Profil zeigen!

Zu meinem Profil gehört das Engagement für mehr Arbeitsfreude. Ich setze mich auf vielerlei Weise dafür ein, dass Menschen Wege finden, ihre Arbeit zu genießen. Und ich kenne zahlreiche Wege, auf denen das funktioniert. Ich selbst liebe meine Arbeit, arbeite viel und gerne. Ich kenne auch die wissenschaftlichen Untersuchungen, die erklären können, warum Arbeit grundsätzlich wichtig für unsere Psyche ist. Daher stehe ich erkennbar für ein erfüllteres Arbeitsleben. Meine Überzeugung, dass wir bewusster und mit mehr Begeisterung arbeiten könnten, macht mich angreifbar, weil ich meine Haltung auch öffentlich mache. Ich zeige ein klares Profil, und wer Profil zeigt, macht sich unweigerlich angreifbar.

Natürlich ist es nicht schön, angegriffen zu werden. Nicht jeder Angreifer argumentiert sachlich. Die Angelegenheit wird schnell persönlich. Das muss man aushalten und manche Kritik einfach abschütteln können. Denn was wäre die Alternative?

Wir brauchen doch Menschen, die für etwas stehen! Es kann nicht darum gehen, dass wir tagsüber unsere Arbeitszeit absitzen, stets mit Blick auf die Uhr, und dann am Feierabend unser Vergnügen suchen. Solch eine Existenz erscheint mir leer. Wir sind hier, um das Leben zu gestalten, uns einzubringen. Ich liebe diesen Satz von Karlfried Graf Dürckheim: „Es steht der Mensch in einem doppelten Auftrag: Die Welt zu gestalten im Werk und zu reifen auf dem inneren Weg.“

Und genau das wünsche ich mir: Mehr Menschen, die gestalten und Ideen haben, Menschen die erkennbar für etwas stehen, sich einsetzen, ein deutliches Profil zeigen – wir haben schon viel zu viele, die unsichtbar sind, weil sie funktionieren und gehorchen…

 

„Authentisch“ ist kein Luxus

In der Arbeitswelt scheint Verstellung zum Alltag zu gehören. Man hat den Eindruck, als wäre Unaufrichtigkeit Teil der beruflichen Rolle. Selbstverständlich ist es nicht ratsam, sich hemmungslos gehen zu lassen und das eigene Verhalten blindlings von Impulsen bestimmen zu lassen. Dennoch sollten wir uns selbst treu bleiben – egal, was kommt.

Denn Verstellung ist anstrengend und gefährlich. Anstrengend, weil wir ständig etwas in uns unterdrücken müssen, wenn wir nicht authentisch agieren. Nicht sagen zu dürfen, was man denkt, etwas darzustellen, was man nicht ist – das macht einen enormen Energieaufwand erforderlich. Diese Energie fehlt dann anderswo und kann beispielsweise nicht der Arbeit zugutekommen. Zudem gelingt das Schauspiel nicht zuverlässig. Denn ohne dass wir es bemerken, entschlüpfen uns verräterische Signale. Unkontrollierte Mimik, ein kleines Zögern im entsprechenden Augenblick, die falsche Stimmlage, die nicht zur Aussage passt – diese und ähnliche Signale werden uns unweigerlich früher oder später verraten. Sie wirken auf die Umgebung mitunter sehr irritierend, weil Aussagen und Körpersprache nicht zusammenpassen.

Gefährlich ist die Verstellung vor allem deshalb, weil wir uns selbst fremd werden, wenn wir zu oft eine Rolle spielen. Da wir erst gar nicht mehr danach fragen, was wir wirklich fühlen und wollen, sondern nur noch damit beschäftigt sind, unsere Rolle so gut wie möglich auszufüllen, verlieren wir uns selbst aus dem Blick. Dann ist es nicht mehr möglich, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und gut für sich selbst zu sorgen. Manch einer fühlt sich unzufrieden und innerlich leer, ohne recht zu wissen, warum.

Wir sollten uns also treu bleiben. Für konfliktträchtige Situationen empfehle ich soziales Geschick und die Kunst der Diplomatie. So ist nicht nur gewährleistet, dass unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse Berücksichtigung finden können, sondern wir sind auch eher in der Lage, eigene Ideen und Werte in die Arbeit einzubringen. Und das kann zu einem Gewinn für alle Beteiligten werden.

