Archiv für den Monat: Juli 2016

Das beste Arbeitsleben von allen

Mit dem Sommer ist auch die Urlaubszeit wieder da. Manche betrachten sie ja als die schönste Zeit des Jahres. Bei dieser Formulierung läuft es mir für gewöhnlich kalt den Rücken herunter. Wie lange dauert solch ein Sommerurlaub? Zwei Wochen? Oder drei? Jedenfalls bleiben dann noch knapp 50 Wochen im Jahr übrig. Wie steht man die durch, wenn die angeblich beste Zeit des Jahres vorbei ist?

Urlaub als Flucht aus dem Alltag? Auch keine attraktive Vorstellung. Schließlich kann es sich nur um eine Flucht auf Zeit handeln und dann? Fühlt man sich dann wieder wie im Gefängnis?

Besser: Urlaub als Möglichkeit zur Erholung. Ausspannen, in den Himmel blicken, ein bisschen wandern, etwas Schönes tun. Aber es darf nichts sein, wozu man sonst nie Zeit findet. Das hieße nämlich logischerweise, dass man in dieser Hinsicht die übrigen 50 Wochen im Jahr zu kurz kommt. Und natürlich ist Erholung nur dann wirklich schön, wenn man sich zuvor entsprechend angestrengt hat.

Für meine Familie und mich ist der Sommerurlaub immer eine Art von Ritual. Wir mieten ein Haus, und wer Zeit und Lust hat, ist dabei. Dann gibt es Fahrten und Wanderungen durch die herrliche Landschaft, viel gemeinsam verbrachte Zeit. Entspannung pur. Für mich persönlich ist es auch immer eine Zeit der Reflexion. Der räumliche Abstand von daheim ermöglicht einen klareren Blick. Bin ich noch auf Kurs? Welche neuen Projekte will ich in Angriff nehmen, was funktioniert für mich gut, was weniger? Jedes Jahr komme ich um einige Ideen reicher nach Hause zurück und kann es kaum erwarten, mich wieder in den Alltag zu stürzen.

Und ich meine: So sollte es sein. Das beste Arbeitsleben ist eines, von dem man keinen Urlaub braucht.

 

Dranbleiben!!!

Ich bin ein Fan von Hermann Scherer. Die meisten seiner Bücher habe ich sorgfältig gelesen, vieles verinnerlicht. Und ich mag seine Postkarten mit Zitaten. Zur Zeit steht eine dieser Postkarten aufrecht auf meinem Schreibtisch, mitten drin in meinem Blickfeld. Darauf, schnörkellos, eine einfache Frage:

Bringt dich das, was du jetzt gerade tust, wirklich deinen Zielen näher?

Seit ich diese Frage permanent vor Augen habe, arbeite ich tatsächlich konzentrierter. Es ist überraschend, erschreckend, erstaunlich, wie leicht ich mich ablenken lasse. Ich befürchte, wir merken im Alltag oftmals gar nicht, dass es gerade mal wieder geschieht. Ich halte mich selbst für zielstrebig. Das stimmt auch; jedenfalls im Vergleich zu den meisten Menschen in meinem Umfeld. Aber es ist dennoch nur begrenzt wahr. Es gibt Schwachstellen in meiner Festungsmauer; es gelingt mir nicht so gut, wie ich möchte, Ablenkungen abzuwehren. Eine neue Mail, eine interessante Webseite, ein Gedanke, den ein Gesprächspartner am Rande äußert, ein Gedanke, der sich spontan uneingeladen in meinem Kopf breitmacht – all das kann plötzlich meine Aufmerksamkeit beherrschen.

Dann ist es gut, wenn mein Blick auf die Postkarte vor mir fällt und ich daran erinnert werde, was ich eigentlich vorhabe. Das hilft sehr. Vielen Dank, Herr Scherer!

Vertrauen braucht Sorgfalt

Heute erhielt ich wieder einmal eine Werbemail mit mehreren Flüchtigkeitsfehlern. Da waren ein paar vertauschte Buchstaben, einige beim hastigen Tippen verfehlte Tasten. Solche Mails pflege ich umgehend zu löschen.

Wenn mir jemand etwas anbietet, ganz gleich ob eine Ware oder eine Dienstleistung, dann will ich für mein Geld eine entsprechende Gegenleistung. Tippfehler sind leicht zu vermeiden, man muss bloß sein Rechtschreibprogramm aktivieren und wird auf die Fehler aufmerksam gemacht. Wenn sich aber ein Anbieter sogar diese kleine Mühe spart, wie kann ich dann vertrauen, dass er sich im Dienst für mich mehr Mühe gibt? Nichts schreckt mich mehr ab als ein lieblos dahingeschmiertes Angebot.

Sorgfalt hingegen erzeugt einen völlig anderen Eindruck. Ein Angebot, das gut durchdacht ist und keine offensichtlichen Fehler aufweist, weckt die Hoffnung auf einen ebensolchen Service.

Sorgfalt ist darüber hinaus auch im zwischenmenschlichen Bereich wichtig. Da verkauft man keine Ware oder Leistung, sondern sich selbst. Wie soll ich jemandem vertrauen, der sich nicht mal anstrengt, mir sorgfältig zuzuhören? Pünktlich zu sein? Sein Wort zu halten? Für diese Dinge besitze ich persönlich nur eine sehr geringe Fehlertoleranz.