Archiv für den Monat: Dezember 2016

Das cleverste Machtmittel, das ich kenne

Weihnachten gilt bei uns traditionell als Fest der Liebe. Wir bemühen uns zu dieser Zeit des Jahres, anderen Menschen Gutes zu tun. Wir spenden an gemeinnützige Organisationen und kaufen Geschenke für Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Geschäftspartner… Wir wissen grundsätzlich natürlich ganz genau, dass wir unsere Mitmenschen lieben sollten und besinnen uns zur Weihnachtszeit wieder darauf.

Liebe ist fraglos ein moralisches Prinzip, das wohl kaum jemand in Frage stellen würde. Aber Liebe ist weit mehr als das: Liebe ist das cleverste Machtmittel, das ich kenne. Der Philosoph Michel de Montaigne brachte diese simple Tatsache bereits im 16. Jahrhundert auf den Punkt: „Liebe ist die beständigste Macht der Welt.“ Und auch Martin Luther King wusste um diesen Zusammenhang: „Wahre Macht ist Kind der Liebeskraft.“

Wer anderen Menschen aufrichtiges Wohlwollen entgegenbringt, gewinnt Macht über sie. Wir können andere nur beeinflussen, wenn sie sich von uns angenommen fühlen und spüren können, dass wir ihr Bestes wollen. Oder würden Sie auf jemanden hören, dem Sie gleichgültig sind oder der sie nicht mal leiden kann?

Es ist schwer, Einfluss zu nehmen, wenn man damit nur den eigenen Vorteil im Sinn hat. Wer auf diese Weise Macht ausüben will, der muss sich etwas einfallen lassen, um an sein Ziel zu kommen: Er kann locken, täuschen, falsche Versprechungen machen oder ganz einfach Gewalt ausüben. Vermutlich ist genau das der Grund, warum Macht so sehr in Verruf geraten ist. Tatsächlich aber ist Macht neutral. Macht bedeutet nur, dass man über die Mittel verfügt, etwas zu erreichen. Fragt sich nur, welche Mittel das sind…

Mehr Commitment!

Seit einiger Zeit bin ich auf Facebook aktiv und erhalte regelmäßig Freundschaftsanfragen. Natürlich schaue ich mir die Leute genauer an, die sich mit mir befreunden wollen. In der Chronik lese ich dann häufiger unter „Beziehungsstatus“: „Es ist kompliziert.“ Solche Leute lehne ich für gewöhnlich ab.

Es gibt viele Menschen, die sich einen Job suchen und bei klarem Verstand einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Trotzdem jammern sie anschließend über ihren Job und sind froh um jede Stunde, die sie dort NICHT arbeiten müssen. Derartiges Verhalten ringt mir nicht gerade Respekt ab. Ich finde es zudem schwer, diesen Menschen Vertrauen entgegen zu bringen.

Hingegen schätze und vertraue ich Menschen, die klare Entscheidungen treffen und dann dazu stehen. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die Ambivalenzen aushalten können und inmitten all der Mehrdeutigkeit Position beziehen. Menschen, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen und die Konsequenzen zu tragen. Menschen, die bereitwillig und ohne Leidensmine die Schattenseiten ihrer Entscheidungen akzeptieren. Menschen, die wissen, was Commitment ist. Menschen, die kein Paradies auf Erden erwarten und Unangenehmes wegstecken können. Weil nun mal alles mehr als eine Seite hat. Menschen, die wissen, dass jede Entscheidung für eine bestimmte Sache zugleich eine Entscheidung gegen die Alternativen ist und die dennoch entscheidungsfreudig sind. Solche Menschen respektiere ich.

Immer schön ans Ölkännchen denken!

Weihnachten als Fest der Liebe. Man schreibt sich gegenseitig Karten und macht sich Geschenke. Diese Woche wollte der Hessische Rundfunk von mir wissen, wie man Freundschaften pflegt. Na ja, da kann wohl jeder etwas dazu sagen. Freundschaften brauchen irgendeine Art von Pflege, sonst schlafen sie ein. Klarer Fall!

Aber auch Beziehungen, die nicht freundschaftlicher Natur sind, brauchen Pflege. Ich nenne das für mich „schmieren“. Immer, wenn wir mit einem bestimmten Menschen regelmäßig zu tun haben, sollten wir zusehen, dass diese Kontakte reibungslos verlaufen. Und dazu braucht man eben eine Art von Schmiere. Sonst dreht sich das Räderwerk dieser Beziehung mit der Zeit immer schwerer und schwerer, bis schließlich nichts mehr geht.

Menschen sind sehr bedürftig. Sie wollen gesehen werden, sie wollen bestätigt werden, sie wollen wichtig sein. Das gilt auch im Geschäftsleben und wir dürfen es nicht vergessen. Jeder Kooperationspartner hat diese Bedürfnisse, denn sie sind in unseren Genen verankert. Je selbstverständlicher wir sie berücksichtigen, desto leichter können wir uns in der Sache einig werden. Die Beziehungsebene bestimmt immer über die Sachebene. Deswegen nie das Ölkännchen vergessen!