Die Mär vom richtigen Moment

Wann ist der richtige Moment für eine weitreichende Entscheidung? Wie erkennt man z.B., dass es Zeit ist, eine Familie zu gründen oder den Job zu wechseln? Wie lange soll man in einer unbefriedigenden Situation verharren und wann ist der Zeitpunkt gekommen, endlich einmal Tacheles zu reden? Vermutlich hat jeder von uns schon irgendwann auf den passenden Moment gewartet und wir alle wissen, wie schwer es sein kann, ihn zu finden.

Manchmal hält die Mär vom richtigen Zeitpunkt uns davon ab, überhaupt zu handeln und etwas zu verändern. Wir warten auf den perfekten Moment, aber er kommt nicht. Denn es gibt wohl kaum eine Entscheidung, die völlig frei von Ambivalenzen ist. So sehr wir auch etwas verändern möchten – immer scheint etwas dagegen zu sprechen, dass wir es wirklich tun. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich in den letzten Jahren in der Beratung hatte, weil sie entscheidungsunfähig waren… Sie wussten, dass sie etwas ändern wollten und warteten auf den perfekten Moment.

Warum haben wir solche Angst, einfach mal zu tun, wonach uns der Sinn steht? Warum zögern wir so lange? Der Grund liegt wohl darin, dass wir solche Angst davor haben, das Vertraute aufzugeben ohne etwas Besseres dafür zu bekommen. Wir fürchten den Verlust und warten deshalb auf den Moment, zu dem der Tausch „Altes gegen Neues“ zu einem sicheren Geschäft wird. Aber dafür gibt es niemals eine Garantie. Denn jede unserer Entscheidungen basiert zwangsläufig auf Unwägbarkeiten. Alles, was wir tun und entscheiden, ist riskant, auch das Verharren.

Den perfekten Moment für eine Veränderung gibt es nicht. Unsicherheiten und Unwägbarkeiten werden uns ein Leben lang begleiten, in jedem Bereich unseres Lebens. Wir sollten uns am besten von der Vorstellung verabschieden, dass es darauf ankommt, alles richtig zu machen und dass eine „falsche“ Entscheidung einer Katastrophe gleichkommt. Denn das stimmt so nicht. Es kommt nicht darauf an, immer richtig zu entscheiden, sondern darauf, lebendig zu sein, Erfahrungen zu machen, im Leben nicht stehenzubleiben. Jede „falsche“ Entscheidung bringt eine Menge neuer Erfahrungen mit sich und lässt uns reifen. Wir fühlen uns lebendig, wir erleben etwas, wir entwickeln uns weiter. Das alles ist im höchsten Maße lustvoll – sogar dann, wenn die Entscheidung „falsch“ war. Im Leben geht es darum, unterwegs zu sein, statt in Sicherheit und Berechenbarkeit zu verharren. Wer Entscheidungen trifft, wird unvermeidlich „Fehler“ machen, das heißt, er erzeugt unerwünschte Effekte. Das gehört dazu, wenn man wahrhaft lebendig sein will..

Tür zu!

Wir genießen so viel Freiheit wie nie zuvor in der menschlichen Geschichte. Jeden Tag stehen uns unermesslich viele Möglichkeiten offen, es gibt unzählige attraktive Optionen. Doch auch wenn die Alternativen grenzenlos sind, unsere Lebenszeit ist es nicht. Wir sind gezwungen, zu wählen und zu entscheiden, welche der Möglichkeiten wir nutzen wollen.

Das ist schwer. Denn mit jeder Entscheidung, die wir FÜR etwas treffen, entscheiden wir fast immer auch GEGEN eine oder mehrere attraktive Alternativen. Das fühlt sich oftmals nicht gut an, weshalb wir bemüht sind, uns so viele Optionen wie möglich offen zu halten. Und genau damit tun wir uns nichts Gutes. Denn wer sich alle Optionen bewahren will, findet keine Orientierung und kann seine Energien nicht bündeln. Er verliert sich schnell im Dickicht der Alternativen.

