Archiv für den Monat: September 2016

Der Trick mit der Sympathie

Es kommt vor, dass uns ein Mensch vom ersten Augenblick an nicht sonderlich sympathisch erscheint und wir spontan Vorbehalte gegen ihn hegen. Manchmal spielt das keine große Rolle, weil man ohnehin nicht viel miteinander zu tun hat. Aber was, wenn das scheinbar unsympathische Gegenüber zum Kollegenkreis gehört oder man sonstwie kooperieren muss?

Jedes Problem auf der persönlichen Ebene kann das Miteinander auf der Sachebene erheblich erschweren. Das Argument „Wir wollen doch sachlich bleiben!“ mag zwar einer guten Absicht entspringen, aber es ist weit weg von der Realität. Persönliche Antipathie wird sich immer nachteilig für die Zusammenarbeit auswirken. Was also tun?

Hier gibt es einen schönen kleinen Trick: Man bittet die Person, die man nicht mag, um einen kleinen Gefallen. Daraus ergibt sich dann automatisch eine kognitive Dissonanz: Einerseits mag man die Person nicht, andererseits nimmt man ihre Freundlichkeit entgegen. Das ist nicht stimmig. Da aber der Gefallen bereits erfolgt ist, kann man ihn nicht rückgängig machen. Da bleibt nur die Möglichkeit, die eigene Haltung zu verändern. Man entwickelt also positive Gefühle für das Gegenüber, und schon stimmt das Bild. Alles gut!

Nützliche Defizite

745363  Eine  Studie der Unternehmensberatung „Pro Change“ ergab, dass deutsche Arbeitnehmer insgesamt vier Stunden pro Woche damit beschäftigt sind, sich über ihre Vorgesetzten zu beklagen. Das dürfte einerseits einen gewaltigen Produktivitätsverlust nach sich ziehen, der sich volkswirtschaftlich kaum beziffern lässt. Zum anderen entsteht auf diese Weise ungewollt und unbemerkt ein gewaltiges psychisches Problem für die Klagenden.

Wer klagt, macht sich damit selbst zum Opfer. Er sucht Schuldige, keine Spielräume. Klagen zementiert die schlechte Stimmung, denn das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst: Es erhält zunehmende Repräsentanz in den Gedanken und den Gefühlen. Man könnte auch sagen: Wer sich häufig beklagt, zieht sich damit selbst runter.

Die Fixierung auf das eigene Leid und auf die Opferrolle macht zudem handlungsunfähig. Denn Opfer sind per se hilflos. Diese Selbstwahrnehmung mag zwar eine realistische Basis haben – denn Führungskräfte geben durchaus zuweilen berechtigten Anlass zur Kritik – zweckmäßig ist sie jedoch nicht. Wer sich als Opfer fühlt, kann nur verharren und auf Besserung hoffen. Genau damit aber zementiert er seine Hilflosigkeit. Das ist unbefriedigend und belastend. Es gibt glücklicherweise eine Alternative:

Die Defizite des Chefs lassen sich hervorragend für die eigene Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Scheut der Chef beispielsweise Entscheidungen, vergrößern sich damit die Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter. Verhält sich ein Vorgesetzter sozial inkompetent, ist das ein Anlass für die Mitarbeiter, ihrerseits ihre soziale Kompetenz zu verfeinern. Gewährt der Chef zu wenig Freiheit, können die Mitarbeiter sich darauf spezialisieren, auch in kleinen Dingen ihre Spielräume zu entdecken und zu nutzen, um auf diese Weise ihre Arbeit befriedigender zu gestalten. So wird jeder schwierige Chef zu einer Herausforderung, die der Persönlichkeitsentwicklung seiner Mitarbeiter nützlich sein kann. Je schneller wir das begreifen, desto besser. Denn es gibt keine perfekten Chefs und Leiden ist niemals eine Option.