Aufrecht gehen!

Mr. Trump zeigt uns gerade, wie man sich herausredet. Ausreden sind generell sehr beliebt und viele von uns erweisen sich dabei als bemerkenswert fantasievoll (Donald Trump gehört eher nicht dazu…). Man muss wohl erst richtig erwachsen werden, um auf Ausreden verzichten zu können. Denn eine Ausrede demonstriert nichts weiter, als dass man nicht zu sich steht und sich nicht in der Lage fühlt, Verantwortung für die eigene Person zu übernehmen. So etwas ist immer erbärmlich. Und wer gar dabei erwischt wird, erntet bestenfalls ein wenig Mitleid, meistens jedoch eine gehörige Portion Geringschätzung.

Aber nicht nur Ausreden demonstrieren unsere Schwäche. Auch die Bemühungen, das eigene Sein vor  anderen zu verbergen, beweisen, wie schwer es fällt, zu sich selbst zu stehen. Sich zu verbiegen, gehört zum Alltag. Wer wagt es schon, in irgendeiner Weise aufzufallen? Herauszuragen? Wer traut sich schon, im Job seine Überforderung zuzugeben? Wer wehrt sich gegen unzumutbare Zustände oder Unrecht, wenn er sich in einer unterlegenen Position wähnt? Das Dumme ist nur: Wer sich eh schon ängstlich und unterlegen fühlt und sich deswegen duckt, macht die Sache schlimmer. Denn er zementiert damit eigenhändig seine Unterlegenheit.

Wir brauchen mehr Menschen, die aufrecht gehen und es wagen, sich zu zeigen. Die nicht solche Angst davor haben, jemand könnte erkennen, wie sie wirklich sind. Die sich trauen, unvollkommen zu sein, manchmal ängstlich, bedürftig, unsicher, wütend, hilflos, traurig, verletzt, unbeholfen … Wir brauchen mehr Menschen, die all die Seiten in sich zulassen, die niemand so recht an sich leiden kann und die dennoch zu jedem von uns gehören. Wenn wir alles zulassen könnten, was zu uns gehört, dann würde etwas Wunderbares passieren: Dann würde unsere Welt menschlicher (nicht nur die Arbeitswelt!), wir würden damit beginnen, uns endlich ganz zu fühlen. Wir könnten aufrecht gehen und es fiele uns leichter, auch andere gelten zu lassen. Wir müssten nur damit beginnen, ein wenig liebevoller mit uns selbst umzugehen, indem wir uns erlauben, zu sein, was wir sind und aufrecht durchs Leben gehen, ohne Verleugnung, Ausreden und Versteckspiele.

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