Wir kommen um Entscheidungen nicht herum: Welche Türen wollen wir offen lassen und welche wollen wir schließen? Bei dieser Frage geht es um Lebensgestaltung. Wir können nicht alles sein, tun und haben. Wie ein Bildhauer Überschüssiges abschlägt, damit sein Kunstwerk hervortreten kann, so müssen auch wir bereit sein, uns von Überflüssigem zu befreien. Nur so kann das Wesentliche in unserem Leben Gestalt gewinnen. Wir modellieren unser Leben aus der Masse der Möglichkeiten heraus.

Es kann schmerzlich sein, eine Tür für immer zuzuschlagen und zu entscheiden, dass der eigene Weg an dieser Möglichkeit vorbeiführen soll. Aber keiner von uns wird genug Zeit haben, um all das Schöne und Bereichernde in dieser Welt genießen zu können. Wir müssen uns auf ein paar Dinge beschränken und diese dann intensiv nutzen und auskosten. Wir alle müssen uns entscheiden, wie wir leben wollen und welchen Dingen/Situationen/Menschen wir in unserem Leben einen Platz geben wollen. Wer sich klug entscheidet, wird seine Erfüllung finden. Dann gibt es kein Bedauern wegen all der ungenutzten Möglichkeiten. Denn das eigene Leben ist ja reich – und mehr als Erfüllung geht ohnehin nicht.

Falsch entschieden? Macht nix!

Wir neigen in unserer Gesellschaft fast alle ein wenig zum Perfektionismus. Wir wollen alles möglichst gut machen. Dazu gehört auch die Angst vor falschen Entscheidungen. Wir wollen keine Entscheidung bereuen müssen. Ich beobachte beispielsweise jedes Jahr aufs Neue die Angst der Eltern, beim Schulwechsel ihrer Kinder etwas anderes als die allerbeste Schule auszusuchen. Im beruflichen Coaching bin ich laufend mit den Entscheidungsnöten meiner Kunden konfrontiert. Man will ja nichts falsch machen.

Natürlich sind Leichtfertigkeit oder gar Tollkühnheit nicht empfehlenswert. Aber die ewige Angst vor Fehlentscheidungen kostet unendlich viel Energie und führt zuweilen sogar zu einer Lähmung. „Soll ich beim Meeting meine Meinung sagen oder vorsichtshalber still bleiben?“ ist ein Beispiel dafür. Wer aus Angst vor Gegenwind lieber nichts sagt, hat keinen Einfluss auf das Geschehen und muss dann mit den Entscheidungen der anderen leben. Und dem Bewusstsein, feige gehandelt zu haben. Und er wird nie wissen, was passiert wäre, wenn er den Mund aufgemacht und Stellung bezogen hätte.

Ich plädiere deshalb für mehr Risikobereitschaft. Eine Prise Abenteuerlust. Wir müssen nicht alles richtig entscheiden. Wir machen ohnehin unvermeidlich Fehler. Das ist nicht so gefährlich wie die meisten von uns glauben. Denn auch nach einem Fehler geht es immer weiter. Manche Fehlentscheidungen lassen sich sogar revidieren. Aus Fehlentscheidungen geht man klüger hervor. Aus Fehlern entsteht regelmäßig auch etwas Gutes, denn nichts ist eindeutig. Wir müssen nur unseren Blick für das Gute im Schlechten schärfen.

Wer im Leben vorankommen will, muss auf jeden Fall bereit sein, seine Fehlerquote deutlich zu erhöhen. Dazu gehören ganz sicher auch Fehlentscheidungen.

Beharrlich und flexibel

Auf Facebook habe ich kürzlich den Satz gelesen: „Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals das Ziel.“

Was wie Entschlossenheit und Stärke daherkommt, ist in Wirklichkeit eine Dummheit. Denn es stimmt zwar, dass Beharrlichkeit eine unverzichtbare Eigenschaft darstellt, wenn man große und lohnende Ziele verwirklichen will. Ich mag dieses Zitat von Calvin Coolidge, und es beeindruckt mich immer wieder aufs Neue: „Nothing in this world can take the place of persistence. Talent will not; nothing is more common than unsuccessful men with talent. Genius will not; unrewarded genius is almost a proverb. Education will not; the world is full of educated failures. Persistence and determination alone are omnipotent.“

