„Authentisch“ ist kein Luxus

In der Arbeitswelt scheint Verstellung zum Alltag zu gehören. Man hat den Eindruck, als wäre Unaufrichtigkeit Teil der beruflichen Rolle. Selbstverständlich ist es nicht ratsam, sich hemmungslos gehen zu lassen und das eigene Verhalten blindlings von Impulsen bestimmen zu lassen. Dennoch sollten wir uns selbst treu bleiben – egal, was kommt.

Denn Verstellung ist anstrengend und gefährlich. Anstrengend, weil wir ständig etwas in uns unterdrücken müssen, wenn wir nicht authentisch agieren. Nicht sagen zu dürfen, was man denkt, etwas darzustellen, was man nicht ist – das macht einen enormen Energieaufwand erforderlich. Diese Energie fehlt dann anderswo und kann beispielsweise nicht der Arbeit zugutekommen. Zudem gelingt das Schauspiel nicht zuverlässig. Denn ohne dass wir es bemerken, entschlüpfen uns verräterische Signale. Unkontrollierte Mimik, ein kleines Zögern im entsprechenden Augenblick, die falsche Stimmlage, die nicht zur Aussage passt – diese und ähnliche Signale werden uns unweigerlich früher oder später verraten. Sie wirken auf die Umgebung mitunter sehr irritierend, weil Aussagen und Körpersprache nicht zusammenpassen.

Gefährlich ist die Verstellung vor allem deshalb, weil wir uns selbst fremd werden, wenn wir zu oft eine Rolle spielen. Da wir erst gar nicht mehr danach fragen, was wir wirklich fühlen und wollen, sondern nur noch damit beschäftigt sind, unsere Rolle so gut wie möglich auszufüllen, verlieren wir uns selbst aus dem Blick. Dann ist es nicht mehr möglich, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und gut für sich selbst zu sorgen. Manch einer fühlt sich unzufrieden und innerlich leer, ohne recht zu wissen, warum.

Wir sollten uns also treu bleiben. Für konfliktträchtige Situationen empfehle ich soziales Geschick und die Kunst der Diplomatie. So ist nicht nur gewährleistet, dass unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse Berücksichtigung finden können, sondern wir sind auch eher in der Lage, eigene Ideen und Werte in die Arbeit einzubringen. Und das kann zu einem Gewinn für alle Beteiligten werden.

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