Archiv für den Monat: September 2017

Mit Persönlichkeit punkten

Diese Woche hatte ich einen ziemlichen Schreckmoment. Ich sollte zwei Workshops auf einer Messe halten. Als ich ankam, fiel mir siedendheiß ein, dass ich meinen Laptop vergessen hatte. Somit fehlte mir meine Powerpoint-Präsentation. Vier Stunden vor den Menschen stehen – ohne die Möglichkeit, ihnen Folien zur Verdeutlichung der Inhalte zu liefern.

Der Schreck ließ jedoch ganz schnell nach, nachdem ich beschlossen hatte, dann eben die Folieninhalte anders rüberzubringen. Was soll ich sagen? Es wurden meine besten Auftritte seit langem. Die Bilder auf meinen Folien habe ich meinen Zuhörern einfach sehr lebendig beschrieben, sodass jeder das entsprechende Bild vor seinem geistigen Auge hatte. Die Inhalte konnte ich teilweise schauspielerisch darstellen. Einige wenige Zusammenhänge musste ich auf dem Flipchart skizzieren. Das Ergebnis: Viel mehr Intensität und eine größere Nähe zu meinem Publikum. Ich habe nicht einfach Inhalte vermittelt, ich WAR der Inhalt. Die Atmosphäre war gekennzeichnet von hoher Konzentration, Humor und Leichtigkeit.

Tatsächlich gab es immer schon gute Geschichtenerzähler und sie hatten viele Jahrtausende lang kein Powerpoint als Unterstützung. Persönliche Überzeugungskraft ist viel wichtiger beim Präsentieren als technischer Support. „Wie gestalte ich eine gute Folie?“ ist somit eine eher unbedeutende Frage. Viel bedeutsamer ist es hingegen, dass man prüft: „Wie stehe ich selbst zu den Inhalten? Was bedeuten sie mir?“ Denn davon hängt das Ergebnis ab. Wer mit Hingabe und Leidenschaft spricht, kann locker auf Technik verzichten.

Das vergisst man im Alltagsgeschäft gerne, weil jeder eine gute Technik erwartet und die technischen Möglichkeiten natürlich auch sehr reizvoll sind. Sie können eine hohe Sogwirkung entfalten. Hinzu kommt, dass Hingabe und Leidenschaft in der Geschäftswelt fast schon als unprofessionell gelten. Aber letzten Endes entscheidet sich der Erfolg nicht durch die Beherrschung von Präsentationstechniken, sondern danach, wer wir sind und wie wir als Person wirken.

Wenn Du heute besser bist als gestern

Die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren lässt ihre junge Heldin Lotta zu Beginn einer Geschichte sagen:

„Mit mir ist es komisch. Ich kann so viel!“

Jeden Tag entdeckt die kleine Lotta staunend neue Fähigkeiten an sich. Es ist, als würde sie regelmäßig Schätze heben und mit jeder Entdeckung wachsen ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensfreude.

Wir alle waren einmal so wie Lotta. Aber jetzt quälen sich viele von uns durch den Arbeitstag, sind froh, wenn das Wochenende naht. Was ist mit unserer Lernbegeisterung passiert? Warum stürzen wir uns nicht gierig auf neue Erfahrungen statt innerlich aufzustöhnen, wenn wieder eine Herausforderung wartet?

Eines ist sicher: Die Arbeit bietet ein größeres Glückspotenzial als die Freizeit und dabei spielen die täglichen Herausforderungen eine große Rolle. Wo sonst sind wir so regelmäßig mit neuen Situationen konfrontiert, auf die wir uns einstellen müssen? Ja, das ist anstrengend, aber darin liegt auch eine großartige Chance. Denn die Natur hat es so eingerichtet, dass Glückshormone ausgeschüttet werden, wenn wir uns anstrengen. Aus Sicht der Evolution macht diese Belohnung Sinn: Denn wer sich anstrengt, hat bessere Überlebenschancen.

