich angehen, sobald die wichtigsten Arbeiten erledigt sind. Hier agiere ich ohne Druck.
Ergebnis: Es geht mir damit wesentlich besser als zuvor. Die Hauptaufgaben schaffe ich täglich. Dafür ist immer ausreichend Zeit. Und wenn ich abends zu Bett gehe, bin ich stolz, wie viele „freiwillige“ Arbeiten ich geschafft habe (statt frustriert zu sein, weil ich wieder mal hinter meinen eigenen Erwartungen zurückgeblieben bin).
Fazit: Zeitmanagement-Rezepte machen nur bedingt Sinn. Letzten Endes sind sie nicht eins zu eins übertragbar. Sie passen einfach nicht zu jedem in jeder Situation. Besser ist es, mit Verstand und auf der Basis der eigenen Erfahrung die ganz individuelle Arbeitsorganisation zu entwickeln.

Der Planungsirrtum

Gestern habe ich in meinem Institut einen Vortrag über die häufigsten Denkfehler gehalten, denen wir mit schöner Regelmäßigkeit unterliegen. Dabei wurde mir wieder einmal deutlich, wie irrational wir in vielen Situationen handeln. Mein allerliebster Denkfehler besteht darin, dass ich mir jeden Tag zu viel vornehme. Abends sind für gewöhnlich noch unerledigte Punkte auf meiner To do-Liste übrig. Ein unbefriedigender Zustand! Das Verblüffende daran: Ich scheine nichts daraus zu lernen und setze stur auch am nächsten Tag wieder zu viele Aufgaben auf meine Liste.
Angeblich befinde ich mich mit diesem Planungsirrtum in guter Gesellschaft. Untersuchungen zufolge arbeiten wir nur an jedem 20. Tag unsere Listen vollständig ab. Denn wir unterschätzen systematisch die vielen Störfaktoren, die uns von unseren Aufgaben abhalten.
Ich habe mir jetzt jedenfalls fest vorgenommen, endlich mehr Puffer in den Zeitplan einzubauen. Mal schauen, welche Erfahrungen ich damit mache…

Loslassen und vertrauen

Ich liebe Gärten und bin deswegen alljährlich in den sommerlichen Gärten Englands unterwegs. Natürlich möchte ich daheim in bescheidenem Umfang ebenfalls einen schönen Garten haben und bin bereit, einiges dafür zu tun, dass es so aussieht:

Rose

Allerdings war dieses Jahr der Winter sehr lang und als die Gartensaison begann, war ich beruflich ständig unterwegs. Daher konnte ich mich nicht um die Pflege kümmern, wie ich es gerne getan hätte. Statt dessen habe ich den Garten sich selbst überlassen. Und dabei ist das herausgekommen:

DSCN0821Was hier zu sehen ist, wurde von mir nicht angepflanzt. Wilde Erdbeeren und Glockenblumen sind von wer weiß woher eingewandert. Ich hätte es nicht schöner hinbekommen.

Manchmal lohnt es sich, einfach loszulassen, Vertrauen zu haben und die Dinge ihren Gang gehen zu lassen. Vermutlich machen wir uns alle zuweilen völlig unnötig Stress, weil wir glauben, alles kontrollieren zu müssen.