Beharrlich und flexibel

Auf Facebook habe ich kürzlich den Satz gelesen: „Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals das Ziel.“

Was wie Entschlossenheit und Stärke daherkommt, ist in Wirklichkeit eine Dummheit. Denn es stimmt zwar, dass Beharrlichkeit eine unverzichtbare Eigenschaft darstellt, wenn man große und lohnende Ziele verwirklichen will. Ich mag dieses Zitat von Calvin Coolidge, und es beeindruckt mich immer wieder aufs Neue: „Nothing in this world can take the place of persistence. Talent will not; nothing is more common than unsuccessful men with talent. Genius will not; unrewarded genius is almost a proverb. Education will not; the world is full of educated failures. Persistence and determination alone are omnipotent.“

Das sind starke Worte. Und dennoch: Beharrlichkeit kann sehr gefährlich werden, wenn blinde Sturheit daraus wird. Denn neben der Beharrlichkeit brauchen wir Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auch reizvolle Ziele aufzugeben. Weil wir unterwegs feststellen, dass der Preis zu hoch ist; oder dass wir das Ziel falsch eingeschätzt haben; oder dass wir uns selbst falsch eingeschätzt haben. Auch Ziele haben ein Verfallsdatum… Hinzu kommt, dass wir nicht allmächtig sind. Manchmal können wir bestimmte Ziele nicht erreichen, weil sie nicht im Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Für Ziele gilt (wie für anderes auch) das Prinzip des Sowohl-als auch: Wir brauchen sowohl Beharrlichkeit, um ehrgeizige Ziele zu erreichen als auch die nötige Flexibilität, um ein Ziel aufzugeben, sobald wir merken, dass es nicht stimmig ist.

Information oder Intuition?

Diese Woche war ich mit einer Aufgabe konfrontiert, die mich zunächst völlig überforderte. Was tun? Natürlich erst einmal Informationen sammeln. Davon gibt es reichlich. Vor allem das Internet ist eine unerschöpfliche Fundgrube. Hinzu kommen all die Menschen, die bereitwillig Tipps geben und eigene Erfahrungen beisteuern können. An Informationsmaterial herrscht nun wirklich kein Mangel.

Das Ergebnis: Eine Nacht mit sehr wenig Schlaf. Die Angst, Fehler zu machen und Schaden anzurichten. Zweifel an meinen Informationsquellen. Es stimmt nämlich nicht, dass viele Informationen automatisch zu guten Entscheidungen führen. In meinem Fall gab es widersprüchliche Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Ich war erst einmal irritiert.

Schließlich habe ich intuitiv entschieden und scheine damit richtig zu liegen. Jedenfalls hat sich der gewünschte Erfolg eingestellt. Mein Fazit:

  1. Experten sind nicht so schlau und vertrauenswürdig, wie man glauben möchte.
  2. Die eigene Verwirrung lässt sich mit der Zahl der Informationen steigern.
  3. Ein Mehr an Informationen ist kein Garant für bessere Entscheidungen.
  4. Intuitive Entscheidungen können den rational getroffenen Entscheidungen durchaus überlegen sein.
  5. Manchmal muss man einfach etwas wagen.

 

Routine oder Abenteuer?

Jeden Morgen lassen wir unsere beiden Hunde durch die Terrassentür im Speisezimmer in den Garten. Unser Golden Retriever kennt das nun schon seit elf Jahren so. Aber vor einigen Tagen ließ sich die Tür plötzlich nicht mehr öffnen. Der Mechanismus ist defekt und unser Schlosser konnte nicht gleich vorbeikommen. Das ist im Grunde nicht schlimm, denn es gibt noch weitere Terrassentüren, durch die man in den Garten gelangen kann.

Wir haben also eine andere Tür geöffnet und wollten die Hunde hindurch schicken. Aber sie standen wie versteinert vor der defekten Terrassentür und ließen sich nicht abrufen. Die vielen Jahre der Gewohnheit hatten sie blind gemacht für andere Möglichkeiten.

Das war einerseits belustigend, andererseits beunruhigend. Denn ich glaube nicht, dass unsere Hunde sich da sehr von uns Menschen unterscheiden. Routine macht blind. Sie erzeugt eine scheinbare Selbstverständlichkeit und lässt keine anderen Möglichkeiten mehr zu. Wir werden unflexibel und degenerieren zu Automaten. Ab einem gewissen Punkt ist Routine keine Erleichterung mehr, sondern zerstört Lebendigkeit.

