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Der Weihnachtskern

Gestern wurde in einem Radiobeitrag berichtet, worüber Familien zur Weihnachtszeit streiten. Offenbar sind Weihnachtsessen und Weihnachtsdeko nicht selten Anlass für Auseinandersetzungen. Erst habe ich ob dieser Absurdität hellauf gelacht, dann wurde mir beklommen zumute.

In den vergangenen Tagen habe ich unter meinen flüchtigen Bekannten mal ein wenig herumgefragt, wie sie das Fest verbringen. Etliche berichteten mir vom Alleinsein.

Ist es wirklich so beklemmend? Sind wir entweder allein oder streiten unterm Weihnachtsbaum? Das mag ich nicht glauben. So schwer kann das freudvolle Miteinander doch nicht sein?!

Ich für meinen Teil habe meine riesige Familie um mich versammelt. Klar, vor dem Fest wird gearbeitet: Planen, einkaufen, putzen, kochen, backen, schmücken – was halt so dazu gehört. Aber all das ohne jeden Anspruch auf Perfektion (da habe ich doch tatsächlich die Schokotropfen für meine weltbesten Brownies vergessen! Außerdem lässt sich ein Teil der Deko einfach nicht mehr auffinden… Aber egal!). Denn das Wichtigste ist doch das Zusammensein! Darum geht es im Kern: Sich wohlfühlen mit den Menschen, die zu mir gehören. Wir werden gemeinsam eine angenehme und schöne Zeit verbringen – ohne Schokotropfen und diesmal auch ohne die Weihnachtsengel…

Wie sehr sind wir verantwortlich für unser Handeln?

Irgendwann im vergangenen Herbst bin ich mit einer Kursteilnehmerin während der Veranstaltung aneinander geraten. Sie vertrat die feste Überzeugung, man müsse alten Menschen alles nachsehen und dürfe sie nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft ziehen, weil sie ja alt und dem Tod so nahe sind. Ich habe heftig widersprochen. Solange ein erwachsener Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, darf man ihm die Folgen seines Verhaltens zumuten. Wer sich also beispielsweise im hohen Alter sozial unverträglich verhält, muss damit rechnen, dass man seine Gesellschaft meidet. Darin sehe ich nichts Unmoralisches, keinen Mangel an Respekt gegenüber dem Alter. Im Gegenteil: Jemandem allein wegen seines hohen Alters alles nachzusehen, zeugt meiner Ansicht nach von einem Mangel an Respekt. Denn man nimmt den alten Menschen auf diese Weise nicht mehr ernst. Man setzt sich mit ihm nicht mehr auseinander. Damit nimmt man ihm das lebendige Gegenüber. Eine schreckliche Vorstellung!

Ich habe versucht, meiner Teilnehmerin die Absurdität ihrer Haltung aufzuzeigen, indem ich weiter argumentiert habe, wer einem Menschen aufgrund seines Alters alles durchgehen lasse, müsse dann konsequenterweise auch einem körperlich Behinderten alles nachsehen. Und wie furchtbar ich es mir vorstelle, als behinderter Mensch nicht für voll genommen zu werden. An dieser Stelle war die Diskussion dann beendet, denn zufällig war eine der anwesenden Teilnehmerinnen körperlich schwer behindert. Diese Frau wurde danach zu einer treuen Kundin, die viele Male bei meinen Veranstaltungen dabei war. Wir haben uns gut verstanden, auch wenn sie aufgrund einer Störung ihres Sprachzentrums große Mühe hatte, sich zu artikulieren. Wir mochten und respektierten einander.

Heute Nacht hat mich ein gemeinsamer Bekannter informiert, dass sie unerwartet gestorben ist. Ich bin sehr traurig darüber aber auch sehr froh, sie gekannt zu haben.

Die Not der Täter

Als meine Kinder noch klein waren, gerieten einmal zwei von ihnen in einen heftigen Streit. Er endete damit, dass eines von ihnen einem anderen einen Bauklotz gegen den Kopf schleuderte. Beide Kinder weinten anschließend laut. Ich ging hin, um sie zu trösten, wobei ich mich besonders um die „Täterin“ kümmerte. Meine Schwester war zufällig dabei und missbilligte mein Verhalten. Sie meinte, ich müsse mich vor allem um das Kind mit der Beule am Kopf kümmern, statt um das gewalttätige Geschwisterkind.

Diese Woche hatte ich eine vergleichbare Situation im Coaching: Zwei Menschen, die einander nahe stehen, kommen nicht miteinander zurecht und es besteht eine große Gefahr, dass der eine von beiden gewalttätig werden könnte. Was tun?