Wir können von unserer Lernbereitschaft nur profitieren:

  • Sie macht uns glücklich, weil der Körper als Reaktion auf die Anstrengung Glückshormone ausschüttet.
  • Sie macht uns stolz und stärkt unser Selbstvertrauen, weil wir uns als kompetent erleben.
  • Sie macht uns erfolgreich, weil wir im Laufe der Zeit immer schlauer, tüchtiger und effektiver werden.

Darum wäre es gut, jede Chance für eine Herausforderung zu nutzen, sich auf alles zu stürzen, was neue Erfahrungen im Job verspricht. Lernen ist eine der zuverlässigsten Methoden, um das eigene Leben dauerhaft zu bereichern.

Chef mit Hund

Gerade bin ich damit beschäftigt, nach längerer Zeit mal wieder einen Junghund zu erziehen. Keine Kleinigkeit! Diese Aufgabe fordert mir sehr viel ab:

  • Klares Zielbewusstsein Ich muss wissen, wie ich mir das Leben mit meinem Hund vorstelle. Darf er auf die Couch, muss er mit Kindern klarkommen, soll er Aufgaben übernehmen, wenn ja, welche etc. Ohne Ziele keine Richtung und kein Erfolg.
  • Authentizität Ich muss kompromisslos echt sein. Mein Hund spürt, wenn ich mich verstelle und etwas darstelle, was ich nicht bin. Er wird kein Vertrauen zu mir entwickeln und er wird sehr verwirrt sein, wenn ich unecht bin.
  • Natürliche Autorität Drohen und bestrafen kann jeder, aber so baut man keine wirkliche Beziehung auf, weder zum Hund, noch zum Menschen. Angst ist keine gute Basis für das Miteinander. In einem Wolfsrudel wird für gewöhnlich nicht der stärkste Wolf Chef, sondern der mit der größten Souveränität. Solch ein Wesen vermittelt den  anderen Rudelmitgliedern Sicherheit und Überlegenheit. Man folgt ihm deshalb freiwillig und fühlt sich bei ihm gut aufgehoben.
  • Einfühlungsvermögen Wenn mein Hund dem Rückruf erst nach längerem Zögern Folge leistet, darf ich nicht schimpfen, sondern ich muss mich freuen. Denn der Hund soll ja auch in Zukunft gerne zu mir kommen. Wenn er gerade eifrig einer Spur nachgeht, sollte ich ihn nicht streicheln, auch wenn mir gerade danach ist, usw. Ein harmonisches Zusammensein, von dem beide Seiten profitieren, setzt Einfühlungsvermögen voraus.
  • Geduld Oft versteht der Hund nicht, was ich von ihm will. Oder er schafft das Geforderte einfach noch nicht. Da brauche ich Geduld. Ich muss ihm Zeit geben und darf nicht zu viel auf einmal verlangen.
  • Zuversicht Ich muss an meinen Hund glauben. Er spürt sofort, was ich von ihm halte. So wird jede meiner Annahmen ganz schnell zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Mein Hund ist besser dran, er wird mehr lernen und leisten, wenn ich ihm etwas zutraue. Ich muss sein Selbstvertrauen stärken, ihn ermutigen und loben.
  • Gute Laune Mein Hund soll sich gerne auf mich einlassen. Wenn ich ein Trauerkloß oder Langweiler bin, geht es ihm nicht gut mit mir und er wird sich nicht gerne mit mir beschäftigen.
  • Wohlwollen Der Hund muss spüren, dass ich Gutes für ihn will, dass ich auf seiner Seite und ein wohlwollender Rudelführer bin. Dann vertraut er mir und wir werden viel besser kooperieren.

Diese Tugenden werden mir als Hundeführerin abverlangt – und noch ein paar mehr.

Ich bin mir ziemlich sicher: All das lässt sich auf die Führung von Mitarbeitern übertragen. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, dass jemand gut mit seinem Hund klarkommt, bin ich geneigt, ihn auch für einen guten Chef zu halten.