Alles bloß Wahrnehmungsfehler!

Wir pflegen die Dinge auf bestimmte Weise zu betrachten. Daraus entstehen dann automatisch die dazu passenden Erwartungen und Wünsche. Das ist normal und funktioniert so selbstverständlich, dass wir im allgemeinen nicht darüber nachdenken. Aber was ist, wenn diese Wünsche sich dann nicht erfüllen, wenn unsere Erwartungen enttäuscht werden?

Neulich besuchte ich ein sehr schön gelegenes Restaurant in der Erwartung, dort gut bedient zu werden. Das Gegenteil war der Fall: Ich wurde überhaupt nicht bedient. Der Kellner war beinahe unsichtbar und wenn er doch einmal in Erscheinung trat, schien er mental abwesend zu sein. Dieses Verhalten deckte sich nicht mit meiner Erwartung. Was jetzt? Da mein Versuch, ihn aus seiner Trance zu holen, scheiterte, musste ich mir nun etwas Neues ausdenken. Grundsätzlich sah ich zwei Möglichkeiten: Ich könnte mich auf die miese Serviceleistung konzentrieren, indem ich den Kellner anbrüllte, den Geschäftsführer verlangte, eine Möglichkeit zur Rache suchte etc. Oder ich könnte mich auf mein Bedürfnis konzentrieren, nämlich in schöner Umgebung etwas Gutes zu essen. Die erste Alternative erzeugt Stress, die zweite verspricht Bedürfnisbefriedigung. Welche ist intelligenter?

Wir sehen die Dinge so, wie wir sie sehen wollen. Als Folge davon versuchen wir, die Welt an die damit verbundenen Erwartungen anzupassen. Und nehmen es dann der Welt übel, dass sie keine Rücksicht auf unsere Wünsche nimmt. Aber die Welt funktioniert, wie sie will, nicht wie wir sie haben wollen. Ich werde wohl in diesem Restaurant ums Verrecken keinen guten Service bekommen. Das ahne ich, nachdem ich nun schon häufiger dort war. Es ist, wie es ist. Ich kann nun wählen: Mich darüber ärgern und mir damit Stress machen, oder ich akzeptiere den Service, wie er ist. Tatsächlich habe ich mich inzwischen auf den schlechten Service eingestellt. Manchmal habe ich viel Zeit und kann es mir leisten, darauf zu warten, dass der Kellner es irgendwann schafft, seinen Job zu machen. Während ich warte, unterhalte ich mich angenehm oder entspanne mich einfach nur beim Nichtstun. Und wenn mir dazu die Lust oder Zeit fehlen, gehe ich halt woanders essen. Aber ich mache mir keinen Stress auf der Basis von Ärger und Frustration.

Im Grunde sind Wahrnehmungsfehler die Ursache für Stress. Wir halten stur an den daraus resultierenden Erwartungen fest. Würden wir uns hingegen mit den Dingen arrangieren, wie sie nun einmal sind, ginge es uns oftmals besser.

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