Archiv für den Monat: Februar 2019

Selbstmotivierung ist Selbstvergewaltigung

Ich gebe es offen zu: Ich habe Angst vorm Zahnarzt. Das liegt ganz einfach daran, dass ich ein lernender Organismus bin. Da ich bereits schlechte Erfahrungen in Zahnarztpraxen gemacht habe, warnt mich mein Gehirn davor, dort noch einmal hinzugehen. Denn natürlich sind wir alle darauf programmiert, Schmerz zu vermeiden. Angst gehört zu den Funktionen unseres Reptilien-Gehirns bzw. Stammhirns. Und wem würde nicht mulmig, wenn er so etwas hört:

 

Wir sind aber als hoch entwickelte Geschöpfe nicht gezwungen, diesem uralten Teil unseres Gehirns die Regie zu überlassen. Und deshalb besitze ich die Freiheit, zum Zahnarzt zu gehen, obwohl meine Angst mich zurückhalten will. Ich besitze Verstand und Willenskraft. Ich kann mich motivieren, etwas zu tun, das einTeil von mir partout nicht tun möchte. Deshalb habe ich gepflegte und gesunde Zähne. Und Sie hoffentlich auch…

Es geht nicht ohne Selbstmotivierung

Es ist also toll, dass wir uns motivieren und überwinden können. Denn viele notwendige Aktivitäten wären uns ohne diese Fähigkeit zur Selbstmotivierung und Selbstüberwindung gar nicht möglich. Wir sind in der Lage zu tun, was wir als sinnvoll und notwendig erachten – unabhängig davon, wie wir uns dabei fühlen. Und das ist großartig!

Welche Rolle spielt diese Fähigkeit nun für unser Arbeitsleben? Vermutlich eine gewaltige! Im Arbeitsalltag dürfte haufenweise Selbstmotivierung im Spiel sein. Das erkennt man schon an der Sprache. Wie oft sagen wir  Dinge wie „Ich muss jetzt…“, „Ich muss heute unbedingt noch…“ etc. Da hört man wenig „Ich möchte…“, „Ich will unbedingt…“. Wir sehen uns zu zahlreichen Aktivitäten gezwungen und überwinden uns dann dazu. Das ist gut und schlecht zugleich.

Es ist gut, weil wir dann effektiv sind und wichtige Dinge erledigen können. Wir leisten einen Beitrag zum Ganzen, wir beschäftigen unser Gehirn, strukturieren den Tag und verdienen unseren Lebensunterhalt. Wir machen das toll, wir können stolz auf uns sein.

 

Die Rache des Reptiliengehirns

Da gibt es allerdings ein kleines Problem: Wenn wir uns selbst motivieren und überwinden, dann halten wir damit unser Reptiliengehirn unter Kontrolle. Wir arbeiten gegen die Impulse, die von dort kommen. Wir unterdrücken Frust und Unlust, Überdruss, Widerwillen, Unbehagen, Angst – und all die anderen Signale, die uns vermitteln: Tu’s nicht, lass es bleiben! Geh nicht zum Chef rein! Ruf den blöden Kunden nicht an! Geh nicht zu dieser langweiligen Besprechung! Wirf die Unterlagen doch weg! Bleib einfach morgens im Bett liegen! Verlasse dein Büro, geh lieber spazieren! usw.

Es ist nicht ganz einfach, das Reptil in uns davon abzuhalten, die Kontrolle zu übernehmen. Und es gelingt auch nicht immer. Dann sind wir unseren Impulsen ausgeliefert und lassen uns gehen.

Die Unterdrückung von Impulsen kostet viel Energie. Auch wenn wir mit großer Überzeugung dahinterstehen – Disziplin ist anstrengend. Das Reptil zu zähmen, erfordert Entschlossenheit und Kraft.

