Gedankenlosigkeit

1. Mai und trotz des trüben und kühlen Wetters zieht es die Menschen ins Freie. Beim Ausführen meiner Hunde sehe ich mehrere Familien mit Kindern, die gemeinsam ihren Frühlingsspaziergang absolvieren. Sie bewegen sich auf einem breiten Feldweg. Rechts von ihnen ein frisches Weizenfeld mit strahlend grünen jungen Halmen, links ein blühendes Rapsfeld. Die Väter spielen beim Laufen ein lebhaftes Ballspiel mit den Kindern. Ich höre das Rufen und Johlen schon von weitem. Dann landet der Ball mit Schwung im Weizenfeld. Das war vorhersehbar. Nun macht sich die ganze Gruppe auf die Suche. Alle laufen lachend im Feld herum. Die Getreidehalme sind schon so lang, dass man Gegenstände dazwischen nur erkennen kann, wenn man senkrecht auf sie herabsieht. Die Suche dauert folglich viele Minuten lang. Während dieser Zeit bewegen sich kleine und große Menschen ungeniert durch das Feld. Schließlich ein triumphierendes Rufen: Der Ball ist gefunden. Mit viel Gelächter und in strahlender Laune geht die Gruppe zurück auf den Weg und trampelt dabei gedankenlos weitere Halme nieder.

Ich überlege, dass der Bauer die Freude dieser Menschen höchstwahrscheinlich nicht teilen würde. Und ich tue es auch nicht. Im Weitergehen spüre ich Wut in mir aufsteigen. Diese fröhliche Gedankenlosigkeit macht mir zu schaffen. Ich vermute, dass auf diese Weise größerer Schaden angerichtet wird als durch mutwillige Zerstörung.

Ich für meinen Teil fühle mich zu Menschen hingezogen, die auch in den kleinen Dingen umsichtig und rücksichtsvoll sind. Es gibt sie ja, zum Glück! Und mir fällt dazu ein Satz von William Wordsworth ein, der schrieb: „Der beste Teil im Leben eines guten Menschen, seine kleinen, namenlosen und leicht vergessenen Gesten der Freundlichkeit und Liebe.“

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