Archiv für den Monat: März 2015

Locker bleiben

Kürzlich hatte ich mit jemandem zu tun, der sehr genau wusste, was er für richtig und erstrebenswert hielt und mit aller Kraft darauf hinarbeitete. Das ist im Grunde nichts Schlechtes, im Gegenteil: Der Mangel an Werten und Idealen in unserer Gesellschaft wird ja immer wieder beklagt. Allerdings lässt sich alles übertreiben, auch das Streben nach Gutem. Daraus entsteht dann für den Idealisten so mancher Schaden. Je näher seine Bemühungen an Verbissenheit grenzen, desto schlimmer wird es. So zeigten Studien beispielsweise, dass Menschen mit besonders starken religiösen oder politischen Überzeugungen recht humorlos sind. Denn Humor erfordert eine spielerische Haltung, das Zulassen von Widersprüchen etc. Menschen, die politisch weit links stehen, erfahren weniger Lebensfreude, denn sie leiden an der allgegenwärtigen Ungerechtigkeit.

Auch die Selbstachtung kann in Mitleidenschaft gezogen werden: Denn wer sich stets nur das Beste abfordert, setzt sich gewaltig unter Druck. Seine Kompromisslosigkeit erzeugt immer wieder Misserfolge und Enttäuschung.

Keine Frage: Gut sein und das Richtige tun, fühlt sich gut an. Aber auch hier ist Maßhalten angebracht und es gilt die Regel: Immer schön locker bleiben!

 

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Preis und Wert

Neulich kam ein Auftrag nicht zustande, weil mich der Kunde unbedingt unter Wert einkaufen wollte. Ein anderer Kunde hingegen war nach kurzer Verhandlung bereit, auf meine Preisforderung einzugehen, da er sich des Mehrwerts meiner Leistung bewusst war.

Preisverhandlungen sind oft ein wenig heikel und so mancher Anbieter weiß nicht einmal selbst genau, was er denn nun wert ist. Das muss natürlich geklärt sein, bevor eine Verhandlung beginnen kann.

Für den Käufer habe ich einen wunderbaren Text von John Ruskin zum Thema „Preisverhandlung“ entdeckt. Er schreibt: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

Frauen mit Autorität und Stil

In der vergangenen Woche habe ich beim Fernsehen einmal gezielt auf die Darstellung der weiblichen Rolle geachtet. Dass Frauen in etwas älteren Spielfilmen als rührend hilflos und niedlich rüberkommen, ist nichts Neues. Aber es gab auch durchaus moderne Filme, in denen die weibliche Protagonistin weinend zusammenbrach oder vor lauter Schreck handlungsunfähig war, sodass der Mann den aktiven Part übernehmen musste. Ich habe hingegen nicht eine einzige Szene gefunden, in der es sich umgekehrt verhielt.

Zugegeben – das waren alles nur Stichproben. Ich weiß, es gibt im Film auch Darstellungen von starken Frauen und schwachen Männern. Aber der Trend geht doch in die umgekehrte Richtung. Das finde ich wirklichkeitsfremd und sehr unbefriedigend. Und Shows wie „Germany’s next Topmodel“, „Der Bachelor“ u.ä. sind in meinen Augen ohnehin ein einziges Ärgernis. Ich wäre entsetzt, wenn eine meiner Töchter sich dort bewerben wollte.

Kürzlich erhielt ich den Auftrag, einen Vortrag für weibliche Unternehmerinnen zu halten zum Thema „Führen mit Autorität und Stil“. Diesen Auftrag habe ich sehr gerne angenommen. Wir haben weit mehr davon, Menschen zu stärken und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Ressourcen nutzbringend einsetzen können. Der Gesellschaft ist nicht gedient, wenn der weiblichen Hälfte Hilfsbedürftigkeit suggeriert. die männliche Hälfte hingegen zur Stärke und Überlegenheit verdonnert wird. Damit ist niemandem geholfen. Beide Rollen sind ein furchtbares Korsett. Wann werden wir uns endlich davon befreien?

Augen auf für das Schöne!

Ein trüber und verregneter Sonntag. Der Frühling lässt auf sich warten. Seit einigen Tagen gibt es Sorgen in der Familie. Obendrein kämpfe ich noch mit den Folgen eines Eingriffs. Stimmungstief. Ich erledige ein paar Routinearbeiten im Haus. Beim Blumengießen fällt mein Blick auf die feine Zeichnung, die den Übertopf einer Pflanze schmückt. Ich schaue genauer hin: zarte Blüten, anmutig und liebevoll gezeichnet. Schlagartig fühle ich mich besser. Diese kleine Naturdarstellung auf meinem Übertopf ist doch tatsächlich in der Lage, Gefühle der Freude und Zuversicht in mir auszulösen. Es ist, als würde ein Schalter einfach umgelegt.

Im antiken Griechenland glaubte man an die seelische Heilkraft von Tönen. Ich bin fest überzeugt von der Heilkraft der Schönheit. Ich fürchte allerdings, dass das Bemühen um Schönheit zu sehr hinter dem Bemühen um Funktionalität zurücksteht. Die Notwendigkeit zur Schönheit wird oft nicht erkannt. Sie gilt als überflüssiger Luxus, den man sich eventuell gönnt, nachdem für alles andere bereits gesorgt ist. Die vielen tristen und vollkommen lieblos hergerichteten Gebäude der öffentlichen Verwaltung sind ein trauriges Beispiel dafür. Ich frage mich ernsthaft, welchen Einfluss solch eine hässliche Umgebung auf die Seelen der Mitarbeiter haben mag.

Andererseits können wir natürlich unseren Blick für all das Schöne um uns herum schulen. So lässt sich der Einfluss einer seelen- und geschmacklosen Umgebung begrenzen. Letzten Endes liegt es in unserer eigenen Verantwortung, wie viel Schönheit wir schaffen und erkennen. „Wer ein Herz für Schönheit hat, findet Schönheit überall.“ (Gustav Freytag) Also Augen auf!!!