Das sind starke Worte. Und dennoch: Beharrlichkeit kann sehr gefährlich werden, wenn blinde Sturheit daraus wird. Denn neben der Beharrlichkeit brauchen wir Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auch reizvolle Ziele aufzugeben. Weil wir unterwegs feststellen, dass der Preis zu hoch ist; oder dass wir das Ziel falsch eingeschätzt haben; oder dass wir uns selbst falsch eingeschätzt haben. Auch Ziele haben ein Verfallsdatum… Hinzu kommt, dass wir nicht allmächtig sind. Manchmal können wir bestimmte Ziele nicht erreichen, weil sie nicht im Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Für Ziele gilt (wie für anderes auch) das Prinzip des Sowohl-als auch: Wir brauchen sowohl Beharrlichkeit, um ehrgeizige Ziele zu erreichen als auch die nötige Flexibilität, um ein Ziel aufzugeben, sobald wir merken, dass es nicht stimmig ist.

Information oder Intuition?

Diese Woche war ich mit einer Aufgabe konfrontiert, die mich zunächst völlig überforderte. Was tun? Natürlich erst einmal Informationen sammeln. Davon gibt es reichlich. Vor allem das Internet ist eine unerschöpfliche Fundgrube. Hinzu kommen all die Menschen, die bereitwillig Tipps geben und eigene Erfahrungen beisteuern können. An Informationsmaterial herrscht nun wirklich kein Mangel.

Das Ergebnis: Eine Nacht mit sehr wenig Schlaf. Die Angst, Fehler zu machen und Schaden anzurichten. Zweifel an meinen Informationsquellen. Es stimmt nämlich nicht, dass viele Informationen automatisch zu guten Entscheidungen führen. In meinem Fall gab es widersprüchliche Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Ich war erst einmal irritiert.

Schließlich habe ich intuitiv entschieden und scheine damit richtig zu liegen. Jedenfalls hat sich der gewünschte Erfolg eingestellt. Mein Fazit:

  1. Experten sind nicht so schlau und vertrauenswürdig, wie man glauben möchte.
  2. Die eigene Verwirrung lässt sich mit der Zahl der Informationen steigern.
  3. Ein Mehr an Informationen ist kein Garant für bessere Entscheidungen.
  4. Intuitive Entscheidungen können den rational getroffenen Entscheidungen durchaus überlegen sein.
  5. Manchmal muss man einfach etwas wagen.

 

Routine oder Abenteuer?

Jeden Morgen lassen wir unsere beiden Hunde durch die Terrassentür im Speisezimmer in den Garten. Unser Golden Retriever kennt das nun schon seit elf Jahren so. Aber vor einigen Tagen ließ sich die Tür plötzlich nicht mehr öffnen. Der Mechanismus ist defekt und unser Schlosser konnte nicht gleich vorbeikommen. Das ist im Grunde nicht schlimm, denn es gibt noch weitere Terrassentüren, durch die man in den Garten gelangen kann.

Wir haben also eine andere Tür geöffnet und wollten die Hunde hindurch schicken. Aber sie standen wie versteinert vor der defekten Terrassentür und ließen sich nicht abrufen. Die vielen Jahre der Gewohnheit hatten sie blind gemacht für andere Möglichkeiten.

Das war einerseits belustigend, andererseits beunruhigend. Denn ich glaube nicht, dass unsere Hunde sich da sehr von uns Menschen unterscheiden. Routine macht blind. Sie erzeugt eine scheinbare Selbstverständlichkeit und lässt keine anderen Möglichkeiten mehr zu. Wir werden unflexibel und degenerieren zu Automaten. Ab einem gewissen Punkt ist Routine keine Erleichterung mehr, sondern zerstört Lebendigkeit.

Wir haben immer die Wahl, welchen Weg wir einschlagen wollen. Wir können die vertrauten, gewohnten, allseits bekannten Wege gehen oder wir entscheiden uns für Abenteuer. Etwas Neues probieren, schauen, ob man Gewohntes noch verbessern kann, mit Möglichkeiten spielen. Einmal Messer und Gabel vertauschen, einen anderen Weg zur Arbeit fahren, eine ungewohnte Aufgabe übernehmen, eine andere Art von Gespräch führen… Routine ist nicht wegzudenken aus einem funktionierenden Dasein, aber Neugier und Experimente sollten ebenso einen festen Platz in unserem Alltag haben. Ein bisschen Abenteuer jeden Tag, ein wenig Unberechenbarkeit – das hält uns wach und lebendig, macht den Alltag spannend und lehrreich – und hält uns geschmeidig.

