Archiv für den Monat: Dezember 2014

Reine Kopfsache

Ich gebe es unumwunden zu: Ich bin ein Angsthase. Sobald die erste Schneeflocke fällt, fürchte ich mich vor dem Autofahren. Dann würde ich mich am liebsten im Haus verschanzen und erst im Frühjahr wieder herauskommen. Selbstverständlich können Straßenverhältnisse unter Umständen für jeden Fahrer sehr gefährlich werden, aber meine Furcht geht weit über ein vernünftiges Maß an Vorsicht hinaus. Keine Ahnung, woher diese übertriebene Angst kommt, aber sie ist jedenfalls da und erzeugt Stress.

Heute ist es wieder so weit: Draußen alles weiß, pausenloser Schneefall und nach den Feiertagen fehlen ein paar Lebensmittel im Kühlschrank. Ich müsste einkaufen fahren. Nach einem Blick aus dem Fenster beschließe ich, dass wir uns übers Wochenende ein wenig einschränken werden. Wir können ja die Reste vom Weihnachtsessen verputzen und brauchen auch nicht unbedingt frische Milch für den Kaffee. Klingt ganz rational, ist aber bloß eine Ausrede. Tatsächlich versuche ich, mich vor dem Autofahren im Schnee zu drücken. Als mir das klar wird, gebe ich mir innerlich einen Ruck und fahre los. Schließlich kommen Menschen weiter, wenn sie denken „Die Sache ist machbar und liegt im Bereich meiner Möglichkeiten“ statt „Das geht bestimmt schief!“. Schon am Ende unserer ruhigen Wohnstraße drehen die Räder durch, das Heck bricht aus. Der Bremsweg verlängert sich erheblich. Sehr unschön. Ich fahre trotzdem vorsichtig weiter. In der Stadt ist nicht viel los, ich bin vermutlich nicht die Einzige, die sich fürchtet.

Später, auf dem Rückweg, geht es über eine längere Strecke bergauf und es gibt eine scharfe Kurve. Die beiden Autofahrer vor mir geben auf. Ich hingegen habe inzwischen so etwas wie sportlichen Ehrgeiz entwickelt. Im ersten Gang ziehe ich an ihnen vorbei, sehr langsam zwar, aber ich komme voran (nein, ich habe keinen Geländewagen!). Wenig später bin ich zuhause. Damit habe ich mir selbst wieder einmal bewiesen, was ich meinen Kunden in der Beratung so gerne einbläue: „Hab die Angst und tu’s!“. Gerade das, was uns Angst macht, wird zur Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Dabei finden wir dann für gewöhnlich heraus: Die meisten Probleme existieren nur im Kopf und die Dinge sind in Wirklichkeit fast immer viel weniger schlimm, als wir uns das ausmalen. „Fear“ lautet das englische Wort für Angst. Es lässt sich auch als Abkürzung verstehen für False Evidence Appearing Real.

Der Weihnachtskern

Gestern wurde in einem Radiobeitrag berichtet, worüber Familien zur Weihnachtszeit streiten. Offenbar sind Weihnachtsessen und Weihnachtsdeko nicht selten Anlass für Auseinandersetzungen. Erst habe ich ob dieser Absurdität hellauf gelacht, dann wurde mir beklommen zumute.

In den vergangenen Tagen habe ich unter meinen flüchtigen Bekannten mal ein wenig herumgefragt, wie sie das Fest verbringen. Etliche berichteten mir vom Alleinsein.

Ist es wirklich so beklemmend? Sind wir entweder allein oder streiten unterm Weihnachtsbaum? Das mag ich nicht glauben. So schwer kann das freudvolle Miteinander doch nicht sein?!

Ich für meinen Teil habe meine riesige Familie um mich versammelt. Klar, vor dem Fest wird gearbeitet: Planen, einkaufen, putzen, kochen, backen, schmücken – was halt so dazu gehört. Aber all das ohne jeden Anspruch auf Perfektion (da habe ich doch tatsächlich die Schokotropfen für meine weltbesten Brownies vergessen! Außerdem lässt sich ein Teil der Deko einfach nicht mehr auffinden… Aber egal!). Denn das Wichtigste ist doch das Zusammensein! Darum geht es im Kern: Sich wohlfühlen mit den Menschen, die zu mir gehören. Wir werden gemeinsam eine angenehme und schöne Zeit verbringen – ohne Schokotropfen und diesmal auch ohne die Weihnachtsengel…

Durchhänger? Kein Problem!

Es ist neun Uhr am Vormittag und ich hänge schlaff in den Seilen. Keine Kraft, keine Lust, dafür aber Dauerregen und ein leichter Schnupfen. Was jetzt?

Für derartige Situationen kenne ich eine ganze Reihe hilfreicher Strategien:

