Archiv für den Monat: Oktober 2016

Motiviert euch nicht leichtfertig!

Ich arbeite gerade hart an einem Vortrag, den ich nächste Woche vor mehreren hundert Menschen halten werde. Für mich bedeutet das eine große Verantwortung und ich habe Respekt vor der Zeit, die diese Menschen sich für meine Botschaft nehmen. Da ist neben all der Mühe auch Druck im Spiel, keine Frage.

Trotzdem genieße ich die Situation, freue mich auf den Auftritt und die Chance, für so viele Menschen 90 Minuten gewinnbringend zu gestalten. Und genau so sollte Arbeit sein: herausfordernd und erfüllt von Freude. Der Anteil der Arbeit, zu dem man sich motivieren muss, darf nicht überhand nehmen. Er muss so gering wie möglich gehalten werden.

Wenn wir uns motivieren, dann genießen wir nicht den Moment, sondern nehmen stattdessen für diesen Moment Unannehmlichkeiten in Kauf, um später dafür eine Belohnung zu erhalten. Der Blick ist bei der Selbstmotivierung immer in die Zukunft gerichtet. Aber was ist mit dem Augenblick?

Freude ist Lebensqualität für den Augenblick. Und der ist das Einzige, was uns wirklich gehört. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ungewiss. Aber im Augenblick sind wir lebendig. Wenn wir zu viele solcher Augenblicke mit Selbstmotivierung versauen, sinkt die Lebensqualität. Deswegen sollten wir bewusster entscheiden, welche Dinge unsere Selbstmotivierung verdienen und welche nicht.

Die Grenzen der Arbeitsfreude

Als Deutschlands einzige Expertin für Arbeitsfreude kenne ich viele Mittel und Wege, auch aus einem wenig prickelnden Job viel herauszuholen. Aber ich weiß auch um die Grenzen: Keiner meiner Tricks und Tipps ist geeignet, eine pausenlose Arbeitseuphorie herzustellen. Und das liegt nicht etwa daran, dass meine Methoden nicht wirksam wären, sondern es hat damit zu tun, dass unsere Biologie uns Grenzen setzt:

Glück entsteht vor allem, wenn wir etwas unerwartet Gutes erleben. Dann sind wir hellwach, wir merken uns diese Situation sofort und streben fortan danach, sie so oft wie möglich zu wiederholen. Glück soll uns beim Lernen helfen. Die Evolution nutzt Glücksgefühle, damit wir verstehen, was gut für uns ist und diese Erfahrung wiederholen. Da gibt es aber ein kleines Problem: Immer, wenn wir das Gute dann zur Gewohnheit gemacht haben, verschwindet das Glück. Aus Sicht der Evolution ist es ganz einfach nicht mehr nötig, unser nützliches Handeln mit Glücksgefühlen zu belohnen. Wir haben die Lektion ja gelernt.

Daher werden wir nun wieder losziehen auf der Suche nach neuen glückbringenden Erfahrungen. Wir sind einfach nicht für das Dauerglück geschaffen, sondern nur für dauerndes Streben. Für den Arbeitsalltag bedeutet das: Akzeptieren, dass der Job nicht jede Minute des Tages ununterbrochen Spaß bringen kann, Erwartungen also nicht zu hoch schrauben und stattdessen für Abwechslung sorgen. Je breit gefächerter die Tätigkeiten, desto mehr Glückspotential!