Der Preis der Selbstmotivierung

Wenn wir einen Teil von uns nicht zum Zuge kommen lassen, bedeutet das, dass wir gegen uns selbst handeln. Denn sicher ist: Wir müssen uns nur zu den Handlungen motivieren, die Unlustgefühle auslösen; zu denen wir nicht mit ganzem Herzen „ja“ sagen können. Mit Selbstmotivierung ringen wir immer die innere Unlust nieder, wir unterdrücken damit den inneren Widerstand. So betrachtet ist jeder Akt der Selbstmotivierung ein Akt der Selbstvergewaltigung. 

Und solch ein Akt erfordert einen Preis:

  1. Wer sich bei der Arbeit viel motiviert, verwendet seine Energie darauf, die eigenen inneren Widerstände zu kontrollieren. Diese Energie steht dann nicht mehr für die Arbeitsleistung zur Verfügung. Mit anderen Worten: Selbstmotivierung schwächt das Leistungsvermögen. Wer sich viel motivieren muss, erbringt schlechtere Leistungen.
  2. Je mehr wir uns bei der Arbeit motivieren, desto erschöpfter sind wir am Abend. Die permanente Selbstüberwindung kann uns auslaugen. Das bedeutet, dass viele von uns abends keine Energie mehr übrig haben für ein ausgefülltes Privatleben. Sie haben dann z.B. nicht mehr genug Kraft, um mit ihren Kindern zu toben und Quality-Time mit ihnen zu verbringen. Oder sie schaffen es nicht mehr, zum Sport zu gehen. Ständige Selbstmotivierung kostet Lebensqualität.

Die Alternative

Ich behaupte nicht, dass ein Arbeitsleben ohne Selbstmotivierung und Selbstüberwindung möglich ist. Aber ich bin mir ganz sicher, dass sie keine Basis für ein ganzes Arbeitsleben bilden dürfen. Wir brauchen eine Alternative. Und diese Alternative ist die Freude.

Wenn wir uns freuen, wird Energie freigesetzt. Selbstmotivierung hingegen zieht uns Energie ab. Wer sich freut, ist gesünder, arbeitet besser und ist wegen seiner guten Laune auch ein sehr viel angenehmerer Sozialpartner. Es wird also weniger Konflikte am Arbeitsplatz geben. Freudvolles Arbeiten erhöht somit die  Leistungsfähigkeit und verbessert zugleich die Lebensqualität.

 

 

Die Perspektive entscheidet!

Nun haben wir natürlich gute Gründe dafür, dass wir uns beim Arbeiten so oft zur Selbstmotivierung veranlasst sehen. Das Reptiliengehirn sagt ja nicht von ungefähr „bloß weg hier!“ Für unser Empfinden und unser Handeln ist aber nicht allein die Botschaft unseres Stammhirns ausschlaggebend. Glücklicherweise haben wir auch einen Neokortex, der es uns ermöglicht, unsere Perspektive zu wählen. Wir sind nicht gezwungen, uns ständig mit den Botschaften des Reptiliengehirns zu beschäftigen, sondern können unsere Perspektive wählen.

Es gibt da eine ganz einfache Regel: Das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst. Es bekommt immer mehr Raum im Denken und Fühlen. Wenn wir uns also auf die Auslöser für unsere Frustration konzentrieren, wenn wir uns unseren Unlustgefühlen hingeben, dann können wir nur unglücklich werden. Wechseln wir hingegen die Perspektive und halten gezielt Ausschau nach guten Dingen, dann haben wir die Chance, den Arbeitsalltag als erfüllend zu erleben. Glück ist Kopfsache!

Meine Mission

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Freude in der Arbeit zu finden – obwohl sie sich genauso gut laufend darüber beklagen könnten. Und wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie zu wenig Erfüllung in Ihrem Job finden und zu wenig Freude daran haben, dann lade ich Sie herzlich ein, sich einen Termin für ein kostenfreies Orientierungsgespräch bei mir zu holen. Hier sehen Sie einen Kalender. Wenn Sie darauf klicken, können Sie sich einen Termin für solch ein Gespräch reservieren. Es liegt an Ihnen, diese Chance wahrzunehmen. Sicher ist auf jeden Fall: Sie gehen kein Risiko damit ein und können nur gewinnen!

