Archiv für den Monat: August 2017

Wenn Mitarbeiter die Perspektive wechseln würden…

Der eigene Chef wird nicht selten für Mitarbeiter zum Kündigungsgrund. Beschäftigte sehen mitunter keine Möglichkeit mehr zu einer befriedigenden Kooperation mit ihrem Vorgesetzten. Sie fühlen sich missachtet, ausgebremst, bevormundet, hintergangen etc. Dergleichen wird auf Dauer unerträglich. Bis es dann schließlich zum Jobwechsel kommt, ist viel passiert.

Tatsächlich garantiert aber auch der neue Arbeitsplatz nicht unbedingt eine Besserung. Denn überall sitzen Menschen mit Defiziten auf den Chefsesseln. Das Problem könnte also am neuen Arbeitsplatz eine Fortsetzung erfahren. Vielleicht mit einer anderen Variante… Was tun?

Es ist grundsätzlich immer eine gute Idee, in einem solchen Fall die Perspektive zu wechseln. Denn wer seine Vorgesetzten versteht und ihr Verhalten durchschaut, gewinnt größere Handlungsspielräume und kann im Idealfall sogar in der Beziehung zum Vorgesetzten die Führung übernehmen. Dazu drei Beispiele:

  1. Chef wird man aus unterschiedlichen Gründen, aber nie wegen der eigenen Führungsqualitäten. Die entwickelt man erst später – oder eben gar nicht. Deshalb wird in den meisten Fällen schlichtweg Überforderung die Ursache für Führungsfehler sein. Viele Chefs würden sich kooperativer verhalten, wenn ihnen im Team eine unterstützende statt kritische Haltung entgegengebracht würde. Wer sich überfordert fühlt und zusätzlich kritisiert wird, gerät in Not und kann eben nicht immer angemessen reagieren.
  2. So mancher Vorgesetzte muss seine Führungsaufgabe nebenher erledigen. Er trägt nicht nur die Verantwortung für seine bisherigen Aufgaben, sondern soll zusätzlich nun auch noch die Verantwortung für das ganze Team übernehmen. Es leuchtet ein, dass man unter dieser Belastung wenig Aufmerksamkeit für das Bestätigungsbedürfnis der Mitarbeiter aufbringen kann. Wer also unbedingt vom Chef bestätigt werden will, sollte sich bemerkbar machen und explizit um ein Feedback bitten.
  3. Da man nicht für Einfühlungsvermögen befördert wird, ist es ganz natürlich, dass Chefs oft nicht zuhören, dass sie nicht verstehen, was ihre Mitarbeiter bewegt und nicht angemessen auf sie eingehen. Entweder passt man als Mitarbeiter seine Erwartungen an die Realität an oder findet einen Weg, sich bemerkbar zu machen.

Das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern ist von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt. Das gibt den Mitarbeitern Macht, meist mehr, als ihnen bewusst ist. Es wäre schade, wenn sie vorschnell auf diese Macht verzichten würden, indem sie frustriert das Feld räumen. Weiterlesen

No risk, no life!

Kürzlich wurde mir leidenschaftlich widersprochen, nachdem ich auf Facebook einen Beitrag über Risikofreude veröffentlicht hatte. Ich selbst bin sehr dafür, regelmäßig Risiken einzugehen, nicht tollkühn, sondern wohlkalkuliert, aber eben durchaus mutig.

Mein Plädoyer für Risikofreude traf auf heftigen Widerspruch. Ein Kommentator meinte, das Wohlbefinden käme niemals von der Risikofreude, sondern nur von der Freiheit. Ach ja? Und woher kommt wohl die Freiheit?

Für mich bedeutet Freiheit, dass ich tun kann, was ich möchte; denken, was ich will und glauben, was ich für richtig halte. Wenn ich frei bin, treffe ich meine eigenen Entscheidungen. Wer aber das Risiko scheut, kann nicht entscheiden. Seine Angst tut das für ihn. Angst engt ein, begrenzt den Horizont der Möglichkeiten. Angst führt zu furchtsamem Erstarren, aber niemals zur Freiheit. Je freier wir sein wollen, desto risikofreudiger müssen wir sein. Indem wir zu Risiken bereit sind, erschließen wir uns Stück für Stück die Welt und machen uns vertraut, was zuvor fremd und womöglich sogar furchteinflößend war. Wir erweitern unsere Freiheitsgrade, wenn wir auf unbekanntes Terrain vorstoßen. Da wir nicht sicher voraussagen können, was uns dort erwartet, müssen wir eben mutig sein. Risikofreudig. Risiko und Freude gehen häufig Hand in Hand:  „No risk, no fun.“

Schlimmer noch: No risk, no life! Ohne Risikobereitschaft sind wir Gefangene und die Angst wird zu unserem Kerkermeister. Das ist kein Leben. Lebendigkeit bedeutet, sich einzulassen, Neues zu erfahren, sich selbst zu erproben. Auf diese Weise entwickeln wir uns weiter, wir lernen und reifen. Und dabei erweitern wir nebenbei auch unsere Freiräume. Nur so funktioniert es! Angenehm ist das nicht immer. Aber Wohlbefinden hätte keinen Wert, wäre es nicht durch sein Gegenteil definiert. Wir können uns eben nur richtig gut fühlen, wenn wir auch das Unbehagen kennen.