Beharrlich und flexibel

Auf Facebook habe ich kürzlich den Satz gelesen: „Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals das Ziel.“

Was wie Entschlossenheit und Stärke daherkommt, ist in Wirklichkeit eine Dummheit. Denn es stimmt zwar, dass Beharrlichkeit eine unverzichtbare Eigenschaft darstellt, wenn man große und lohnende Ziele verwirklichen will. Ich mag dieses Zitat von Calvin Coolidge, und es beeindruckt mich immer wieder aufs Neue: „Nothing in this world can take the place of persistence. Talent will not; nothing is more common than unsuccessful men with talent. Genius will not; unrewarded genius is almost a proverb. Education will not; the world is full of educated failures. Persistence and determination alone are omnipotent.“

Das sind starke Worte. Und dennoch: Beharrlichkeit kann sehr gefährlich werden, wenn blinde Sturheit daraus wird. Denn neben der Beharrlichkeit brauchen wir Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auch reizvolle Ziele aufzugeben. Weil wir unterwegs feststellen, dass der Preis zu hoch ist; oder dass wir das Ziel falsch eingeschätzt haben; oder dass wir uns selbst falsch eingeschätzt haben. Auch Ziele haben ein Verfallsdatum… Hinzu kommt, dass wir nicht allmächtig sind. Manchmal können wir bestimmte Ziele nicht erreichen, weil sie nicht im Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Für Ziele gilt (wie für anderes auch) das Prinzip des Sowohl-als auch: Wir brauchen sowohl Beharrlichkeit, um ehrgeizige Ziele zu erreichen als auch die nötige Flexibilität, um ein Ziel aufzugeben, sobald wir merken, dass es nicht stimmig ist.

3 Gedanken zu „Beharrlich und flexibel

  1. Dieter Finkeldei

    Verehrte Frau Lemper-Pychlau,
    mittlerweile bin ich ein Fan Ihrer Impulse und reflektiere diese still. Heute beteilige ich mich mal…
    Im Grunde treffen die unterschiedlichen Dominanzen, die nun mal existent sind, immer wieder aufeinander. „Resolutes gehe nach vorn“ vs. „denke doch noch mal drüber nach und lass den Quatsch“.
    In der Wissenschaft gibt es nur zwei Wege, geht…oder geht nicht. Geht nicht…führt zwangsweise zu Veränderung eines Planes. Wobei „Plan“ auch ein kleiner Schritt sein kann. Und so sollte man das auch sehen. Es sind die kleinen wunderbaren Schritte, die unsere Neugier immer wieder beflügelt und mit einer methodischen Arbeitsweise niemanden belasten sondern sogar Glück bewirken.
    Ich verstehe durchaus Ihre Aussage, jedoch…
    Dummheit ist so ein starker, verletzender Begriff. Sicherlich nicht so gemeint.

    Antworten
    1. Marion Lemper-Pychlau Artikelautor

      Vielen Dank für Ihre Reflexion, Herr Finkeldei. Die „Dummheit“ ist meiner Ungeduld geschuldet. Ich lese und höre allzu viele solcher naiven Botschaften nach dem Motto: Du musst es nur wollen, dann kannst du einfach alles erreichen! Tatsächlich ist Entschlossenheit eine notwendige, aber keinesfalls hinreichende Bedingung… Und wer dann scheitert, weil er sein Ziel nicht erreicht, gibt sich womöglich noch selbst die Schuld dafür… Ich finde, wir müssten uns mehr mit der Frage beschäftigen, wie wir mit unseren Grenzen umgehen.

      Antworten
      1. Dieter Finkeldei

        Da stimme ich Ihnen zu!
        Männer haben naturgemäß, aber auch gesellschäftsgeprägt, größere Schwierigkeiten Ihre Grenzen zu akzeptieren. Letztendlich auch noch die Frage nach der altersbedingten Verschiebung der Leistungsfähigkeit und deren Wahrnehmung. Wobei zunehmend festzustellen ist, das auch junge Frauen ihre Leistungsgrenzen ignorieren. Leistungsgesellschaft…
        Aus diesem Grund ist es außerordentlich wichtig, Führungskräfte für dieses Thema zu sensibilisieren. Führung wird m.E. viel zu gering betrachtet und könnte dabei viel bewirken.
        BG und eine schöne Woche

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.