 

Mit Hingabe arbeiten

Menschen gehen sehr unterschiedlich an ihre Arbeit heran. Nur eine Minderheit erfährt täglich Freude an der Arbeit. Ich kenne Menschen, die ihre Arbeit zügig erledigen, um sich ihre Aufgaben so schnell wie möglich vom Hals zu schaffen. Andere machen viel Aufhebens um wenig Arbeit und ziehen die Erledigung ihrer Aufgaben unnötig in die Länge. Wieder andere drücken sich, wo sie nur können. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die mit zusammengebissenen Zähnen ihre Pflicht tun. Letzten Endes hat jeder von uns so seine eigene Art, sich mit seinen Aufgaben auseinanderzusetzen.

Flow als Glücksquelle

Es gibt eine Möglichkeit, das Optimum aus dem beruflichen Tun herauszuholen, über die viel zu wenig gesprochen wird. Wir kennen diese Möglichkeit aber alle. Jeder von uns hat sie in Kindertagen ausgiebig genutzt. Ich spreche hier vom sogenannten Flow. Darunter versteht man das völlige Aufgehen im eigenen Tun, die Hingabe an eine Tätigkeit. Als Kinder haben wir das ganz selbstverständlich beherrscht. Wir konnten so intensiv spielen, dass wir alles um uns herum vergessen haben.

Flow ist ein wirklich bemerkenswerter Zustand, eine Art von Rausch. Dabei verbinden sich größtes Leistungsvermögen mit intensiver Glückserfahrung. Flow ist Hingabe und Selbstvergessenheit, höchste Konzentration und intensive Lebendigkeit. Wer so arbeitet, erlebt sein Tun an sich als wertvoll und lohnend. Die Tätigkeit wird nicht als Mittel zum Zweck empfunden. Es geht vielmehr um das reine und nicht zweckorientierte Tun – auch wenn uns natürlich allen klar ist, dass Arbeit auf einer geschäftlichen Vereinbarung beruht und entlohnt wird.

Acht Merkmale von Flow-Erleben

Dieser besondere Zustand, bei dem sich Glück und Leistung auf einzigartige Weise verbinden, ist inzwischen wissenschaftlich ganz gut untersucht. Hier hat sich vor allem der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi hervorgetan. Er konnte acht Komponenten identifizieren, die für Flow-Erlebnisse charakteristisch sind:

1. Klare Ziele

Es scheint unbedingt erforderlich zu sein, dass wir beim Arbeiten ein klares Bewusstsein für den nächsten Schritt haben müssen, wenn wir Flow erleben wollen. Es genügt nicht, dass das Endziel klar definiert ist. Denn nur die kleinen Teilziele ermöglichen uns vollkommene Präsenz. Haben wir hingegen das Fernziel im Blick, können wir nicht im Augenblick verhaftet sein. Aber die Freude am Tun ist immer eine Sache des Jetzt. Die Konzentration muss deshalb immer dem Ziel des Augenblicks gelten. Worum geht es in diesem Moment?

2. Unmittelbares Feedback

Damit der Handlungsfluss nicht unterbrochen wird, brauchen wir sofortige Rückmeldung über unser Tun. So ergibt sich jeder Arbeitsschritt aus dem vorhergehenden. Viele Tätigkeiten liefern unmittelbar das nötige Feedback. Dazu gehören beispielsweise Arbeiten mit einem Computerprogramm. Wenn wir dabei einen Fehler machen, funktioniert der Prozess nicht und das ist meist schnell ersichtlich. In solch einem Fall wird man sich sofort auf die Fehlersuche begeben und es noch einmal probieren. Das Tun ist im Fluss.

3. Passende Herausforderungen

Weder bei Unter- noch bei Überforderung kann Flow entstehen. Im ersten Fall wäre Langeweile die natürliche Folge, im zweiten Stress. Deswegen brauchen wir Herausforderungen, die zu den vorhandenen Ressourcen passen. Die Aufgabe muss anspruchsvoll sein und uns einiges abverlangen, aber wir müssen in der Lage sein, sie letztendlich zu bewältigen. So können wir das eigene Potenzial zur vollen Entfaltung bringen. Das erleben wir für gewöhnlich als äußerst befriedigend.

