Locker bleiben

Kürzlich hatte ich mit jemandem zu tun, der sehr genau wusste, was er für richtig und erstrebenswert hielt und mit aller Kraft darauf hinarbeitete. Das ist im Grunde nichts Schlechtes, im Gegenteil: Der Mangel an Werten und Idealen in unserer Gesellschaft wird ja immer wieder beklagt. Allerdings lässt sich alles übertreiben, auch das Streben nach Gutem. Daraus entsteht dann für den Idealisten so mancher Schaden. Je näher seine Bemühungen an Verbissenheit grenzen, desto schlimmer wird es. So zeigten Studien beispielsweise, dass Menschen mit besonders starken religiösen oder politischen Überzeugungen recht humorlos sind. Denn Humor erfordert eine spielerische Haltung, das Zulassen von Widersprüchen etc. Menschen, die politisch weit links stehen, erfahren weniger Lebensfreude, denn sie leiden an der allgegenwärtigen Ungerechtigkeit.

Auch die Selbstachtung kann in Mitleidenschaft gezogen werden: Denn wer sich stets nur das Beste abfordert, setzt sich gewaltig unter Druck. Seine Kompromisslosigkeit erzeugt immer wieder Misserfolge und Enttäuschung.

Keine Frage: Gut sein und das Richtige tun, fühlt sich gut an. Aber auch hier ist Maßhalten angebracht und es gilt die Regel: Immer schön locker bleiben!

 

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