Selbstschutz im Job

Wie kommt es, dass so viele Menschen unglücklich in ihrem Job sind? Das ist eine hoch interessante Frage, wie ich finde. Es dürften dabei etliche Faktoren im Spiel sein und einen davon möchte ich hier etwas genauer unter die Lupe nehmen: nämlich den fehlenden Selbstschutz.

Funktionalisierung als Normalfall

Wenn man es genau betrachtet, ist es erstaunlich: Viele Menschen arbeiten sich in den Burnout. So etwas passiert nicht von einem Tag auf den anderen. Es handelt sich vielmehr um einen langen Prozess. Und im Laufe dieses Prozesses können die Betroffenen fast täglich spüren: „Es geht mir nicht gut. Es wird mir alles zu viel.“ Und trotzdem machen sie weiter. Sie ändern nichts.

Andere wiederum arbeiten in einer menschenverachtenden und giftigen Atmosphäre. Aber auch sie tun nichts dagegen. Sie beißen die Zähne zusammen und stehen es durch. Sie lassen sich weiterhin wie Produktionsmittel behandeln. Sie leiden. Sie entwickeln womöglich körperliche Symptome. Sie spüren jeden Tag ihren inneren Widerwillen gegen diesen Arbeitsplatz, an dem man sie nicht achtet und keinerlei Rücksicht auf ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse nimmt. Und trotzdem machen sie weiter. Sie ändern nichts. Sie meinen, sie seien in den Umständen gefangen.

Und nicht zu vergessen diejenigen, die keinen Sinn in ihrem Tun sehen. Sie arbeiten nur, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können und stellen sich Tag für Tag Herausforderungen, die keine Bedeutung für sie haben. Manche gehen sogar so weit, ihre eigenen Werte zu verraten. Alles nur, weil man es von ihnen erwartet und sie keine Alternative sehen. Sie machen weiter und ändern nichts.

Es gibt noch andere Beispiele. Betrachtet man solche Situationen aus der Distanz, möchte man den Kopf schütteln und fragt sich, wie sich jemand so dumm und verantwortungslos verhalten kann. Aber wenn man selbst in der Mühle drinsteckt, erscheint einem das Ganze nur allzu oft völlig normal.

Achtsam sein

Wie kommt man aus dieser Situation heraus? Der erste Schritt kann nur darin bestehen, wach und aufmerksam zu sein für das, was passiert. Wir müssen genug innere Distanz zu unserer Arbeitssituation schaffen, um erkennen zu können, was los ist. Und was es bei uns selbst auslöst. Das geht aber nicht, wenn wir bereitwillig alles hinnehmen und für selbstverständlich halten. Es muss ein kritischer und fragender Blick sein, mit dem wir uns selbst und die Dinge um uns herum beobachten. Wir brauchen ein feines Gespür dafür, was gut und richtig ist – und was eben nicht. Wir brauchen die innere Stimme, die uns sagt: „Pass auf, hier stimmt etwas nicht!“

Ohne diese innere Stimme wären wir unserer Umgebung schutzlos ausgeliefert. Es fragt sich natürlich, woher diese innere Stimme überhaupt kommen soll.

Zum einen ist sie das Ergebnis der Selbstbeobachtung. Das heißt, wir müssen in uns hineinhorchen, um zu merken, wie es uns mit einer bestimmten Situation geht. Wenn wir beispielsweise rücksichtslos funktionalisiert werden, dann sollten wir in der Lage sein, bewusst wahrzunehmen, wie uns dieser Umstand innerlich aushöhlt. Wir brauchen also einen guten Kontakt zu uns selbst und müssen in der Lage sein, unsere Gefühle wahrzunehmen.

Zum anderen dürfen wir in den meisten Fällen auf unsere Intuition vertrauen. Intuition beruht auf Lebenserfahrung. Wenn sich beispielsweise etwas falsch anfühlt, dann können wir in den meisten Fällen ziemlich sicher davon ausgehen, dass es falsch ist. Man kann der Intuition zwar nicht blind vertrauen, weil sie auf Erfahrungen in der Vergangenheit beruht – aber sie ist auf jeden Fall ein sehr nützlicher Alarmmelder und sollte immer ein Anlass sein, sich die betreffende Situation etwas genauer anzuschauen.