Wir haben immer die Wahl, welchen Weg wir einschlagen wollen. Wir können die vertrauten, gewohnten, allseits bekannten Wege gehen oder wir entscheiden uns für Abenteuer. Etwas Neues probieren, schauen, ob man Gewohntes noch verbessern kann, mit Möglichkeiten spielen. Einmal Messer und Gabel vertauschen, einen anderen Weg zur Arbeit fahren, eine ungewohnte Aufgabe übernehmen, eine andere Art von Gespräch führen… Routine ist nicht wegzudenken aus einem funktionierenden Dasein, aber Neugier und Experimente sollten ebenso einen festen Platz in unserem Alltag haben. Ein bisschen Abenteuer jeden Tag, ein wenig Unberechenbarkeit – das hält uns wach und lebendig, macht den Alltag spannend und lehrreich – und hält uns geschmeidig.

Frühe Verletzungen

Vor ein paar Tagen habe ich vor größerem Publikum einen Vortrag zum Thema „Erfolgsfaktor Selbstvertrauen“ gehalten. Dabei wollte ich wissen, wer von meinen Zuhörern als Kind irgendwann einmal geschlagen oder angeschrieen worden war. Es blieb kaum ein Arm unten…

Vermutlich hat jeder von uns schon den Satz gehört: „So ein Klaps hat noch niemandem geschadet!“   Aber das stimmt einfach nicht!!! Denn wenn ein Kind geschlagen oder „nur“ verbal niedergemacht wird, empfängt es damit eine deutliche Botschaft. Sie lautet: „Du bist nicht in Ordnung!“ Je jünger das Kind ist, desto bereitwilliger glaubt es dem Erwachsenen diese Botschaft.

Die Folgen sind verheerend und reichen weit über die jeweilige Situation hinaus. Sie können eine lebenslange Wirkung entfalten. Die Betroffenen schlagen sich auf unterschiedlichste Art mit dem Schmerz herum, den das Bewusstsein der vermeintlichen Minderwertigkeit hervorruft. Sie tun auf unterschiedlichste Weise alles, um nur diesen Schmerz nicht spüren zu müssen. Sie fokussieren unbewusst auf die Schmerzvermeidung und nicht auf das Leben.Das hindert sie daran, jemals wirklich lebendig zu sein, das Leben zu umarmen, lustvoll Abenteuer zu suchen und tiefe Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen.

Wir können nichts dafür, dass man uns entwertet hat, als wir noch jung und anderen ausgeliefert waren. Aber wir müssen die Folgen nicht ein Leben lang als selbstverständlich hinnehmen. Wir können unser Selbstwertgefühl aufbauen und stärken, evtl. auch mit professioneller Hilfe. Es sollte unsere vornehmste Aufgabe sein, uns zu voller Größe aufzurichten und die beste Person zu werden, die wir sein können.

Von lästigen Besuchern

Kürzlich hatte ich eine Kundin mit einem verbreiteten Problem: Sie plagt sich mit irrationalen Grübeleien herum. Immer wieder drängen sich ihr Gedanken auf, die bewirken, dass sie sich wertlos fühlt. Ihr Verstand sagt ihr, wie unsinnig das ist und dass sie keinen Grund hat, derart an sich zu zweifeln. Und dennoch: Es hört einfach nicht auf.

Solch tief sitzende Selbstzweifel haben in der Regel ihren Ursprung in der persönlichen Vergangenheit. Andauernde Entwertungen, eine besonders entmutigende Erfahrung – das kann uns so sehr zusetzen, dass wir fortan beständig an uns zweifeln. Geraten wir dann in eine Situation, die an die Vergangenheit erinnert und ihr ähnelt, sind mit einem Schlag die quälenden Selbstzweifel wieder da. Es ist wie ein Reflex. Auch wenn wir noch so vernünftig denken und uns sagen, dass diese Selbstzweifel nicht zur aktuellen Situation passen – sie stellen sich hartnäckig immer wieder ein.

Dagegen hilft aber eine Strategie: Wir können zwar nicht verhindern, dass selbstentwertende Gedanken entstehen, aber wir können sehr wohl entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Ich empfehle, diese Gedanken gelassen zu registrieren wie einen lästigen Besucher: Man hört ihn zwar klingeln, aber man öffnet ihm einfach nicht die Tür. So können wir auch mit unseren unproduktiven und selbstzerstörerischen Gedanken verfahren. Wir sollten sie registrieren, wenn sie sich bemerkbar machen, aber sie nicht allzu ernst nehmen. Wir können ihnen mit Gleichmut begegnen, sie vorbeiziehen lassen und uns auf produktivere Gedanken konzentrieren. Mit der Zeit werden die Selbstzweifel schwächer und durch positivere Gedanken ersetzt.

