Archiv für den Monat: Oktober 2015

Go for it!!!

Gestern sprach mich ein sympathisch aussehender junger Mann auf der Straße an. Er erzählte, er habe sich gerade als Immobilienmakler selbstständig gemacht und nun ging er durch unser Viertel, sprach die Bewohner an und drückte ihnen seine Visitenkarte in die Hand. Wir kamen kurz ins Gespräch und mir fielen zwei Dinge an diesem Mann auf: Zum einen schien er beseelt von der Idee, im Immobiliengeschäft zu arbeiten. Zum anderen war mir klar, dass er keinen Erfolg haben wird. Woher ich das weiß? Nun, dem jungen Mann fehlte der Biss. Er hielt sich nicht aufrecht, seine Haltung war schlaff und er ließ jeder seiner Bemerkungen ein beschwichtigendes Lachen folgen. Auf mich wirkte er, als könne er selbst nicht recht glauben, was er da vorhatte. So wird niemand in einem solch harten Geschäft erfolgreich.

Ich bin überzeugt, dass es nicht genügt, etwas zu finden, das man gerne tun würde. Man braucht darüber hinaus Biss. Das bedeutet: Ich glaube fest daran, dass ich erfolgreich sein kann und mir der Erfolg zusteht. Ich tue alles dafür und lasse mich nicht entmutigen. Ich richte meine ganze Energie auf dieses Ziel und lasse nicht locker. Ich setze alles ein, was ich habe: meine Kompetenz, meinen Mut, meine Fantasie, meine Überzeugungskraft. Diese starke innere Überzeugung wird für die Umgebung unweigerlich spürbar. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich Türen öffnen.

Ich bin diesem jungen Mann sehr dankbar für sein schlechtes Beispiel. Hat er mich doch zum Nachdenken gebracht: Wie steht es denn um meine eigene innere Überzeugungskraft? Ich habe den Verdacht, dass ich hier und da zu halbherzig agiere. Ich muss meine Einstellung überprüfen. An große Vorhaben geht man ganz bestimmt anders heran als der junge Makler: aufrecht und mit gestrafften Schultern.

Mehr Respekt bitte!

Ich war in den vergangenen sieben Tagen gleich zweimal auf großen Veranstaltungen mit mehreren Tausend Menschen. Meine Neugier hat mich dorthin getrieben. Auch die Tatsache, dass ich für beide Ereignisse Freikarten bekommen konnte, hat sicher eine Rolle gespielt. Es ging um eine Vielzahl von Themen wie Vertrieb und Persönlichkeitsentwicklung. Mehrere Redner und Trainer bemühten sich darum, ihrem Publikum möglichst viel mitzugeben. Tatsächlich waren einige blitzgescheite und sehr beeindruckende Referenten darunter. Aber es gab auch zwei Personen, bei denen ich zwischen Staunen und Widerwillen hin- und her gerissen war. Diese Referenten vertraten eine Tschakka-Mentalität. Sie ließen uns Sätze zum Nachbarn sagen wie „Du schaffst alles, was du willst“, was immer mit einer High five-Geste begleitet werden musste, sie ließen uns aufstehen und einander an den Händen halten, wir sollten uns gegenseitig beklatschen und sie versicherten uns mit lauter Stimme, dass unser Leben von nun an besser sein würde, weil wir ab heute einiges besser wüssten und nun anders machen würden.

Mich schaudert bei so viel Überheblichkeit. Zwar bin ich überzeugt, dass diese beiden Referenten durchaus gute Absichten verfolgen. Aber es ist bestenfalls naiv zu glauben, man könne so viele Menschen besser und glücklicher machen, wenn man sie zum Klatschen und sturen Wiederholen von Mantras auffordert. Im Grunde steckt eine gehörige Portion Respektlosigkeit darin. „Ich weiß, was gut für dich ist und du machst jetzt, was ich sage, dann wird dein Leben besser.“, so lautet die Botschaft. Natürlich: Diese Menschen haben von ihrem Publikum einen Bildungsauftrag erhalten. Aber die Verantwortung bleibt natürlich trotzdem beim Einzelnen. Er entscheidet, was er mit der Botschaft anstellt.

Wenn wir einem anderen Menschen zu mehr Einsicht verhelfen wollen, dann sollten wir uns beschränken. Wir können Zusammenhänge erläutern, wir können Vorschläge machen. Aber niemand sollte anderen vorschreiben, was sie zu tun und zu denken haben. Nicht einmal, wenn eine gute Absicht dahintersteckt.

„Das hab ich gut gemacht!“

Kürzlich habe ich abends noch eine – nicht allzu herausfordernde – Arbeit erledigt, die mir besonders gut gelungen ist. Danach hatte ich Mühe einzuschlafen, weil mich die Aufgabe belebt hatte und ich vom Ergebnis so begeistert war. Mir wurde einmal mehr klar, welch große Bedeutung auch kleine Erfolge für unser alltägliches Wohlbefinden besitzen. Wir müssen Gelegenheit haben, stolz auf uns zu sein und brauchen die Gewissheit, etwas ausrichten zu können.

Ich wundere mich immer wieder über diejenigen, die lustlos an ihre Arbeit gehen, die die Dinge nur halbherzig erledigen. Minderwertige Arbeit kann keine Befriedigung verschaffen. Sie gibt keinen Anlass zum Stolz, sie stellt keinen wirklichen Beitrag dar. Pfusch kann niemanden froh machen, weder den Pfuscher selbst noch denjenigen, der für die Arbeit bezahlen muss.

Viele glauben, sie hätten nur dann Anlass zum Stolz, wenn andere ihre Arbeit loben. Das ist aber natürlich Unsinn, denn andere haben meist genug mit sich selbst zu tun und achten nicht auf die Leistungen ihrer Mitmenschen. Außerdem ist die Meinung der anderen nicht bedeutsam. Wir dürfen uns nicht davon abhängig machen. Entscheidend ist vielmehr, was wir selbst von uns halten.

Manch einer meint zudem, er habe nur dann Anlass zum Stolz, wenn er Großes vollbringt. Das stimmt jedoch nicht, denn auch kleine Dinge zählen. Unser Alltag besteht aus einer Vielzahl von Kleinigkeiten und in der Summe besitzen sie allemal mehr Gewicht als irgendeine einzelne herausragende Leistung. Wir haben jeden Grund, uns auch mit den weniger bedeutsamen Aufgaben Mühe zu geben. Ich halte es hier mit Napoleon Hill, der geschrieben hat: „If you cannot do great things, do small things in a great way.“ Denn es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als sich sagen zu können: „Das habe ich gut gemacht!“