Mehr Respekt bitte!

Ich war in den vergangenen sieben Tagen gleich zweimal auf großen Veranstaltungen mit mehreren Tausend Menschen. Meine Neugier hat mich dorthin getrieben. Auch die Tatsache, dass ich für beide Ereignisse Freikarten bekommen konnte, hat sicher eine Rolle gespielt. Es ging um eine Vielzahl von Themen wie Vertrieb und Persönlichkeitsentwicklung. Mehrere Redner und Trainer bemühten sich darum, ihrem Publikum möglichst viel mitzugeben. Tatsächlich waren einige blitzgescheite und sehr beeindruckende Referenten darunter. Aber es gab auch zwei Personen, bei denen ich zwischen Staunen und Widerwillen hin- und her gerissen war. Diese Referenten vertraten eine Tschakka-Mentalität. Sie ließen uns Sätze zum Nachbarn sagen wie „Du schaffst alles, was du willst“, was immer mit einer High five-Geste begleitet werden musste, sie ließen uns aufstehen und einander an den Händen halten, wir sollten uns gegenseitig beklatschen und sie versicherten uns mit lauter Stimme, dass unser Leben von nun an besser sein würde, weil wir ab heute einiges besser wüssten und nun anders machen würden.

Mich schaudert bei so viel Überheblichkeit. Zwar bin ich überzeugt, dass diese beiden Referenten durchaus gute Absichten verfolgen. Aber es ist bestenfalls naiv zu glauben, man könne so viele Menschen besser und glücklicher machen, wenn man sie zum Klatschen und sturen Wiederholen von Mantras auffordert. Im Grunde steckt eine gehörige Portion Respektlosigkeit darin. „Ich weiß, was gut für dich ist und du machst jetzt, was ich sage, dann wird dein Leben besser.“, so lautet die Botschaft. Natürlich: Diese Menschen haben von ihrem Publikum einen Bildungsauftrag erhalten. Aber die Verantwortung bleibt natürlich trotzdem beim Einzelnen. Er entscheidet, was er mit der Botschaft anstellt.

Wenn wir einem anderen Menschen zu mehr Einsicht verhelfen wollen, dann sollten wir uns beschränken. Wir können Zusammenhänge erläutern, wir können Vorschläge machen. Aber niemand sollte anderen vorschreiben, was sie zu tun und zu denken haben. Nicht einmal, wenn eine gute Absicht dahintersteckt.

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