Das cleverste Machtmittel, das ich kenne

Weihnachten gilt bei uns traditionell als Fest der Liebe. Wir bemühen uns zu dieser Zeit des Jahres, anderen Menschen Gutes zu tun. Wir spenden an gemeinnützige Organisationen und kaufen Geschenke für Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Geschäftspartner… Wir wissen grundsätzlich natürlich ganz genau, dass wir unsere Mitmenschen lieben sollten und besinnen uns zur Weihnachtszeit wieder darauf.

Liebe ist fraglos ein moralisches Prinzip, das wohl kaum jemand in Frage stellen würde. Aber Liebe ist weit mehr als das: Liebe ist das cleverste Machtmittel, das ich kenne. Der Philosoph Michel de Montaigne brachte diese simple Tatsache bereits im 16. Jahrhundert auf den Punkt: „Liebe ist die beständigste Macht der Welt.“ Und auch Martin Luther King wusste um diesen Zusammenhang: „Wahre Macht ist Kind der Liebeskraft.“

Wer anderen Menschen aufrichtiges Wohlwollen entgegenbringt, gewinnt Macht über sie. Wir können andere nur beeinflussen, wenn sie sich von uns angenommen fühlen und spüren können, dass wir ihr Bestes wollen. Oder würden Sie auf jemanden hören, dem Sie gleichgültig sind oder der sie nicht mal leiden kann?

Es ist schwer, Einfluss zu nehmen, wenn man damit nur den eigenen Vorteil im Sinn hat. Wer auf diese Weise Macht ausüben will, der muss sich etwas einfallen lassen, um an sein Ziel zu kommen: Er kann locken, täuschen, falsche Versprechungen machen oder ganz einfach Gewalt ausüben. Vermutlich ist genau das der Grund, warum Macht so sehr in Verruf geraten ist. Tatsächlich aber ist Macht neutral. Macht bedeutet nur, dass man über die Mittel verfügt, etwas zu erreichen. Fragt sich nur, welche Mittel das sind…

Mehr Commitment!

Seit einiger Zeit bin ich auf Facebook aktiv und erhalte regelmäßig Freundschaftsanfragen. Natürlich schaue ich mir die Leute genauer an, die sich mit mir befreunden wollen. In der Chronik lese ich dann häufiger unter „Beziehungsstatus“: „Es ist kompliziert.“ Solche Leute lehne ich für gewöhnlich ab.

Es gibt viele Menschen, die sich einen Job suchen und bei klarem Verstand einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Trotzdem jammern sie anschließend über ihren Job und sind froh um jede Stunde, die sie dort NICHT arbeiten müssen. Derartiges Verhalten ringt mir nicht gerade Respekt ab. Ich finde es zudem schwer, diesen Menschen Vertrauen entgegen zu bringen.

Hingegen schätze und vertraue ich Menschen, die klare Entscheidungen treffen und dann dazu stehen. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die Ambivalenzen aushalten können und inmitten all der Mehrdeutigkeit Position beziehen. Menschen, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen und die Konsequenzen zu tragen. Menschen, die bereitwillig und ohne Leidensmine die Schattenseiten ihrer Entscheidungen akzeptieren. Menschen, die wissen, was Commitment ist. Menschen, die kein Paradies auf Erden erwarten und Unangenehmes wegstecken können. Weil nun mal alles mehr als eine Seite hat. Menschen, die wissen, dass jede Entscheidung für eine bestimmte Sache zugleich eine Entscheidung gegen die Alternativen ist und die dennoch entscheidungsfreudig sind. Solche Menschen respektiere ich.

Immer schön ans Ölkännchen denken!

Weihnachten als Fest der Liebe. Man schreibt sich gegenseitig Karten und macht sich Geschenke. Diese Woche wollte der Hessische Rundfunk von mir wissen, wie man Freundschaften pflegt. Na ja, da kann wohl jeder etwas dazu sagen. Freundschaften brauchen irgendeine Art von Pflege, sonst schlafen sie ein. Klarer Fall!

Aber auch Beziehungen, die nicht freundschaftlicher Natur sind, brauchen Pflege. Ich nenne das für mich „schmieren“. Immer, wenn wir mit einem bestimmten Menschen regelmäßig zu tun haben, sollten wir zusehen, dass diese Kontakte reibungslos verlaufen. Und dazu braucht man eben eine Art von Schmiere. Sonst dreht sich das Räderwerk dieser Beziehung mit der Zeit immer schwerer und schwerer, bis schließlich nichts mehr geht.

Menschen sind sehr bedürftig. Sie wollen gesehen werden, sie wollen bestätigt werden, sie wollen wichtig sein. Das gilt auch im Geschäftsleben und wir dürfen es nicht vergessen. Jeder Kooperationspartner hat diese Bedürfnisse, denn sie sind in unseren Genen verankert. Je selbstverständlicher wir sie berücksichtigen, desto leichter können wir uns in der Sache einig werden. Die Beziehungsebene bestimmt immer über die Sachebene. Deswegen nie das Ölkännchen vergessen!

