Archiv für den Monat: Dezember 2018

Regie führen!

Es entspricht einer typischen Alltagserfahrung, dass manche Situationen starke negative Gefühle auslösen können. Das passiert im Arbeitsleben nicht seltener als anderswo. Wir fühlen uns dann tief gekränkt, empfinden unbändige Wut u.ä. Es liegt nicht in unserer Macht, das Entstehen derartiger Gefühle zu verhindern. Sie sind plötzlich da, nehmen überfallartig von uns Besitz. Sie können schmerzen, verwirren und bewirken mitunter, dass wir uns selbst kaum wiedererkennen. Es scheint so, als würde da etwas mit uns geschehen, auf das wir keinen Einfluss haben.

Und wir können auch tatsächlich nicht darüber entscheiden, welches Gefühl in welcher Situation in uns hochkommen soll. In dieser Hinsicht sind wir Ausgelieferte. Bestimmte Außenreize lösen geradezu reflexartig entsprechende Gefühle aus.

Wir sind deshalb aber keineswegs Opfer unserer Gefühlswelt. Denn obwohl wir nicht frei über unser Empfinden entscheiden können, so besitzen wir doch immerhin die Freiheit, über unser Handeln zu entscheiden. Gefühle lösen keineswegs reflexartig bestimmte Handlungen aus. Es liegt in unserer Entscheidungsgewalt, was wir tun und wie wir auf die betreffende Situation reagieren wollen. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf dieser Welt.

Denn wir sind unseren Impulsen nicht ausgeliefert. Es besteht keine zwangsläufige Verknüpfung zwischen dem Empfinden und unserem Tun. Wir alle kennen negative und schmerzliche Gefühle. Wir teilen die Erfahrung von Gekränktheit, Trauer, Wut, Empörung, Verzweiflung und dergleichen. Unsere Identität bildet sich im Umgang mit diesen Gefühlen. Was bewirken sie in uns? Welchen Einfluss haben sie auf das Handeln?

Hier zeigt sich der Charakter. Und für mich gilt in diesem Zusammenhang eine simple und universelle Regel: Handle stets so wie die Person, die du sein möchtest! Egal, was uns widerfährt: Es ist immer eine gute Idee, erst einmal innezuhalten, sich selbst und die Situation zu reflektieren und sich anschließend für eine Handlung bewusst zu entscheiden; eine Handlung, hinter der wir mit ganzer Person stehen können. Denn auf diese Wiese brauchen wir uns niemals hilflos und ausgeliefert zu fühlen. Wir sind Regisseure, keine Opfer. Zudem erhalten uns unsere Würde. Und das ist das Wichtigste überhaupt.

Wie brutal ist unsere Arbeitswelt?

Kürzlich war ich Gast in einer Talkshow und hatte dort Gelegenheit, über „mein“ Thema zu sprechen. Als Expertin für Arbeitsfreude bin ich überzeugt, dass wir uns nicht zu viel Frust und Unglück am Arbeitsplatz leisten sollten. Statt dessen sollten wir lernen, auch unter suboptimalen Bedingungen jeden Tag glückliche Momente zu schaffen. Glück ist nun mal eine Eigenleistung und sie hat stets die Qualität des Trotzdem. Wir dürfen mit dem Glücklichsein nicht warten, bis eines Tages vielleicht alles um uns herum in Ordnung gekommen ist. Vielmehr müssen wir die Arbeit auch dann genießen, wenn wir ebenso Grund hätten, uns zu beklagen. Letzten Endes geht es dabei um Selbstmanagement und die Frage, welchen Faktoren in unserem Leben wir wie viel Macht über uns geben und wie frei wir innerlich sind.

Es gibt ein kurzes Video über meinen Auftritt in der Talkshow, das ich in den sozialen Medien geteilt habe. Ich war darauf gefasst, dass mir nicht jeder zustimmt. Allerdings war ich dann trotzdem überrascht, wie tief die Bitterkeit über die bestehenden Arbeitsverhältnisse bei einigen Menschen doch ist. Sogar, wenn sie einen hochqualifizierten Job machen. Es leuchtet ein, dass es schwieriger ist, seinen Job zu lieben, wenn man im Schlachthaus zum Mindestlohn beschäftigt wird und jeden Tag knöcheltief in Blut watet. Aber offenbar erleben auch gut ausgebildete Menschen, die in einem gepflegten Büro sitzen, ähnliche Frustration. Eine Kommentatorin schrieb beispielsweise: „Glück am Arbeitsplatz“ – finde den Fehler!

Andere sprachen vom „deutschen Mobbing System“ (was auch immer das bedeuten mag) oder davon, dass Arbeit Sklaverei sei. Und obwohl ich die Gründe für Unzufriedenheit und Frustration nicht in Frage stelle, bleibe ich doch dabei: Jeder hat die Verantwortung für sein Glück und kann selbst entscheiden, welchen Faktoren er in seinem Leben Macht über sich geben will. Das Glück ist niemals ein Dauerglück, es kann nur episodisch sein. Grundsätzlich gibt uns jeder Job die Chance auf glückliche Momente. Es liegt an uns selbst, ob wir diese Chancen nutzen.