Archiv für den Monat: April 2016

Wie man die Dinge richtig macht

Neulich habe ich zum ersten Mal eine Sequenz aus der VOX Serie „Shopping Queen“ gesehen (eine ganze Folge hätte ich nicht ausgehalten). Da versuchen die Kandidatinnen allen Ernstes, sich „richtig“ anzuziehen. Guido Maria Kretschmer kommentiert und bewertet die Wahl und das Outfit. Die beste Kandidatin gewinnt. Ich saß vor dem Bildschirm und hörte nicht auf zu staunen. „Aha, diese Kombination geht also gar nicht. Interessant. Und jenes Outfit ist ganz süß.“ Ich selbst bin eine gestandene Frau, die es rundweg ablehnt, süß zu sein. Abgesehen davon fand ich das „süße“ Outfit scheußlich. Und habe mich erstaunt gefragt, woher denn Herr Kretschmer so genau den Unterschied kennt zwischen Dingen, die süß sind und jenen, die gar nicht gehen. Und woher er seinen Bewertungsmaßstab nimmt. Als Psychologin mit fundierter wissenschaftlicher Ausbildung weiß ich, wie schwierig es ist, brauchbare Maßstäbe zu erstellen. Natürlich weiß ich auch, dass Kleidung Geschmackssache ist und nicht wissenschaftlich beurteilt werden kann. Da mich die Maßstäbe des Herrn Kretschmer sehr wenig interessieren, habe ich auf ARTE umgeschaltet. Da erfährt man mitunter Dinge, die sich wirklich zu wissen lohnen.

Kurz darauf habe ich eine zusätzliche berufliche Qualifikation erworben. Dafür musste ich mehrere Prüfungen absolvieren. Meine Prüfer hatten keinen Grund, meine Qualifikation anzuzweifeln. Ich konnte jede Frage „richtig“ beantworten. Die Bestnote habe ich trotzdem nicht bekommen, weil den Prüfern im praktischen Teil der Prüfung etwas nicht gefallen hat. Ich habe ein paar Dinge anders gemacht, als sie sie gemacht hätten. Deshalb wurde mir vorausgesagt, ich würde mit meiner Methode keinen Erfolg haben. Tatsächlich bin ich mit meiner Methode seit zwanzig Jahren bereits erfolgreich. Das hat meine Prüfer verwirrt. Geschieht ihnen recht.

Ich bin es müde, mir sagen zu lassen, wie man die Dinge „richtig“ macht. Letzten Endes läuft das auf Anpassung hinaus. Und mit Anpassung wird man immer nur Mittelmaß produzieren. Das ist mir zu wenig.

Ich schnappe mir jetzt meine Sonnenbrille und gehe mit den Hunden spazieren. Die Brille ist alt, mindestens zehn Jahre. Das Modell würde Herrn Kretschmer nicht gefallen.

Weniger Gefühl, mehr Köpfchen!

Manche Kunden, die mich konsultieren, haben oft zuvor schon sehr lange vergeblich versucht, ihr Problem zu lösen. Mit jedem fehlgeschlagenen Versuch wurden sie verzweifelter und mutloser. Und dann kommen sie zu mir in die Beratung, völlig fertig, manche zynisch, manche depressiv.

Es gibt natürlich wirklich schlimme Probleme, die man niemandem wünschen würde. Probleme, die uns zutiefst verstören, verunsichern und ängstigen können. Das Problem mit diesen Problemen: Sie verursachen sehr starke Gefühle, oftmals einen ganzen Wirrwarr von Gefühlen. Und solange wir uns davon bestimmen lassen, sind wir nicht in der Lage, klug zu handeln. Gefühle zeigen lediglich den Handlungsbedarf an, sie sind jedoch als alleinige Ratgeber für das Handeln völlig ungeeignet.

In meiner Ausbildung zur Psychologin habe ich gelernt, wie wichtig Gefühle sind. Stundenlang haben wir in Kleingruppen geübt, unsere Gefühle zu erforschen und mitzuteilen. Niemand hat uns damals gelehrt, wie falsch es sein kann, sich auf seine Gefühle zu konzentrieren. Aber das ist es! In vielen Situationen brauchen wir mehr Verstand als Gefühl! Die alte Regel, sich erst einmal zu beruhigen, still bis zehn zu zählen oder ähnliches, ist vollkommen richtig! Sobald wir erkannt haben, welche Gefühle sich in uns melden und was sie bedeuten, sollten wir innerlich umschalten auf „rational handeln“ statt „intensiv fühlen“. Das Gefühl gibt nur die Handlungsrichtung vor, aber der Verstand hilft uns, das praktisch umzusetzen, was nötig ist. In Krisensituationen geht eben nichts über einen kühlen Kopf!