Archiv für den Monat: März 2019

Souverän in 1 Minute

Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben irgendwie entspannter. Ich merke das u.a. daran, wie schwer es ist, ein paar Freunde um meinen Tisch zu versammeln. Man findet nur mit größter Mühe einen gemeinsamen Termin für ein Treffen. Wenn ich jemanden zu einem Treffen einladen will, höre ich häufig: „Gute Idee, da komm ich doch gerne. Ich kann allerdings erst wieder ab Mitte nächsten Monat, weil ich vorher noch … muss.“ Das genau ist das entscheidende Wort: MUSS

Wir sind Getriebene

Es ist unfassbar, was wir inzwischen alles müssen. Da musste z.B. diese Kundin von mir an einem Samstag Nachmittag ins Büro fahren, weil ihr Chef eine Akte nicht finden konnte. Sie musste alles stehen und liegen lassen, um ihrem Chef behilflich zu sein. Kein Witz. Oder da muss ein Mitarbeiter den ganzen Nachmittag in einem stinklangweiligen Meeting herumsitzen, wo sich diverse Leute produzieren und anderen die Zeit stehlen. Während der Mitarbeiter seine Zeit dort sinnlos absitzt, bleibt seine Arbeit liegen. Die muss er dann anschließend noch erledigen und kann nicht pünktlich nach Hause gehen.

Wer ist heute noch auch nur ansatzweise Herr über seine Zeit? Wer einen Beruf ausübt, fühlt sich beinahe schon gewohnheitsmäßig wie ein Getriebener. Kein Mensch mit Verstand würde sich solch einen Zustand wünschen. Warum befinden wir uns dann ständig darin?

Angst als Handlungsmotiv

Ich fürchte, die schlichte Antwort lautet: „Weil wir solche Angst haben.“ Wir haben Angst, den Chef zu verärgern, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst, uns unbeliebt zu machen und unangenehm aufzufallen, Angst, zu kurz zu kommen. Und um diese Angst auszuschalten, sind wir bereit, teuer zu bezahlen. Wir bezahlen mit unserer Freiheit und Selbstbestimmtheit. Wir bezahlen mit unserem Glück. Wir sind wie  Kinder, die ganz brav sein wollen, damit Knecht Ruprecht sie nicht in den Sack steckt.

Ich habe als Studentin u.a. in einer großen stinkenden Fabrikhalle gearbeitet, um mein Studium finanzieren zu können. Und schon damals hatten die Menschen Angst. In dieser Halle wurden Elektroteile galvanisiert. Eine überaus anstrengende und monotone Arbeit. Jeden Donnerstag ging der Abteilungsleiter mit seinem Klemmbrett herum und hat jeden gefragt, ob er denn „freiwillig“ auch am Wochenende arbeiten wolle. Die Maschinen durften nicht stillstehen, ist ja klar. Und niemand hat sich getraut, ein klares NEIN zu erwidern. Die Frauen dort waren teilweise noch jung, sie hatten Familie, kümmerten sich um Kinder. Und sahen sich gezwungen, am Wochenende Überstunden zu machen. Natürlich gab das mehr Geld. Aber um welchen Preis?!

Aus Angst vor negativen Konsequenzen am Arbeitsplatz verzichtet manch einer auf etwas, was ihm wichtig wäre: Zeit für sich, Zeit mit der Familie und den Freunden. Ein bisschen persönliche Freiheit, ein paar private Gestaltungsräume. Man passt sich an, erledigt Arbeiten, deren Sinn man zuweilen nicht mal erkennen kann (keine einzige der Frauen konnte mir erklären, was das für Elektroteile waren, die sie da täglich galvanisierten!). Man ackert mitunter wie ein Galeerensklave – alles nur, um die Angst zu beschwichtigen. Und für all das Elend entschädigt man sich dann gerne, indem man sich in der Freizeit berieseln lässt. Man „schaltet ab“. Oder man gönnt sich was Schönes, man konsumiert. Was für ein Leben ist das, in dem Konsum und Ablenkung zu den Höhepunkten des Daseins werden!

Mehr Souveränität, bitte!

Was kann uns retten? Nur der Mut, von der eigenen Freiheit Gebrauch zu machen. Denn sie ist immer noch da, diese Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Man kann tatsächlich dem Chef freundlich erklären, dass man sich an einem Samstag Nachmittag nicht auf Aktensuche begeben wird. Man ist auch nicht gezwungen, einer furchtbar öden Besprechung aufmerksam bis zum Ende zu folgen, denn man hätte ja auch die Möglichkeit, sich einzubringen und ein bisschen Regie zu übernehmen, z.B. indem man ein paar interessante und herausfordernde Fragen in die Runde wirft.

Souveränität ist eine Entscheidung! Sie lässt sich in weniger als 1 Minute treffen!

Solche Menschen, die das tun, die sich das trauen, sind für mich moderne Helden. Denn sie lassen sich nicht klein machen und funktionalisieren. Sie machen von ihrer Freiheit und Menschenwürde  Gebrauch.  Das Wort „Souveränität“ stammt aus dem Lateinischen: „Superanus“ bedeutet „darüber befindlich, überlegen“. „Drüber stehen“ würde man heute salopp sagen. Und genau das bringt die Freiheit zurück. Wer souverän handelt, bedient sich seiner Wahlfreiheit. Er lässt sich nicht mit dem Rücken an die Wand drücken, sondern er entscheidet selbstständig, was für ihn richtig ist und passt – und was eben nicht. Wer gerade nichts Besseres zu tun hat, kann sich durchaus dazu entscheiden, ins Büro zu fahren und dem Chef beim Suchen zu helfen. Das könnte ja sogar ganz nett werden, denn vielleicht ergibt sich ein schönes und vertrauensvolles Gespräch. Wer aber aus blanker Angst bei der Suche hilft, ist nicht souverän, sondern Sklave seiner Angst.

Eine simple Formel

Ich habe eine ganz schlichte Formel für souveränes Handeln. Sie lautet:

Souveränität = Wahlfreiheit

Was immer wir tun, in welcher Situation wir auch stecken mögen – solange wir mehr als eine Alternative für uns erkennen können, sind wir in der Lage, souverän zu handeln. Denn wer die Wahl hat, hat die Macht. Er ist kein Sklave, er entscheidet zwischen diversen Handlungsalternativen. Als Entscheider steht er über den Dingen. Deswegen habe ich es mir zur Regel gemacht, in jeder Situation möglichst rasch möglichst viele Optionen für mich zu identifizieren. Dadurch habe ich nie das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Ich bin kein hilfloses Opfer, keine Ausgelieferte. Ich kann zumindest in einem gewissen Rahmen frei und selbstbestimmt agieren.

Natürlich erfordert es Mut, die eigenen Spielräume auch tatsächlich zu nutzen. Aber mutig zu sein, ist nicht unbedingt schwer, wenn man sich den Preis des Gehorsams vor Augen führt.

Und wenn Sie –  wie so viele von uns – gern mehr Freiheit hätten, aber nicht recht wissen, wie Sie sie finden und nutzen, dann lade ich Sie herzlich ein, sich zu einem kostenlosen Gespräch mit mir anzumelden. Spielräume zu entdecken, gehört zu meiner persönlichen Leidenschaft. Ich freue mich, wenn ich Ihnen dabei behilflich sein kann. Sie brauchen dafür nur auf diesen Kalender zu klicken und sich einen Gesprächstermin auszusuchen: