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Wenn Mitarbeiter die Perspektive wechseln würden…

Der eigene Chef wird nicht selten für Mitarbeiter zum Kündigungsgrund. Beschäftigte sehen mitunter keine Möglichkeit mehr zu einer befriedigenden Kooperation mit ihrem Vorgesetzten. Sie fühlen sich missachtet, ausgebremst, bevormundet, hintergangen etc. Dergleichen wird auf Dauer unerträglich. Bis es dann schließlich zum Jobwechsel kommt, ist viel passiert.

Tatsächlich garantiert aber auch der neue Arbeitsplatz nicht unbedingt eine Besserung. Denn überall sitzen Menschen mit Defiziten auf den Chefsesseln. Das Problem könnte also am neuen Arbeitsplatz eine Fortsetzung erfahren. Vielleicht mit einer anderen Variante… Was tun?

Es ist grundsätzlich immer eine gute Idee, in einem solchen Fall die Perspektive zu wechseln. Denn wer seine Vorgesetzten versteht und ihr Verhalten durchschaut, gewinnt größere Handlungsspielräume und kann im Idealfall sogar in der Beziehung zum Vorgesetzten die Führung übernehmen. Dazu drei Beispiele:

  1. Chef wird man aus unterschiedlichen Gründen, aber nie wegen der eigenen Führungsqualitäten. Die entwickelt man erst später – oder eben gar nicht. Deshalb wird in den meisten Fällen schlichtweg Überforderung die Ursache für Führungsfehler sein. Viele Chefs würden sich kooperativer verhalten, wenn ihnen im Team eine unterstützende statt kritische Haltung entgegengebracht würde. Wer sich überfordert fühlt und zusätzlich kritisiert wird, gerät in Not und kann eben nicht immer angemessen reagieren.
  2. So mancher Vorgesetzte muss seine Führungsaufgabe nebenher erledigen. Er trägt nicht nur die Verantwortung für seine bisherigen Aufgaben, sondern soll zusätzlich nun auch noch die Verantwortung für das ganze Team übernehmen. Es leuchtet ein, dass man unter dieser Belastung wenig Aufmerksamkeit für das Bestätigungsbedürfnis der Mitarbeiter aufbringen kann. Wer also unbedingt vom Chef bestätigt werden will, sollte sich bemerkbar machen und explizit um ein Feedback bitten.
  3. Da man nicht für Einfühlungsvermögen befördert wird, ist es ganz natürlich, dass Chefs oft nicht zuhören, dass sie nicht verstehen, was ihre Mitarbeiter bewegt und nicht angemessen auf sie eingehen. Entweder passt man als Mitarbeiter seine Erwartungen an die Realität an oder findet einen Weg, sich bemerkbar zu machen.

Das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern ist von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt. Das gibt den Mitarbeitern Macht, meist mehr, als ihnen bewusst ist. Es wäre schade, wenn sie vorschnell auf diese Macht verzichten würden, indem sie frustriert das Feld räumen. Weiterlesen

Routine oder Abenteuer?

Jeden Morgen lassen wir unsere beiden Hunde durch die Terrassentür im Speisezimmer in den Garten. Unser Golden Retriever kennt das nun schon seit elf Jahren so. Aber vor einigen Tagen ließ sich die Tür plötzlich nicht mehr öffnen. Der Mechanismus ist defekt und unser Schlosser konnte nicht gleich vorbeikommen. Das ist im Grunde nicht schlimm, denn es gibt noch weitere Terrassentüren, durch die man in den Garten gelangen kann.

Wir haben also eine andere Tür geöffnet und wollten die Hunde hindurch schicken. Aber sie standen wie versteinert vor der defekten Terrassentür und ließen sich nicht abrufen. Die vielen Jahre der Gewohnheit hatten sie blind gemacht für andere Möglichkeiten.

Das war einerseits belustigend, andererseits beunruhigend. Denn ich glaube nicht, dass unsere Hunde sich da sehr von uns Menschen unterscheiden. Routine macht blind. Sie erzeugt eine scheinbare Selbstverständlichkeit und lässt keine anderen Möglichkeiten mehr zu. Wir werden unflexibel und degenerieren zu Automaten. Ab einem gewissen Punkt ist Routine keine Erleichterung mehr, sondern zerstört Lebendigkeit.

Wir haben immer die Wahl, welchen Weg wir einschlagen wollen. Wir können die vertrauten, gewohnten, allseits bekannten Wege gehen oder wir entscheiden uns für Abenteuer. Etwas Neues probieren, schauen, ob man Gewohntes noch verbessern kann, mit Möglichkeiten spielen. Einmal Messer und Gabel vertauschen, einen anderen Weg zur Arbeit fahren, eine ungewohnte Aufgabe übernehmen, eine andere Art von Gespräch führen… Routine ist nicht wegzudenken aus einem funktionierenden Dasein, aber Neugier und Experimente sollten ebenso einen festen Platz in unserem Alltag haben. Ein bisschen Abenteuer jeden Tag, ein wenig Unberechenbarkeit – das hält uns wach und lebendig, macht den Alltag spannend und lehrreich – und hält uns geschmeidig.

Wohltuender Abstand

Ein langer Urlaub ist schön und erholsam – das wird niemand bezweifeln. Aber ich habe kürzlich wieder erfahren, wie wohltuend es sein kann, nur wenige Tage von zu Hause fort zu sein und dabei sogar hart zu arbeiten. Ich habe eine meiner Schwestern besucht und ihr im Garten geholfen. Wir sind jeden Morgen früh aufgestanden, um gleich mit der Arbeit beginnen zu können. Es war eine stupide und anstrengende Arbeit – ein riesiges Beet musste vom Unkraut befreit werden.

Es gab gleich zwei wohltuende Effekte:

  1. Die Arbeit hatte etwas Meditatives und wir haben uns dabei erholt. Da wir zudem den Erfolg sofort sehen konnten, war es ganz leicht, stolz auf die eigene Tüchtigkeit zu sein. Und da die Arbeit überdies recht anstrengend war, haben wir nachts wunderbar schlafen können.
  2. Der Abstand vom Alltag hat mir gut getan. Eine andere Umgebung vermittelt immer neue Eindrücke: So lebt meine Schwester beispielsweise in einer anderen Umgebung, einem anderen sozialen Klima. Das führt dazu, dass ich meine eigene Lebensweise einmal anders betrachten kann und nicht so leichtfertig für selbstverständlich nehme. Und sogar ihren Kaffee kocht meine Schwester anders als ich… Es gibt jede Menge Chancen, sich anregen zu lassen und das eigene Dasein mit neuen Augen zu betrachten.

Abstand vom Gewohnten, vom Alltag – eine Möglichkeit zur Erholung und Bereicherung. Dazu braucht man keinen langen Urlaub, wenige Tage genügen. Für den, der mit offenen Augen und offenem Herzen unterwegs ist, wird der Abstand immer zum Gewinn.