Archiv für den Monat: September 2014

Es ist, wie es ist

Diese Woche hat mir ein Kunde wieder einmal vor Augen geführt, was passiert, wenn wir hadern. Es gibt sie ja, die Dinge, die eigentlich nicht sein sollten, an denen wir aber nichts ändern können. Wer das nicht akzeptieren kann und dagegen anrennt, macht sich unglücklich und krank. Die Betroffenen wissen das meistens auch, aber dennoch. . .

Dabei müssten wir eigentlich nur die Fragestellung ändern, damit es uns besser ginge. Denn wir sind niemals vollkommen hilflos. Wir können zumindest immer entscheiden, wie wir mit einer Sache umgehen wollen. Statt zu fragen: „Wie kann ich das Unveränderbare verändern?“ könnten wir überlegen: „Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben mir angesichts dieser unveränderbaren Situation?“

Damit würden wir unsere Möglichkeiten erkunden, mit der Situation klarzukommen. Wir könnten neue Ziele entwickeln oder alte Ziele auf neuen Wegen verfolgen. Auf diese Weise werden auch schlimme Erfahrungen zu einem ausgezeichneten Mittel der Selbstentfaltung und persönlichen Weiterentwicklung. Voraussetzung ist allerdings, dass wir anerkennen, was ist.und damit aufhören zu fordern, Menschen und Dinge sollten anders sein. Das Universum nimmt keine Rücksicht auf unsere Bedürfnisse und folgt eigenen Gesetzen. Damit müssen wir uns aussöhnen. Klagen und Hadern sind niemals eine Option!

Bloß nicht zu bescheiden!

Kürzlich habe ich für unsere Hunde und Fische (wir haben ein ernstes Bevölkerungsproblem im Teich…) umfangreiche Futtervorräte besorgt. Die junge Frau an der Kasse war in Plauderstimmung und wollte wissen, ob ich das Futter für den Urlaub bräuchte. So kamen wir auf die Segnungen der Urlaubszeit zu sprechen und wie gut es doch tut, einmal Abstand zu haben vom Alltag. Sie erzählte, sie habe aus diesem Abstand heraus deutlich erkannt, dass ihr Mann sich von seiner Firma ausnutzen lasse. Er sei ein hochqualifizierter ITler und verdiene nur 18,00 € pro Stunde. Beide müssten Vollzeit arbeiten, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Sie berichtete, wie Sie auf Xing für ihn nach einem neuen Job gesucht habe, dass er Angebote erhalten habe, bei denen er über 4000,00 € im Monat verdienen könne. Ihr Mann sei zwar sehr aufgeschlossen für die Idee, sich besser bezahlen zu lassen, aber ihm fehle der Drive, er sei zu bescheiden, einen angemessenen Lohn zu fordern. Er sei noch sehr jung und nicht sicher, ob ihm ein besserer Lohn zusteht.

Ich kenne diese Haltung nur zu gut von einigen meiner Kunden. Es gibt viele Menschen, die meinen, es sei anmaßend, etwas für sich zu fordern. Viele lassen sich lieber vom Arbeitgeber ausbeuten als ihren Lohn neu zu verhandeln. Dahinter steckt nur allzu oft eine falsche Bescheidenheit, die es verbietet, stolz auf die eigene Leistung zu sein. Diese Menschen sind in ihren eigenen Augen niemals gut genug. Sie begnügen sich mit wenig, weil sie sich nicht erlauben können, großartig zu sein. Es passt nicht zu ihrer Selbstwahrnehmung. Dabei sind viele von ihnen hochqualifiziert. Aber sie erhalten nicht, was sie verdient hätten. Das ist traurig. „Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht“, schrieb Knigge 1788. Wohl wahr!

Keine Halbherzigkeiten!

Diese Woche habe ich an einem neuen Vortragsthema gearbeitet. Die Sache ging mir ungewohnt schwer von der Hand. Ich hatte zwar ganz brauchbare Literatur als Grundlage, aber irgendwie tat ich mich schwer damit, meinen Vortrag zu konzipieren. Ich schob die Arbeit vor mir her und wenn ich mich doch einmal daran setzte, funktionierte mein Gehirn merkwürdig schwerfällig. Dann stieß ich im Zusammenhang mit einer anderen Beschäftigung rein zufällig auf ein Zitat. Es stammt von Goethe und lautet: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Das war’s, hier lag die Erklärung! Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich die ganze Zeit nicht wirklich mit dem Herzen bei der Sache gewesen war. Der Vortrag hatte nur als ein Punkt auf meiner To do-Liste fungiert, der abgearbeitet werden musste. Zudem mochte ich den Autor eines der wichtigsten Bücher zum Thema nicht, weil ich ihn für eine überaus selbstgefällige Person halte. Davon hatte ich mich in meiner Haltung beeinflussen lassen. Nachdem mir das klar geworden war, änderte ich meine Einstellung. Von nun an sah ich in Gedanken bei der Vorbereitung des Vortrags meine Teilnehmer vor mir. Ich stellte mir ihre Gesichter vor und fragte mich, wie ich diese Menschen am besten erreichen könnte und was ich ihnen mitgeben wollte. Plötzlich ging die Arbeit fast mühelos voran, ich hatte Freude daran und viele gute Einfälle. Ich war mit dem Herzen bei der Sache und das beflügelte meinen Verstand.

Diese Erfahrung lässt sich ohne weiteres verallgemeinern. Ganz gleich, was wir tun – wo wir nicht mit ganzem Herzen bei der Sache sind, ist es, als würden wir mit angezogener Handbremse fahren. Wir kommen nicht weit.