Dumme Ausreden

Vor einigen Tagen bin ich geschäftlich verreist und habe seit längerem wieder einmal den Zug genommen. Abends stand ich dann auf dem Bahnsteig und wartete auf den ICE, der mich nach Hause bringen sollte. Am laufenden Band hörte man Lautsprecherdurchsagen, von denen mehr als 50% Verspätungen ankündigten. Mein Zug war ebenfalls unpünktlich, was mich nicht weiter überraschte. Was mich hingegen erstaunte, war die Begründung, die per Lautsprecher gleich mitgeliefert wurde: Der Zug würde wegen einer Verspätung im Ausland auf sich warten lassen. „Ausland“ konnte in diesem Fall nur „Holland“ bedeuten. Ich traute meinen Ohren nicht, aber sobald ein neuer Zug im Bahnhof eintraf, wurde die Ansage für die frisch Ausgestiegenen wiederholt.

Die Holländer waren also schuld, nicht etwa die Deutsche Bahn. Der würde solch ein Ausrutscher ja auch nie im Leben passieren, denn wie wir alle wissen, sind deutsche Züge immer pünktlich….

Abgesehen davon, dass es mich nicht die Bohne interessiert, wie die Verspätung zustande gekommen ist und wer sie zu verantworten hat (ich will schließlich nichts anderes als weiterreisen!), ist es sicher auch kein schöner Zug, die Nachbarn zu beschuldigen. Aber es ist sicher typisch und legt Zeugnis ab von der verbreiteten Ich-war’s nicht-Mentalität. Es gilt, wann immer möglich, eigene Verantwortung zu leugnen und die Schuld abzuschieben – ganz gleich, wie erbärmlich und unsinnig das auch sein mag.

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