Überfordert euch!

Vor wenigen Tagen habe ich ein neues Projekt in Angriff genommen und damit komplettes Neuland betreten. Das Projekt ist anspruchsvoll, verlangt mir Einsichten und Fähigkeiten ab, die ich noch nicht entwickelt habe, kostet Zeit und Mühe. Ich weiß nicht, ob ich den Herausforderungen gewachsen bin und überhaupt damit erfolgreich sein kann.

Zu Beginn habe ich Euphorie empfunden, dann Ernüchterung, dann kamen die Selbstzweifel, das deutliche Gefühl von Überforderung, zwischendurch bin ich wieder zuversichtlich und voll Selbstvertrauen. Ein Wechselbad. Gemütlich ist das nicht. Dabei muss ich das alles eigentlich nicht machen. Die Entscheidung für dieses Projekt erfolgte freiwillig und spontan. Warum tue ich mir das an?

Weil es mir ein Gefühl von Lebendigkeit verleiht. Natürlich besteht auch eine gute Chance, dass mein Projekt ein Erfolg wird und ich dabei Gewinn mache. Aber das allein wäre viel zu wenig. Lebendigkeit zählt mehr. Solch eine Herausforderung ist in jedem Fall ein Gewinn, selbst wenn das betreffende Projekt am Ende scheitern sollte. Denn:

  • Wer etwas Neues in Angriff nimmt, erlebt Abenteuer. Der Tag wird spannender und erfüllter. Genau dafür ist das menschliche Gehirn gemacht. Wir brauchen Probleme, an denen wir uns abarbeiten können. Das Gehirn will beschäftigt werden und mag keine Routine.
  • Es besteht die Notwendigkeit, etwas Neues zu lernen. Lernen bedeutet per se, sich zu überfordern. Dabei fühlt man sich ganz und gar wach. Erkenntnis ist grundsätzlich lustvoll. Das hat die Evolution klug eingerichtet. Denn Individuen mit hoher Lernbereitschaft sind letzten Endes lebenstüchtiger.
  • Neue Erfahrungen bilden den Charakter. Unsere Persönlichkeit verändert sich in Abhängigkeit von unseren Erlebnissen. Je mehr wir uns auf das Leben einlassen, desto reifer werden wir. Auch das ist eine wunderbare Erfahrung.

Klar, Überforderung ist nicht unbedingt angenehm und ich weiß nicht einmal, ob ich am Ende mit meinem Projekt wirklich Erfolg haben werde. Aber ich könnte es mir kaum verzeihen, wenn ich mich nicht darauf eingelassen hätte.

 

Die besondere Intelligenz

Frage eines Seminarteilnehmers an mich: „Braucht man Intelligenz, um souverän handeln zu können?“ Gute Frage. Natürlich braucht man dafür Intelligenz – schließlich bedeutet „Souveränität“, dass man über den Dingen steht (lat. „superanus“ = „darüber befindlich, überlegen“). Aber es ist nicht die Art von Intelligenz, die man mit einem klassischen Intelligenztest bestimmen kann.

Der misst nämlich Dinge wie räumliches Vorstellungsvermögen oder sprachliches Geschick. Nicht ganz unwichtige Aspekte der Lebenstüchtigkeit. Sie werden jedoch überbewertet. Letzten Endes kann man Intelligenz wohl kaum darauf reduzieren. Es gibt im Grunde viele verschiedene Intelligenzen und Fähigkeiten, die uns lebenstüchtig machen.

Souveränität erfordert beispielsweise den intelligenten Umgang mit Sichtweisen:  Man darf sich vom Geschehen niemals völlig gefangennehmen lassen, sondern muss jede Situation aus der Hubschrauberperspektive betrachten können. Nur so steht man über den Dingen und gewinnt den Überblick. Themen und Muster werden deutlicher erkennbar. Weiterhin gehört die Fähigkeit zu strategischem Denken dazu; denn der Souveräne reagiert nicht einfach nur, sondern er ist Impulsgeber. Er kann das Geschehen steuern und fühlt sich ihm nicht ausgeliefert. Souveräne Menschen sind darüber hinaus in der Lage, für jede kritische Situation eine ganze Reihe alternativer Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, unter denen sie dann wählen können. So behalten sie das Steuer in der Hand.

Ja, man braucht Intelligenz, wenn man souverän sein will. Aber es ist eine besondere Intelligenz, eine, die der übliche Intelligenztest nicht messen kann.