Wie gewichtig ist mein Problem?

Gestern saß ich in der Beratung einer Kundin gegenüber, die von mir wissen wollte, ob sich andere Menschen auch mit solchen „Problemchen“ herumquälen wie sie selbst. Nun muss man wissen, dass diese Kundin beruflich enorme Verantwortung trägt und eine gigantische Aufgabe vor sich hat, von der gar nicht mal sicher ist, ob sie überhaupt gelöst werden kann. Hinzu kommt, dass sie aus einer dysfunktionalen Familie stammt, von der sie keinerlei Unterstützung erhält, dafür aber häufiger Respektlosigkeit und Entwertung erfährt.

Wenn ich mich umhöre, worüber die Menschen sich alltags unterhalten und was sie als Problem wahrnehmen, dann handelt es sich dabei häufig um Bagatellen: ein Schnupfen, ein schlechter Restaurantservice, der Stau auf der Autobahn, die nervige Kollegin etc. Viele von uns tendieren dazu, derartige Kleinigkeiten sehr ernst zu nehmen. Als Folge stellen sich dann entsprechend starke negative Gefühle ein.

Wie ernst ist ein Problem zu nehmen? Vielleicht sollten wir hin und wieder mal innehalten und prüfen, ob wir den Dingen das rechte Maß an Aufmerksamkeit schenken und ob es sich dabei auch um die rechte Art von Aufmerksamkeit handelt. Sonst laufen wir Gefahr, ernste Probleme zu bagatellisieren und Bagatellen ernst zu nehmen. Das sollte nicht passieren. Zudem gilt, was Milton in seinem „Verlorenen Paradies“ schrieb: „Der Geist ist eine eigene Welt für sich, in der die Hölle zum Himmel und der Himmel zur Hölle werden kann.“

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