Meiner Erfahrung nach bringen in solch einer Situation Argumente gar nichts. Es hat auch keinen Sinn, dem potentiellen Täter mit Konsequenzen zu drohen. Die Gewalt ist ein Symptom größter Hilflosigkeit. Der Täter hat einen Punkt erreicht, wo er sich in höchster Not befindet und nur noch sein Bedürfnis wahrnehmen kann. Argumente oder Konsequenzen sind ihm in diesem Moment egal. Er wird sich nicht darauf einlassen können. Also sollte man statt dessen auf sein übermächtiges Bedürfnis eingehen, ihm  aufzeigen, was er tun kann, um sein Bedürfnis gewaltfrei zu befriedigen. Und man sollte sich nicht einbilden, „so etwas“ könne einem selbst nie passieren. Ich bin überzeugt, dass jeder von uns an einen Punkt gelangen kann, an dem er aus Verzweiflung gewaltbereit ist.

Warum ich mich damals besonders liebevoll um die kleine „Täterin“ gekümmert habe, ist leicht zu erklären: Das „Opfer“ hatte nur eine Beule, die „Täterin“ jedoch war gleich aus zweierlei Gründen verzweifelt: Zum einen, weil sie ihr Bedürfnis nicht befriedigen konnte und zum anderen, weil sie gewalttätig geworden war und sich deshalb schuldig fühlte. Sie war eindeutig bedürftiger.

 

Fröhliche Weihnachten!

004Kürzlich wurde ich in einem Interview gefragt, wie man denn dem familiären Weihnachtsstress entgegen wirken könne. Die Frage hat mich überrascht und ich fürchte, meine Antwort kam recht zögerlich, denn das Thema ist mir persönlich fremd.

Natürlich kenne ich die mit dem Weihnachtsfest verbundene Arbeitsbelastung (hier hilft tatsächlich nur ein gutes Zeitmanagement, was mir mal mehr und mal weniger gelingt). Aber familiären Stress kenne ich seit gut einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Dafür gibt es zwei Gründe:

Zum einen habe ich mich (zugegeben: erst nach einigen Enttäuschungen) damit abgefunden, dass die perfekte Weihnacht nur in der Werbung und in amerikanischen Spielfilmen existiert. Überall sonst geht es lebendig zu. Meine Erwartungen habe ich also an die Realität angepasst. Zum anderen klären wir in unserer großen Familie rechtzeitig Wünsche und Erwartungen. Bedürfnisse ändern sich, weshalb kein Weihnachtsfest genau wie das vorangegangene abläuft. Das geht natürlich auf Kosten liebgewonnener Rituale. Dafür ersparen wir uns aber gereizte Stimmung, aufgesetzte Feierlichkeit und pflichtschuldigst zusammengebissene Zähne. Statt dessen herrscht gegenseitige Toleranz und die weihnachtliche Atmosphäre ist authentisch: Man darf sogar laut sagen, wenn man ein Geschenk nicht mag. Das Miteinander gestaltet sich sehr entspannt und oft wird viel gescherzt und gelacht. Ich liebe Weihnachten mit meiner großen Familie!

Strategisch statt impulsiv!

Seit einiger Zeit schon habe ich es mit einem inkompetenten Kooperationspartner zu tun, der mir mit unprofessionellem Verhalten Schwierigkeiten bereitet. Ich bin leider in gewissem Umfang auf ihn angewiesen und er kann mir mit seinem Verhalten durchaus geschäftlichen Schaden zufügen. Was also tun?

Das Problem ist auch anderen aufgefallen und ich erhielt dazu folgende Ratschläge:

  1. „Sag ihm mal ordentlich die Meinung!“ – Keine gute Idee, denn damit würde ich nur einen Konflikt schaffen, aber weder seine Kompetenz noch seine Kooperationsbereitschaft fördern.
  2. „Beschwer dich doch bei seinem Chef!“ – Auch keine gute Idee, denn das Ergebnis wäre wahrscheinlich dasselbe: zur Inkompetenz käme dann noch seine Wut auf mich.

Ich käme in dieser Sache also nicht weit, wenn ich meinem Ärger impulsiv Luft machen würde. Im Grunde ist es auch nicht erforderlich, überhaupt einen der Beteiligten meinen Ärger spüren zu lassen. Es genügt vollkommen, dass ich selbst klar erkenne, was los ist. Und dann gut nachdenke: Was kann ich tun, um mir selbst zu helfen? Es  geht sicher nicht darum, meinen  ungeliebten Kooperationspartner zu bestrafen.

Inzwischen habe ich die Sache im Griff: Durch freundliche und sehr konkrete Bitten steuere ich das Verhalten meines inkompetenten Gegenübers. Ich ermutige, bin geduldig, hartnäckig und zeige mich dankbar, wenn es dann schließlich funktioniert. Klar ist das manchmal anstrengend – aber es ist das Beste, was mir dazu einfällt. Die Geschichte erinnert mich an einen Spruch von Theodor Storm:

Man muss das Leben aus dem Holz schnitzen, das man zur Verfügung hat.

Kooperation statt Konflikt

Am Wochenende gab es mehrere Veranstaltungen bei mir im Institut und es wurden alle verfügbaren Parkplätze dringend gebraucht. Um so ärgerlicher war ich, als ich bei meiner Ankunft mehrere Falschparker vorfand, die meine Kundenparkplätze belegten. Eine Fahrerin hatte ihren Wagen sogar so ungeschickt abgestellt, dass gleich zwei Parkplätze besetzt waren. Sie wurde kurz darauf von einem meiner Kunden eingeparkt. Er nahm an, es handle sich um das Fahrzeug eines anderen Veranstaltungsteilnehmers und sie würden später zeitgleich wegfahren. Da bis zum Beginn der Veranstaltung noch reichlich Zeit war, ging er für ein paar Besorgungen in die Stadt .

