Regie führen!

Es entspricht einer typischen Alltagserfahrung, dass manche Situationen starke negative Gefühle auslösen können. Das passiert im Arbeitsleben nicht seltener als anderswo. Wir fühlen uns dann tief gekränkt, empfinden unbändige Wut u.ä. Es liegt nicht in unserer Macht, das Entstehen derartiger Gefühle zu verhindern. Sie sind plötzlich da, nehmen überfallartig von uns Besitz. Sie können schmerzen, verwirren und bewirken mitunter, dass wir uns selbst kaum wiedererkennen. Es scheint so, als würde da etwas mit uns geschehen, auf das wir keinen Einfluss haben.

Und wir können auch tatsächlich nicht darüber entscheiden, welches Gefühl in welcher Situation in uns hochkommen soll. In dieser Hinsicht sind wir Ausgelieferte. Bestimmte Außenreize lösen geradezu reflexartig entsprechende Gefühle aus.

Wir sind deshalb aber keineswegs Opfer unserer Gefühlswelt. Denn obwohl wir nicht frei über unser Empfinden entscheiden können, so besitzen wir doch immerhin die Freiheit, über unser Handeln zu entscheiden. Gefühle lösen keineswegs reflexartig bestimmte Handlungen aus. Es liegt in unserer Entscheidungsgewalt, was wir tun und wie wir auf die betreffende Situation reagieren wollen. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf dieser Welt.

Denn wir sind unseren Impulsen nicht ausgeliefert. Es besteht keine zwangsläufige Verknüpfung zwischen dem Empfinden und unserem Tun. Wir alle kennen negative und schmerzliche Gefühle. Wir teilen die Erfahrung von Gekränktheit, Trauer, Wut, Empörung, Verzweiflung und dergleichen. Unsere Identität bildet sich im Umgang mit diesen Gefühlen. Was bewirken sie in uns? Welchen Einfluss haben sie auf das Handeln?

Hier zeigt sich der Charakter. Und für mich gilt in diesem Zusammenhang eine simple und universelle Regel: Handle stets so wie die Person, die du sein möchtest! Egal, was uns widerfährt: Es ist immer eine gute Idee, erst einmal innezuhalten, sich selbst und die Situation zu reflektieren und sich anschließend für eine Handlung bewusst zu entscheiden; eine Handlung, hinter der wir mit ganzer Person stehen können. Denn auf diese Wiese brauchen wir uns niemals hilflos und ausgeliefert zu fühlen. Wir sind Regisseure, keine Opfer. Zudem erhalten uns unsere Würde. Und das ist das Wichtigste überhaupt.

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