Der Störfall als Normalfall

Während der vergangenen zehn Tage habe ich jede Menge Störfälle im privaten Umfeld erlebt oder berichtet bekommen: In meiner Patchworkgruppe gab es einen Todesfall; einer Freundin ist das gut gewartete noch recht neue Auto kaputtgegangen; ein Kleinkind hat sich mit Tee verbrüht; der Bruder einer Bekannten hat sich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen infiziert; in einer Organisation, mit der ich eng zusammenarbeite, sind durch Krankheitsausfälle und Personalknappheit die verbliebenen Mitarbeiter kaum noch in der Lage, das Tagesgeschäft aufrechtzuerhalten; eine noch junge Frau braucht ein künstliches Kniegelenk und last not least hatte meine Hündin eine lebensgefährliche Infektion und musste als Folge davon eine schwere Operation überstehen.

Daneben gibt es noch die ungezählten und ganz alltäglichen kleinen Kränkungen und Enttäuschungen. Außerdem habe ich jede Menge Sorgen und Ängste beobachtet, die sich auf Dinge und Ereignisse beziehen, die noch gar nicht passiert sind und möglicherweise auch nie eintreten werden.

All das zusammengenommen löst nicht nur starke negative Gefühle aus, sondern häufig auch Verwunderung oder gar Empörung. Ich staune immer wieder, wie viele Menschen scheinbar davon ausgehen, dass störungsfreie Abläufe als Norm zu betrachten seien und alles Störende als Abweichung davon. Vermutlich wäre das Leben einfacher, wenn wir das Unglück schulterzuckend als selbstverständlichen Bestandteil unserer Alltagserfahrung betrachten könnten. Dann wäre das Schwere wenigstens leichter zu akzeptieren und wir bräuchten nicht zu hadern. Denn damit vergeuden wir nur Energie. Das Schlimme, Schwere und Traurige ist nun einmal ein unvermeidbarer Bestandteil unserer Existenz. Wenn wir das akzeptieren, können wir uns besser darauf konzentrieren, unser Unglück zu bewältigen und einander zu helfen.

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