Als nun die Falschparkerin zu ihrem Wagen zurückkehrte, konnte sie nicht wegfahren. Sie wartete ein Weilchen und betrat dann mein Institut, um sich nach dem Fahrer des Wagens zu erkundigen, der sie eingeparkt hatte. Ich erklärte ihr, er werde voraussichtlich in den nächsten zwanzig Minuten wiederkommen und lud sie ein, so lange bei mir zu warten. Sie nahm die Einladung an und erkundige sich, welche Veranstaltung denn stattfinden würde – das Ende der Geschichte war, dass sie den ganzen Nachmittag blieb, die Veranstaltung genoss und ich eine sympathische neue Kundin gewonnen hatte.

Die Sache hätte auch ganz anders ausgehen können, wir hatten schließlich beide Grund zum Ärger: ich, weil sie widerrechtlich auf meinem Grundstück geparkt hatte und sie, weil sie eingeparkt worden war und festsaß. Hätten wir uns aggressiv verhalten, wäre es nie zu dieser für beide Seiten angenehmen Kooperation gekommen.

Fazit: Wer seine Gefühle im Griff hat, gewinnt!

Ich bestimme!

Diese Woche habe ich Gartenabfälle zum Wertstoffhof in Königstein gebracht. Wegen des schönen Wetters herrschte dort ungewöhnlich viel Betrieb. Es gab kaum genug Platz für all die Autos. Menschen und Fahrzeuge waren einander im Weg, es ging ziemlich chaotisch zu. Man brauchte Nachsicht und ein bisschen Geduld. Dazu war nicht jeder der Beteiligten in der Lage, sodass sich Ungeduld und Aggressivität einstellten. Es wurde gehupt und gedrängelt. Plötzlich sprach mich ein Mann mittleren Alters an, dem es nicht gefiel, wie ich geparkt hatte (beim Hineinfahren war es die einzige Parkmöglichkeit für mich gewesen). Er gab sich ausgesprochen unhöflich, geradezu unverschämt. Natürlich war ich über sein Verhalten empört. Ich hatte jetzt verschiedene Möglichkeiten:
Ich hätte entsprechend harsch reagieren können. Da ich Schlagfertigkeit unterrichte, bin ich selten um eine Antwort verlegen. Aber was hätte sich daraus ergeben? Höchstwahrscheinlich ein heftiger Streit. Für keinen von uns wäre Gewinn daraus entstanden, dafür hätte ich aber Zeit verloren und Energie. Ich beschloss, dass ich das nicht wollte.
Darum wählte ich eine andere Möglichkeit: Ich wies seine Vorwürfe ruhig und freundlich zurück und parkte mein Fahrzeug ohne Eile um. Die Unfreundlichkeit meines Gegenübers nahm ich wahr als sein Problem, die chaotische Situation auszuhalten. Sie hatte mit mir nichts zu tun und ich war nicht gewillt, mir von diesem Mann einen Konflikt aufzwingen zu lassen. Wann ich mich mit wem worüber streite, das bestimme ich!

Grund zum Ärgern?

Kürzlich hat sich eine gute Freundin per E-Mail bei mir gemeldet, um ein Treffen zu vereinbaren. Ich habe mich über ihre Nachricht sehr gefreut und ihr einen Terminvorschlag gemacht (ebenfalls per E-Mail). Allerdings hat sie dann bis zum betreffenden Tag nichts mehr von sich hören lassen. Ich wusste also nicht, ob sie vorhatte, mich zu treffen oder nicht. Erst stieg Ungeduld in mir auf („Warum meldet sie sich denn nicht? Sie hätte doch genügend Zeit dafür gehabt!“). Danach stellte sich Ärger ein: „Ganz schön rücksichtslos, mich im Ungewissen zu lassen!“
Dann fiel mir etwas auf: Ich hatte mich in die Opferrolle begeben und der Ärger war hausgemacht. Nun ist Ärger mit Sicherheit ein ziemlich ungesundes Gefühl. Also weg damit! Und wie? Indem ich wieder Regie übernehme statt mich passiv zu verhalten. Ich sah drei Möglichkeiten:

  1. Anrufen und nachfragen.
  2. Den Tag nach meinen eigenen Bedürfnissen planen und nicht länger warten.
  3. Die eigenen Gedanken in Frage stellen. Rücksichtslosigkeit als Ursache war eine Unterstellung, für die ich keine Beweise hatte. Da hätten auch viele andere Ursachen im Spiel sein können (Krankheit, Arbeitsüberlastung, ein Fehler in der Technik usw.).

Auf diese Weise geht es mir besser. Und die Freundschaft wird nicht leichtfertig mit Vorwürfen belastet.