Mut zum Handeln

Wenn uns eine Situation offensichtlich nicht guttut und womöglich sogar seelischen Schaden anrichtet, dann besteht Handlungsbedarf. Aktiver Selbstschutz wäre jetzt vonnöten. Aber warum handeln viele Betroffene nicht? Warum harren sie weiter aus, obwohl sie deutlich spüren, dass es ihnen nicht gut geht?

Selbstschutz braucht zwei Dinge:

Zum einen ist Mut erforderlich. Ich habe jedoch immer wieder erlebt, dass Mitarbeiter sich beispielsweise davor fürchten, ein offenes Wort an ihren Vorgesetzten zu richten. Und auch die Vorgesetzten fürchten sich nicht selten davor, solch ein Gespräch führen zu müssen. Deshalb werden heikle Themen oft gar nicht erst zur Sprache gebracht. Sehr viele Betroffene befürchten zudem negative Konsequenzen, wenn sie nicht reibungslos funktionieren. Also schweigt man und macht weiterhin Business as usual.

Zum anderen mangelt es vielen Betroffenen auch an Einfallsreichtum. Sie erkennen zwar, dass sich etwas für sie ändern müsste, damit es ihnen wieder besser geht, aber sie wissen nicht, was sie tun können. Vielleicht durchschauen sie die betreffende Situation zu wenig oder es fehlt ihnen an kommunikativen Fertigkeiten. Zur Unzufriedenheit gesellt sich Hilflosigkeit.

Selbstschutz als Selbstverpflichtung

Möglicherweise mangelt es manchen auch deshalb an Mut und Einfallsreichtum, weil sie Selbstschutz nicht als Aufgabe für sich definiert haben. Sie sind sich der Notwendigkeit nicht bewusst. Und bis vor wenigen Jahrzehnten war die Arbeitswelt ja auch noch eine völlig andere.

Mittlerweile hat sich für viele Beschäftigte die Situation aber sehr verändert. Wir dürfen uns nichts vormachen: Selbstschutz ist ein wichtiges Thema im Arbeitsalltag. Wir müssen gut auf uns aufpassen, damit wir keinen Schaden nehmen. Es geht dabei nicht nur um die körperlichen Auswirkungen einer oft menschenfeindlichen Arbeitswelt. Vielmehr hinterlassen etliche belastende Faktoren ihre Spuren auf der Seele, auch wenn sie nicht körperlich krank machen. So kann u.a. Resignation als Folge ständiger Frustration zu einer Lebenshaltung werden, die sich auch im Privatleben niederschlägt. Ein anderes Beispiel ist die Tatsache, dass viele Mitarbeiter nur Kritik kennen, aber kaum Anerkennung und erst recht keine Ermutigung erfahren. Im Laufe der Jahre leiden das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen darunter.  Das sind sehr schwerwiegende Folgen einer menschenverachtenden Arbeitswelt, auch wenn sie nicht spektakulär sind.

Und niemand wird uns vor solchen Folgen schützen, wenn wir es nicht selbst tun. Es ist mir sehr wichtig, dass sich möglichst viele Beschäftigte dessen bewusst sind.

Ich gebe zu, Selbstschutz ist in manchen Fällen eine echte Herausforderung. Wenn Sie nicht recht wissen, wie Sie sich am besten schützen, dann können Sie sich einen  kostenlosen Termin für ein Orientierungsgespräch bei mir holen. Klicken Sie dazu einfach auf den Kalender, suchen Sie sich einen Termin aus und ich rufe Sie zum gewünschten Zeitpunkt an.

Sicher ist: Wir sind in der Regel mit unseren Problemen am Arbeitsplatz alleingelassen. Selbstschutz ist etwas, worum sich jeder selbst kümmern muss. Es hat keinen Sinn, auf Rettung zu warten. Da wird niemand kommen.

 

 

 

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