Viel stärker, als wir glauben

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich in meiner Freizeit gern mit Patchwork. Es ist eine sehr kreative und befriedigende Art der Entspannung. Im Laufe der Zeit habe ich viele Kurse besucht und dabei viele Frauen getroffen. Wenn wir so stundenlang beieinander sitzen und die Nähmaschinen surren, entsteht eine Atmosphäre der Verbundenheit, auch wenn wir uns kaum kennen und außer diesem Hobby nichts teilen. Die Frauen öffnen sich und erzählen einander aus ihrem Leben.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Schlimmes und Bedrückendes dabei zutage kommt. Schwere Krankheiten, Unfälle und Tod, Einsamkeit und zerplatzte Träume, sogar Gewalterfahrungen werden zum Gesprächsgegenstand. Es scheint, dass jede von uns mit Leid konfrontiert ist und eine Last trägt. Aber niemals habe ich erlebt, dass eine von den Frauen Selbstmitleid gezeigt hätte. Sie sprechen eher nüchtern über ihre Probleme, sehr pragmatisch berichten sie von ihrer Situation und wie sie damit umgehen. Zwischendurch wird immer wieder gelacht.

Für mich zeigt sich bei solchen Treffen, wie belastungsfähig wir tatsächlich sind. Viele von uns haben ein richtig hartes Schicksal zu tragen, aber wir wurden von der Natur für solche Fälle vorbereitet. Wir alle verfügen über zahlreiche Bewältigungsstrategien. Die Erfahrungen in meiner Patchworkgruppe zeigen mir einmal mehr, dass wir keine Angst vor dem Leben zu haben brauchen. Wir können viel mehr aushalten und meistern, als wir glauben. Deshalb meine ich, wir sollten uns mutig dem Leben stellen, uns einlassen und Kummer in Kauf nehmen. Es ist viel schlimmer, angstvoll zu verharren, als etwas zu wagen, das in irgendeiner Form Schmerz nach sich zieht. Mit Schmerzen können wir umgehen, aber Stillstand ist wie ein vorzeitiger Tod.

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