  • Zuerst mal anerkennen, dass es ist, wie es ist. Bäume ausreißen ist nichts für jeden Tag. Durchhänger gehören zum Alltag. Zudem ist es normal, dass sich Sommer anders als Winter anfühlt. Wenn es den ganzen Tag nicht richtig hell wird, dann werden wir eben manchmal auch gar nicht erst richtig munter.
  • Wichtig zu wissen: Ich kann nicht verhindern, dass es mal zu Durchhängern kommt, ich kann aber beeinflussen, wie schlimm es wird.
  • Dann eine Entscheidung treffen: Ich werde mich nicht gehenlassen, sondern intelligent mit dem Durchhänger umgehen.
  • Als nächstes zu einer liebevollen Einstellung finden: Ich werde mich heute nicht überfordern, werde mich nicht peitschen, sondern geduldig mit mir sein.
  • Ich suche mir auf jeden Fall etwas zu tun. Aktivität kann sogar Depressionen vertreiben. Passives Herumhängen hingegen macht die Situation schlimmer.
  • Wenn ich eine ungeliebte Tätigkeit ausführe, schadet das meiner Laune nicht – sie ist ja ohnehin nicht gut. Wenn dann aber die Sache am Ende erledigt ist, stellt sich ein Triumphgefühl ein. Ich bin stolz auf mich und fühle mich tüchtig – das Gegenteil vom Durchhänger! Also suche ich mir wenn möglich eine Beschäftigung, die ich grundsätzlich nicht besonders mag.
  • Manchmal hilft es auch, einen starken Kaffee zu trinken – das kann Wunder bewirken. Ich bin danach manchmal sogar leicht euphorisiert.
  • Sehr wirkungsvoll gegen Durchhänger ist auch, sich mit anderen Menschen zu beschäftigen. Es lenkt von der eigenen Befindlichkeit ab.
  • Wichtig  bei jedem Durchhänger: die Kontrolle der Gedanken! Man darf sich selbst nicht so ernst nehmen. Bloß nicht grübeln! Das wäre unproduktiv und würde die miese Stimmung verstärken.
  • Licht und Bewegung tun grundsätzlich gut. Ein Spaziergang mit den Hunden ist da genau das Richtige.

Vermutlich muss jeder ausprobieren, was ihm gegen einen kleinen Winterblues am besten hilft. Bei mir ist das immer irgendeine Form von Aktivität. Sie bringt mich wieder in Schwung und ich vergesse, dass ich heute ja eigentlich nicht gut drauf bin…

Vom Segen der Ungeduld

Vor ein paar Tagen stand ich in unserer kleinen Filiale einer großen Ladenkette. In den Armen hielt ich zwei Kartons und wartete an der Kasse, wo zwei Frauen mittleren Alters mit osteuropäischem Akzent ihre Entscheidungsschwierigkeiten mit der Kassiererin diskutierten. Ich selbst bin ein schnell entschlossener und ungeduldiger Mensch, sodass mir das rechte Verständnis für die beiden Frauen abging. Die Sache zog sich hin und ich begann, die Kassiererin mehr und mehr zu bewundern. Sie ging so ausdauernd freundlich und entgegenkommend mit den Kundinnen um, dass ich kurz davor war, mich für meine Ungeduld zu schämen.

Schließlich kam ich an die Reihe und ich musste es der Kassiererin einfach sagen: „Ich bin ziemlich beeindruckt von Ihrer Geduld und gleichbleibenden Freundlichkeit.“ Sie sah mich sehr ernst an und erwiderte, dass Sie Psychopharmaka nehme und in psychologischer Behandlung sei. Sie würde immer öfter an ihre Grenzen kommen.

Ich war entsetzt zu hören, welch hohen Preis diese Frau für ihre Geduld und Freundlichkeit entrichten musste. Die beiden Kundinnen danken es ihr gewiss nicht (eine von ihnen wurde beim Verlassen des Ladens dabei erwischt, wie sie eine Jacke mitgehen lassen wollte). Vielleicht wäre es gut für die Kassiererin, so ungeduldig zu sein wie ich und dies als Signal zur Abgrenzung zu nutzen. In dem Moment, da die Ungeduld spürbar wird, kann man etwas zum eigenen Schutz unternehmen. Freundlichkeit und Abgrenzung lassen sich dabei durchaus vereinbaren. Selbstaufopferung hingegen ist definitiv keine Option!

 

Immer einen Schritt nach dem anderen!

Die Vorweihnachtszeit kann ganz schön anstrengend sein! Da ich eine sehr große Familie habe, gibt es viel fürs Fest vorzubereiten. Hinzu kommt noch die ganze Weihnachtspost für meine Kunden; und obendrein muss ich im Laufe des Monats vertragsgemäß mein neues Buchmanuskript fertigstellen und an den Verlag schicken. Daneben läuft der ganz normale Alltag weiter mit seinen vielen Herausforderungen und nervigen Kleinigkeiten. Da kann man schnell mal aus der Puste kommen…

Muss man aber nicht! Zugegeben: Ich arbeite in diesen Wochen mehr als sonst. Aber das geschieht nicht als Reaktion auf einen inneren Antreiber, der die Peitsche schwingt und dabei ruft: „Du musst noch…Beeil dich!“ Denn ich bin fest entschlossen, die Zeit zu genießen und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Es ist eine schöne Jahreszeit, die ersten Fröste, der Duft von Frischgebackenem, die vielen Kerzen und Lichter – alles Dinge zum Genießen. Und auch meine Tätigkeiten sind toll: Ich freue mich, so vielen Familienmitgliedern und Freunden etwas zu schenken, so vielen sympathischen Kunden zu schreiben und nicht zuletzt bin ich dankbar für die Gelegenheit, für einen so tollen Verlag an einem so schönen Thema schreiben zu dürfen. Ich bin fest entschlossen, mir all die Freude nicht durch Stress verderben zu lassen. Deswegen gehe ich bewusst und zügig einen Schritt nach dem anderen, aber ohne Hast. Ich bin bei allem, was ich tue, präsent und freue mich daran. Mein Arbeitstag hat zwar nun ein paar Stunden mehr als sonst – aber was macht das schon?! Es sind schöne Stunden, sie machen mich froh. Das ist schließlich das Wichtigste im Leben.