Archiv für den Monat: Januar 2016

Das Narzissen-Prinzip

In Südkalifornien, hoch oben in den San Bernardino Mountains, gibt es einen Narzissen-Garten mit 50.000 Blumenzwiebeln. Er wurde von einer einzigen Person angelegt. Sie setzte Jahr für Jahr Zwiebel für Zwiebel in den Boden, insgesamt 35 Jahre lang. Der so entstandene Garten ist atemberaubend schön und zeigt, was eine einzige Person leisten kann, wenn sie ihr Ziel fest im Auge behält und ausdauernd daran arbeitet. Es kommt nicht darauf an, dass wir uns kurzfristig verausgaben. Viel wichtiger ist der lange Atem. Viele kleine Schritte führen am Ende zu etwas Großem.

Wir neigen dazu, zu überschätzen, was wir an einem einzigen Tag leisten können und gleichzeitig zu unterschätzen, was wir schaffen, wenn wir beharrlich kleine Schritte machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie weit wir kommen, wenn wir einfach nur weitermachen, unbeirrbar und unermüdlich.

Ich selbst nutze das „Narzissen-Prinzip“ gerne und oft: Wenn ich ein neues Buch schreibe, meinen großen Garten pflege, für viele Gäste koche, Hunderte von handgeschriebenen Karten verschicke und noch bei vielen anderen Vorhaben. Ich finde es äußerst entspannend. Kleine Schritte, kein Stress, regelmäßige Fortschritte und am Ende ein schöner Erfolg.

Auf ein glückliches Arbeitsjahr!

Der Jahresbeginn ist die Zeit der guten Vorsätze. Laut Umfragen sind es Jahr für Jahr dieselben Dinge, die wir in unserem Leben ändern wollen: gesünder essen, mehr Sport treiben und uns mehr Zeit nehmen für Freunde und Familie. Erstaunlicherweise kommt das Arbeitsleben dabei kaum vor. Es gibt höchstens gute Vorsätze für die Karriereleiter. Dabei verbringen wir den besten Teil unserer Wachzeit mit unserer Arbeit. Sollten wir da nicht versuchen, diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen, um uns lebendig zu fühlen und glücklich zu sein?! Die Schulferien sind nun zu Ende und wir sind fast alle wieder an unseren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Hier kommen fünf gute Vorsätze für ein glückliches Arbeitsjahr:

Ich werde mich nicht beklagen. Kein Arbeitsplatz ist perfekt und es gibt immer irgendwelche Gründe, sich zu beklagen. Durch Klagen und den Blick auf das Negative verstärken sich jedoch die schlechten Gefühle, ohne dass sich etwas an der Situation ändert. Deshalb sollten wir uns auf unsere Handlungsmöglichkeiten konzentrieren statt auf unsere Unzufriedenheit.

Ich werde mutig sein. Ängstliche Anpassung und das Festhalten an der Routine verhindern, dass wir uns lebendig fühlen können. Deshalb brauchen wir den Mut, etwas zu verändern, indem wir zuweilen ungehorsam sind und Neues ausprobieren, statt am Gewohnten festzuhalten. Wir müssen bereit sein, ein paar Risiken einzugehen.

Ich werde meine Spielräume nutzen. Die meisten Sachzwänge sind in Wirklichkeit Denkzwänge. Wir beschränken uns selbst weit mehr, als es nötig wäre. Wenn es uns gelingt, unseren Blick für die Handlungsspielräume und Möglichkeiten zu öffnen, können wir Prozesse gestalten statt uns ausgeliefert zu fühlen.

Ich werde andere froh machen. Gerade im Arbeitsleben ist jeder auf das eigene Wohl bedacht. Arbeit wird jedoch als erheblich befriedigender erlebt, wenn wir uns stärker auf den eigenen Beitrag konzentrieren statt auf den eigenen Vorteil. Sich anderen nützlich machen, ihnen Wohlwollen entgegenbringen und durch das eigene Handeln das Leben anderer bereichern – damit wird Arbeit erheblich erfüllender als durch die Konzentration auf den Eigennutz.

Ich werde jede Gelegenheit nutzen, mich zu freuen. Glück stellt immer eine Eigenleistung dar. Glück ist selten spektakulär, sondern entsteht durch viele kleine Gelegenheiten, die Anlass zur Freude bieten. Wir müssen lediglich unseren Blick dafür schärfen. Eine gute Tasse Kaffee in der Pause, das gemeinsame Lachen über eine absurde Situation, die Freude über eine gelungene Arbeit – all das kann viele gute Gefühle auslösen, sofern wir bereit sind, das Glückspotential  solcher Situationen zu erkennen und zu schätzen.