Frühe Verletzungen

Vor ein paar Tagen habe ich vor größerem Publikum einen Vortrag zum Thema „Erfolgsfaktor Selbstvertrauen“ gehalten. Dabei wollte ich wissen, wer von meinen Zuhörern als Kind irgendwann einmal geschlagen oder angeschrieen worden war. Es blieb kaum ein Arm unten…

Vermutlich hat jeder von uns schon den Satz gehört: „So ein Klaps hat noch niemandem geschadet!“   Aber das stimmt einfach nicht!!! Denn wenn ein Kind geschlagen oder „nur“ verbal niedergemacht wird, empfängt es damit eine deutliche Botschaft. Sie lautet: „Du bist nicht in Ordnung!“ Je jünger das Kind ist, desto bereitwilliger glaubt es dem Erwachsenen diese Botschaft.

Die Folgen sind verheerend und reichen weit über die jeweilige Situation hinaus. Sie können eine lebenslange Wirkung entfalten. Die Betroffenen schlagen sich auf unterschiedlichste Art mit dem Schmerz herum, den das Bewusstsein der vermeintlichen Minderwertigkeit hervorruft. Sie tun auf unterschiedlichste Weise alles, um nur diesen Schmerz nicht spüren zu müssen. Sie fokussieren unbewusst auf die Schmerzvermeidung und nicht auf das Leben.Das hindert sie daran, jemals wirklich lebendig zu sein, das Leben zu umarmen, lustvoll Abenteuer zu suchen und tiefe Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen.

Wir können nichts dafür, dass man uns entwertet hat, als wir noch jung und anderen ausgeliefert waren. Aber wir müssen die Folgen nicht ein Leben lang als selbstverständlich hinnehmen. Wir können unser Selbstwertgefühl aufbauen und stärken, evtl. auch mit professioneller Hilfe. Es sollte unsere vornehmste Aufgabe sein, uns zu voller Größe aufzurichten und die beste Person zu werden, die wir sein können.

Von lästigen Besuchern

Kürzlich hatte ich eine Kundin mit einem verbreiteten Problem: Sie plagt sich mit irrationalen Grübeleien herum. Immer wieder drängen sich ihr Gedanken auf, die bewirken, dass sie sich wertlos fühlt. Ihr Verstand sagt ihr, wie unsinnig das ist und dass sie keinen Grund hat, derart an sich zu zweifeln. Und dennoch: Es hört einfach nicht auf.

Solch tief sitzende Selbstzweifel haben in der Regel ihren Ursprung in der persönlichen Vergangenheit. Andauernde Entwertungen, eine besonders entmutigende Erfahrung – das kann uns so sehr zusetzen, dass wir fortan beständig an uns zweifeln. Geraten wir dann in eine Situation, die an die Vergangenheit erinnert und ihr ähnelt, sind mit einem Schlag die quälenden Selbstzweifel wieder da. Es ist wie ein Reflex. Auch wenn wir noch so vernünftig denken und uns sagen, dass diese Selbstzweifel nicht zur aktuellen Situation passen – sie stellen sich hartnäckig immer wieder ein.

Dagegen hilft aber eine Strategie: Wir können zwar nicht verhindern, dass selbstentwertende Gedanken entstehen, aber wir können sehr wohl entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Ich empfehle, diese Gedanken gelassen zu registrieren wie einen lästigen Besucher: Man hört ihn zwar klingeln, aber man öffnet ihm einfach nicht die Tür. So können wir auch mit unseren unproduktiven und selbstzerstörerischen Gedanken verfahren. Wir sollten sie registrieren, wenn sie sich bemerkbar machen, aber sie nicht allzu ernst nehmen. Wir können ihnen mit Gleichmut begegnen, sie vorbeiziehen lassen und uns auf produktivere Gedanken konzentrieren. Mit der Zeit werden die Selbstzweifel schwächer und durch positivere Gedanken ersetzt.