Von innen nach außen

Ich hatte diese Woche Gelegenheit, an einer Fortbildungsveranstaltung mit einem sehr gut durchdachten Konzept teilzunehmen. Es ging um professionelle Präsentation. Uns Teilnehmern standen etliche Experten mit ihrem Know-how zur Verfügung. Zwei von ihnen sind mir als sehr kompetent aufgefallen. Ihnen gebührt mein Respekt.

Was mir aber auch aufgefallen ist: Der Initiator und zugleich Moderator der Veranstaltung gab sich bereits in seiner Begrüßungsrede ganz ungeniert sexistisch und hielt sich dabei offensichtlich für humorvoll. Die Expertin für souveräne Selbstdarstellung sah aus wie ein braves Mädchen, sie wirkte ausgesprochen bieder und farblos. Und die Beraterin für stylisches Auftreten kam zu dieser Businessveranstaltung verkleidet wie eine Prinzessin mit wallenden Gewändern. Keine dieser Personen konnte mich überzeugen und ich würde es energisch ablehnen, mich von ihnen beraten zu lassen. Sie demonstrieren nur allzu deutlich, dass sie keine Experten sind und das, was sie selbst entbehren, zu ihrem Beruf gemacht haben.

Das ist kein seltenes Phänomen, ich kenne es nur zu gut aus meinem eigenen beruflichen Umfeld: Wer mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt, der wird eben Coach und pfuscht im Leben der anderen herum. Das ist verantwortungslos und gefährlich. Tatsächlich findet Entwicklung immer andersherum statt: von innen nach außen. Erst wenn ich selbst mit dem betreffenden Thema ausgezeichnet zurechtkomme, erst wenn ich weiß, wie’s geht und es auch selbst anwenden kann – erst dann darf ich mein Wissen und Können anderen Menschen verkaufen. Erst dann bin ich überzeugend und als Berater – wofür auch immer – legitimiert.

 

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