Die im Dunkeln …

Ich hatte mein Auto in einem Wiesbadener Parkhaus abgestellt und wollte mich bei meiner Rückkehr gerade am Kassenautomaten anstellen, als ich ihn entdeckte: den Mann im Kassenhäuschen. Rechts vom Automaten ein abgetrennter Bereich mit spiegelnden Glasscheiben, kein Licht darin. Er ist also nicht leicht zu erkennen, der Mensch, der allein in diesem riesigen Parkhaus seinen Dienst versieht. Er ist wohl auch nur selten gefragt, denn überall stehen Automaten und die Kunden dürften in der Regel ohne menschliche Unterstützung zurechtkommen.

Ich nickte und lächelte ihm spontan zu, dem Mann im Dunkeln. Vor mir stand nur eine einzige Person am Automaten, ich hielt Parkschein und Kleingeld bereits griffbereit. Aber der Mann hinter der Scheibe wollte nicht erlauben, dass ich anstand. Er strahlte und winkte mich heran. Es lag ihm daran, mich rasch und zuvorkommend zu bedienen. Es war, als hätte mein Lächeln ihn aufgeweckt aus einem bösen Zauber, der ihn dazu verdammt, unsichtbar und passiv zu sein.

Den anderen zu sehen, ist eines der größten Geschenke, die wir ihm machen können. Jemanden wahrzunehmen kommt einer Anerkennung seiner Existenz gleich. Damit geben wir der Person Bedeutung. Ich liebe die Worte von Botho Strauß, weil sie so treffend und anrührend sind: „Du gehst dem nach, von dem du dich wahrgenommen fühlst. Dem du so ernst erschienen bist. Überall sonst die treulos schweifenden Blicke, die knisternden Funken ungenauen Hinsehens. Jedoch, wahrgenommen werden: als sanfte Erhöhung spürst du, was schon als unaufhaltsame Auszehrung, Entleerung, Ermattung deiner Person seinen Lauf genommen hat.“

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