4. Intensive Konzentration

Flow kommt nur zustande, wenn wir uns auf eine Herausforderung voll und ganz einlassen. Erst, wenn wir uns vollständig vertiefen, uns nichts mehr ablenken kann, verschmelzen wir mit unserer Aufgabe. Das Bewusstsein ist völlig vom eigenen Tun bestimmt und es gibt daneben nichts anderes mehr.

5. Gegenwartsbezogenheit

Flow existiert nur im Augenblick. Die Vergangenheit spielt keine Rolle, ebenso wenig die Zukunft. Ob beispielsweise der Chef mit der Arbeitsleistung am Ende zufrieden sein wird, ist für den Augenblick des Tuns völlig irrelevant. Man taucht in eine andere Welt ab, in der nur noch diese eine Sache zählt, nämlich die vorliegende Aufgabe. Nichts anderes ist für den Augenblick von Bedeutung.

6. Subjektive Kontrolle

Flow entsteht nur, wenn wir das sichere Gefühl haben, der Herausforderung gewachsen zu sein. Wenn wir uns selbst als kompetent und stark wahrnehmen, wenn die Gedanken klar sind und das Handeln auf das Ziel ausgerichtet wird.

7. Verändertes Zeitgefühl

Da wir beim Flow nur unsere jeweilige Aufgabe wahrnehmen und alles andere um uns herum ausblenden, verändert sich meist auch das Zeitgefühl. Oft scheint die Zeit zu fliegen – und man wird dann beispielsweise vom Feierabend überrascht. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Dann ziehen sich Minuten ins scheinbar Endlose. Das hängt von der jeweiligen Aktivität ab. Es ist aber auf jeden Fall ratsam, sich einen entsprechend großen Zeitrahmen zu sichern, bevor man mit der Aufgabe beginnt.

8. Aussetzen des Ich-Bewusstseins

Wer in seiner Aufgabe aufgeht, vergisst sich darüber schnell selbst. Dann existiert kein Bewusstsein mehr für die eigenen Wünsche, Sorgen, Pläne oder Verpflichtungen. Solange unsere Aufmerksamkeit ausschließlich der betreffenden Aufgabe gilt, sind wir von all dem befreit. Es ist ein unbeschwerter Zustand, der als sehr beglückend erlebt wird. Das Ich scheint vorübergehend ausgelöscht. Endet das Fließen, dann fühlt sich das mitunter an wie das Erwachen aus einem tiefen Schlaf und man fühlt sich entsprechend erfrischt und gestärkt. Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass Menschen, die häufiger im Flow-Zustand arbeiten, ein höheres Selbstwertgefühl aufweisen.

Mehr Lebens- und Arbeitsqualität durch Flow

Flow-Erlebnisse verbessern ohne Frage nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Arbeitsleistung. Daran kann kein Zweifel bestehen. Dennoch gibt es im Arbeitsalltag der meisten von uns wenig Gelegenheit für derartige Erfahrungen. Es scheint vor allem wichtig zu sein, dass Beschäftigte alle Vorgaben erfüllen. Sie werden an ihre Arbeitsumgebung angepasst. Deswegen erleben viele von uns ihre Arbeit als notwendiges Übel und warten schon am Montag auf das kommende Wochenende. Das ist sehr bedauerlich. Denn letzten Endes besitzt die Arbeit das Potenzial, ein intensives Gefühl von Lebendigkeit und Glück hervorzurufen.

Wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind und nicht recht wissen, wie Sie das ändern können, dann klicken Sie einfach auf den Hilfe-Button und machen einen Termin für ein kostenloses Gespräch mit mir. Lassen Sie uns miteinander reden und herausfinden, wie Sie mehr Freude bei der Arbeit haben können.